1904

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Ein angenehmes Kröe.

Humoristischer Roman.

Von Victor von Reisner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Frau von Höchstfeld sah ihren Mann mit starrem Blick an, und dieser zog die Achsel in die Höhe, als wenn er sagen wollte: Sie verstehen es eben nicht Lesser, wir werden, hiernach tzu schließen, wohl noch 'ganz andere Dinge erleben!

Und nun kommen Sie einmal, mein bester Herr Major", wandte sich darauf der Graf an diesen,jetzt will ich 'Ihnen meine Depeschenreiter zeigen."

Depeschenreiter?" fragte dieser verwundert.

Die Sache ist nämliche so", erklärte ihm der Graf im Abgehen,da wir hier so gut wie abgeschnitten von der Außenwelt sind und uns weder durch die Post, geschweige denn durch den Telegraph mit unseren Freunden ver­ständigen können, so habe ich mir ein paar Kerle, die ohne­hin arbeitslos auf dem Hofe herumlungern, als De­peschenreiter abgerichtet/'

Der Major sah ihn verständnislos an, er begriff noch immer nicht recht.

Nehmen wir an. Sie oder eine andere Familie kommen zu Besuch", fuhr der Graf in seiner Erläuterung fort, was ist da natürlicher, als die lieben Nachbarn die sich freilich auf meilenweit erstrecken auch herbeizurufen? Eine briefliche Einladung braucht es hierzu natürlich nicht. Der Bote erscheint nur, bestellt einen schönen Gruß, die wissen auch gleich um was es sich handelt, lassen im Handumdrehen einfpannen, und ehe man sich's versieht, sind sie da/'

Das ist ja alles recht schön" meinte der Major, aber"

Passen Sie einmal auf", unterbrach ihn der Graf, Sie sollen sich gleich überzeugen- wie das am Schnürchen geht." Dann zog er ein silbernes Pfeifchen ans der Tasche, mit dem er zwei schrille Zeichen gab.

Der letzte Ton war noch nicht verklungen, da sprang schon einer, gleich darauf ein zweiter und dritter Bauern- bnrsche nach dem Stall, und nach kaum vier bis fünf Minuten sprengten sie in vollem Galopp zum Tore hinaus. Das war für das alte Soldatenherz eine Wonne, und mit aufrichtiger Bewunderung zollte der Major diesem exakten Manöver seine Anerkennung.

Nach einigen Minuten zog aber doch ein leicht spöttisches Lächeln iiber seine Lippen, und er konnte sich nicht ent­halten, zu sagen/

Die Sache klappte ganz famos bis auf eines,"

Nanu, und das wäre? fragte der Grast

-,Die Kerle haben, ja vergessen, die nönge.n Befehle

einzuholen sie würden also im Notfälle gar nicht wissens wohin sie reiten sollen."

Das ist ja eben die telegraphische Kürze", belehrte ihn der Graf mit pfiffigem Schmunzeln^jeder hat von vornherein seine bestimmten Gutshöfe einer von ihnen die Stadt, wo unsere Ulanen liegen. Pfeife ist also, da gibt es kein weiteres Fragen, sondern aufs Pferd, Gruß bestellt und weiter aus den nächsten Gutshof."

Dem Major dämmerte Schreckliches, und nichts weniger als erfreut, sagte er:

Sie werden doch jetzt nicht im Ernst die ganze Guts­nachbarschaft zusammen getrommelt haben. Das wäre mir peinlich, wir fittö noch fremd . . ."

Dann lernen Sie wenigstens alle auf einmal kennen."

Wir haben auch noch gar keine Besuche gemacht."

Das können Sie später nachholen, wir nehmen das nicht so streng."

Aber, Verehrtester Herr Graf", raffte sich der Major zu emem letzten Protest auf,wer weiß, wann die letzten Herrschaften kommen, wir können doch gar nicht so lange bleiben."

Ich denke, daß dies endgiltig erledigt ist", wider­sprach ihm dieser,Sie bleiben, so lange es Ihnen gefällt, und glauben Sie, wir werden schon dafür sorgen, daß Ihnen auch gefällt! Warten Sie, morgen werden Sie mir recht geben."

Der Major glaubte nicht richtig verstanden zu haben., Morgen?" fragte er.

Natürlich, morgen. Oder denken Sie vielleicht, daß wir uns mit einem eintägigen Vergnügen zufrieden geben? Da lohnte es gar nicht erst anzufangen."

Der Major ergab sich nun stillschweigend in das Un­vermeidliche und war nur auf das Gesicht seiner lieben Eveline begierig, wie sie diese unerwartete und höchst selt­same Freudenbotschaft aufnehmen würde.

Erna, welche glückliche von Mamas Seite echappiert war) freute sichdiebisch," auf die bevorstehende Ueberraschung, von welcher fie ihre beiden Ritter int ersten unbeobachteten Augenblick unterrichtet hatten.

Wie auf dein Kriegspfad befindliche Indianer schlichen die drei zum schnellen Einverständnis gelangten Verschwo­renen zum Salon hinaus und waren, ehe noch Mama ihr Aügstkind vermißte, im Ponywagen den Gästen entgegen­gefahren.

Unterwegs stellten sich allerdings bei Erna Gewissens­bisse und Beklemwungen ein, die sie aber, um nichts von ihrem Prestige einzubußen, tapfer bekämpfte.

Was kann lrnir ben,N auch weiter geschehen^sprach sie sich selbst Mut zu,bis wir nach Hause fahren, wird Mamas erster Zorn hoffentlich schon verraucht sein. Und dann, sie, ist ja mit ihren Vermahnungen tvegen meiner gestrigen grenzenlosen Unschicklichkeit" doch noch nicht zu Ende =j da geht es wenigstens in eineni hin."

Wie ein Pudel die Schläge, schüttelte sie die, letztest!