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Redaktion: Nuqust Götz. — No'ationsdruck und Verlag der Vriihl'schen UniversitätS-Vuch» und Eteindruckerei. R. Lange, Gießen.
GemeinnNtziges.
Flecken-Tinktur. Dreißig Gramm recht sein geschnittene Setfenwurzeln werden solange.in einem Viertel/ Itter Wasser gesotten, bis das Ganze auf die Hälfte ein-' gekocht ist; dies wird sodann filtriert, zwanzig Gramm Salmiakgeist hinzugesetzt und diese Mischung in gut ver- stöpselten Gläsern anfbewahrt. Will man von der Tinktur Gebrauch machen, so werden die im Tuche befindlichen Flecke stark damit angefeuchtet und, wenn die Feuchtigkeit genug eingedrungen ist, die Stelle mit einer Bürste und warmem Wasser ausgebürstet. Für Seidenzeuge bedient man sich zum Aufträgen der Tinktur sowie zum Auswaschen zwecklnäßiger eines Schwammes, da die Bürste zu angreifend ist. Diese Fleckentinktur empfiehlt sich nicht allein durch ihre wohlfeile Herstellung, sondern auch durch den geringen Aufwand von Mühe bei ihrer Anwendung, und entfernt Oel-, Fett-, Pech- und andere Flecke aus den verschiedensten Stoffen, namentlich aus seidenen, wollenen und baumwollenen Zengen mit zarten Farben, welche durch Waschen mit Seife leiden würden. Zum förmlichen Waschen der Zeuge bereitet man eine Abkochung aus einem Viertelpfund Seifenwurzel auf eine Maß Wasser; darin wäscht man, lute im gewöhnlichen Seifenwasser, die Stoffe zweimal ans und spült sie nachher in frischem Wasser gründlich ans. '
Das Klingen der Gläser gar viele bestrickt
Wir wissen, was reiner die Seele entzückt!
Uns hebet die Herzen zu festlicher Stund
Ein silbernes Lachen aus lieblichem Mund!
Jnvivallera!
Man hat zwar „Asketen" uns höhnisch genannt — Das sagen nur Leute, die nie uns gekannt;
Denn wer uns jetzt siehet und wer uns belauscht. Der meinte ganz sicher, wir seien berauscht!
Juvivallera!
Doch stammt unser Rausch nicht vom Bier, nicht vom Wein,
Er kommt uns vom Rauschen der Freude allein!
Die regt sich im Innern und will an das Licht —
Wir jubeln darüber und wehren ihr nicht!
Juvivallera!
Das ist so hübsch empfunden, daß selbst Leute, die nicht prinzipielle Verächter von Mer und Wein sind, an der Tafelrunde mit teilnehmen möchten! Aber wehe! Gleich hinterher in dem Liederverzeichnis kommt ein von Dr. Bonne-Kl. Flottbeck verfaßter düsterer Cantus zumj Lobe das Wassers- bjgr sich besonders in folgenden Strophen drohend vernehmen läßt:
Was wandelt Gesang zu der Tiere Gebimmm,
Bis die Sänger oft krtechen auf Vieren?
Was macht dem Philister'den Rücken krumm?
Was hält den Müder Studio dumm?
Das Gift in den Weinen und Bieren!
Und fragt Ihr, was Freiheit und Kampflust uns schüfst?
„Wasser, frisches Wasser,
Wasser, das gab uns die Kraft!"
Wer sein Vaterland liebt, der trinkt es nicht mehr. Das Gift von den Brennern und Brauern!
O flöß' es hinab! doch ins fernste Meer,
Dann wären die Taschen, die Schädel nicht leer. Manch' Witwe braucht' nicht zu trauern!
Was erhält unserm Vaterland Reichtum und Mast?
„Wasser, Wasser, —
Wasser, das alles uns schasst!"
Vermischter.
* Bogtländische. Schnaderhüpfl. In einem hübschen Feuilleton über Volkskunde berichtet Professor Dr. S e y f f e r t im „Leipz. Tagebl." über dass sangesfrohe sächsische Vogtland, wo noch jetzt von den Be- wohnern Schlurnberliedel, Tschumper- oder Schumberliedel und die Rundas gesungen werden — das „Runda" kommt auch im Faust in Auerbachs Keller vor. Es sind kleine Liedchen, die meist aus vier Zeilen bestehen und nach einfachen Weisen gesungen werden. Ein Jodler macht oft den lustigen Beschluß. Wer einmal aus einer unverfälschten vogtländischen Kirmes gewesen ist und dem Meiben in
dran gv oll-fürchterlich er Enge zugesehen hat, der wird erstaunt gewesen sein, wie viel volkstümliche Eigenart sich hier in dem niederen Tanzsaale zusammenfand. Wenn daun beim jungen Volke die Lustigkeit den Höhegrad erreicht, dann werden Rundas gesungen, herausfordernd — mit der Antwort wird nicht lange gewartet. Erst erklingen bekannte; Liedchen, dann aber erschallen unter allgemeiner Heiterkeit Eingebungen des Augenblickes, der tollen Zäune und des urwüchsigen Humors. Die Poeten des Dorfes gelangen zu ihrem Rechte. Ja, es wird ein Meistersingen, die Insassen der einzelnen Dörfer „hänseln" sich!, ttnb hinüber und herüber flattern die lustigen Lieder.
Da singt die eine Partei:
„De Chrieschwitzer Madle Hamm lange Nos'n, Do ka der alt' Schulze An Dusch drauf blos'u." Und als Antwort klingt's:
„De Vogtsberger Madle Hann zwa Paar Strümps' a. De öbern senn zerrissen, Düß m'r de untern seh' ka." Oder die Burschen singen:
„De Olmerschgrüner Madle
. Hamm große Ohrgehäng,
Wenn se in de Kerch kumme, Hamm se kau Ciulegpfeug." Die Mädel antworten schnellt „De Zöberner Gunge, Die thunne su grüß, Hämin a awrigs Paar Stiefeln, — Senn do de Suhll'n lüs."
Aber nicht nur übermütige, auch traurige Lieder, die vom tiefen Herzweh sprechen, kann man hören:
„Dös ho ich doch net denkt, Döß dös a gar su kränkt. Wenn ann der aNnern Ihr Schotzel wegfängt."
Literarisches.
— JuliaCartwright,FrantzoisMillet. Sein Leben und seine Briefe. Leipzig, Hermann Seemann Nachf. — Miß Cartwright hat uns ein schönes Buch geschenkt. Die große, schlichte, kernhafte Persönlichkeit des „Jupiters in ' Holzschuhen" wird aus ihm lebendig, vielleicht gerade, weil sie mehr von dem Menschen als von dem Maler spricht und deshalb nicht ästhetisiert. Vor allem ist die Schilderung des Jügeudlebeus so wunderschön, daß man dieses Stück Wahrheit mindestens an die Seite der schönsten Dichtungen mit ähnlichem Inhalt stellen wird.
Für Kinder.
Plastische Weltbilder. Von den interessanten „Plastischen Weltbildern", dieser überraschend wirkenden Neuheit auf dem Gebiete der Stereoskopie- ist soeben im Deutschen Verlag, (Ges. m. b. H.) Berlin SW/11, König- grätzerstr. 41/42 das vierte Heft: „Potsdam, Char- lotteuburg und die Mark" erschienen. Das Heft ent* hält folgende Abbildungen: Stadtschloß in Potsdam, Parktor von Sanssouci, Schloß Sanssouci, Historische Windmühle, Orangerie, Schloß zu Charlottenburg, Mausoleum, Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche, Portal des Zoologischen Gartens, Löwenbrücke um Tiergarten, Havel bei Spandau, Nicolai- kirche in Spandau, Aussichtsturm aus dem Müggelbergc, Strausberg am Straus-See, Märkische Schweiz. (Preis 1 Mk.) Dieses Heft, sowie die bisher erschienenen Hefte 1—3: „Eine Knipsfahrt durch Berlin", „Eine Blitzfahrt durch Süddeutschland" und „Rheinwanderungen" sind durch alle Buch- und Papierhandlungen zu beziehen.
Silbenversterkrätsel.
(Nachdruck verboten.!
Kinderstube, Kerker, Gefolge, Centimeter, Sonnenschein, Detmold.
Es ist ein Sinnspruch zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung (also wie die Silbe na in Knabe, Naumburg oder Wilna).
^Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Gleichung m vor. Nr.:
Eduard, (a Ehering, b Herring, c Duelle, d Elle, e Marder, f Sommer.)


