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Mtib einem luftigen Strvhhut, die sie mit Verwunderung ansah und steif nach ihrem Begehren fragte.
Otto, der scharfsinnig genug war, einzusehen, daß dies dle Tochter des Obersten sein mußte, bat der Störung wegen um .Verzeihung und sagte, daß sie einen Brief für ihren Freund ^ordan gebracht hätten, der, wie sie annähmen, den Nachmittag mit dem Obersten Bostal verbrächte. Sie wurden nicht zudringlich gewesen sein, wenn sie nicht ae- glaubt hatten, daß der Brief sehr wichtig wäre, da aus limschlag die Bemerkung stände: „Bitte um sofortige
Abgabe." ö
Und der Anstifter zog mit übertriebener Sorgfalt ein Schreiben aus der Tasche, das er mit Clifford zusammen hergestellt hatte, und dem mit großem Fleiß das Aussehen gegeben worden war, als ob es durch die Post befördert worden Ware.
Aber Miß Bostal schüttelte, einen Blich auf den Brief werfend, mit dein Kopf. 1
„Es ist niemand beim Vater", sagte sie, „und ich kenne niemand jenes Namens; wenn Sie jedoch ins Besuchszimmer emtreten wollen, will ich ihn fragen."
„O nein, nicht um die Welt. Wir können uns unmöglich weiter aufdrangen. Wir müssen uns geirrt haben", stammelte Otto, während Clifford sich eilig durch das kleine hölzerne Dor zuruck auf die Straße begab.
- Luzwischen war Oberst Bostal, der die Stimmen gehört hatte, durch den engen Gang aus dem Garten gekommen, um die Bedeutinlg dieses ungewöhnlichen Klanges kennen zu lernen. Die Sache wurde ihm unter weiteren Entschuldig-' ungen Ottos von seiner. Tochter erklärt.
®er em Mann von ungefähr fünfundsechziq Jahren, nut verwittertem, grauem Gesicht, in einem fadenscheinigen, geflickten Rock und einem abgenutzten Panama- Hut, erinnerte sich sofort des Namens.
, „Jordan — Jordan — ja, natürlich kenne ich ihn", sagte er ohne weiteres. „Ein kleiner junger Mann mit I“ langen Schnurrbart. Ja, er geht oft mit mir nach bJe ^'Me, wo er jedesmal umkehrt und sich entschuldigt, daß er nicht weiter geht."
Wnr,fYtt0 sah betroffen von dieser Nachricht aus; über Miß Bostals hageres, schmales Gesicht flog aber ein mattes
.. „Versuchen Sie's im „Blauen Löwen", sagte sie fast
Otto reckte sich auf.
. , „Viein Freund treibt sich nicht in Wirtshäusern herum", Miß'Bosta?^ SiC’ä nUr im "blauen Löwen", wiederholte
Vater brach in ein trockenes Lachen aus.
. „Der Blaue Löwe" hat eine hübsche Menge Besucher
JKell Claris, die Nichte des Wirtes, ist eine Protegö meiner Tochter und das hübscheste Mädchen des Orts." er.i^'n Licht flog über Ottos Gesicht; Miß Bostal aber ward werde mit ihr ein sehr ernstes Wort sprechen fte etwas unwillig. „Sie ermuntert die vergeuden "1U”ßen Seute von Stvoan, hier ihre Zeit zu
Der Oberst, lächelte aber und schüttelte zweifelnd den
- , nützt nichts, einem hübschen Mädchen zu raten", zuversichtlich „Man erhält nur die Antwort, sich m"rr K bienen Angelegenheiten zu bekümmern. Und Nell denkt an nichts Schlimmes dabei."
... weiß es", entgegnete seine Dochter ohne Groll, doch strengen kleinlichen Besorgnis einer alten Jungfer.
1I.tc£)t s? viel Anteil nehmen, wenn ich Nicht wüßte, daß sie em kleines gutes Ding ist. Sie ist aber unbesonnen und gedankenlos. Ich werde ihrem Onkel wirklich zureden, fte wieder zurück in die Schule zu schicken."
„Sie wird aber nicht gehen wollen", sagte der Oberst. „Und wenn sie auch wollte, würde doch der alte Claris sich nicht von ihr trennen. Wir müssen uns schon auf die Wirk- ung Deiner Strafreden verlassen, Theodora."
Baker und Tochter hatten dieses Zwiegespräch fortge- Führt, ohne den Besucher mit in die Unterhaltung zu ziehen, sodaß Otto, der sich rühmte, ein scharfsinniger Beobachter zu sein, Gelegenheit fand, einen Blick in die Zimmer zu beiden Setten des Ganges zu werfen, deren Türen offen
standen, ohne sich selbst von der Stelle, auf der er stand zu bewegen.
Er wurde von dem, was er sah, sehr überrascht — von den abgetretenen Teppichen, sodaß kein Muster darin mehr zu sehen war, von den sorgfältig gestopften Tischdecken, von den abgenutzten Gerätschaften. Alles war nett gehalten und fleckenlos rein, alles ließ aber eine gedrückte Armut ertcnnen, die man nirgends zu verbergen versucht hatte.
Er zog sich, sobald die kurze Erörterung zwischen Vater und Tochter beendet war, mit neuen Entschuldigungen zurück und traf draußen nut seinem Freunde wieder zusammen.
„ „Nun?" sagte Clifford, als Otto sich schweigend heimwärts nach Stroan wandte. „Und was hattest Du noch so lange mit der gestrengen Dame zu sprechen?"
„Zu sprechen? Nichts! Ich hörte nur zu", antwortete Otto, „und arbeitete im Geiste einen Roman aus, einen von jener Art kläglicher Romane, die nicht anziehend genug sind, als daß die Leute sie anhören möchten."
. ''Has? Willst Du damit etwa sagen, daß Jordan sich w^klich tn diese überreife und dürre alte Jungfer verliebt hat? fragte Clifford in Hellem Erstaunen.
„O Gott, nein! Er hat sich verliebt, das habe ich sicher yerausgebrachi; doch nur in das herkömmliche Schenk- madchen, das sicher nicht halb so interessant wie Miß Bostal ist."
„Interessant?"
„Jawohl. Ich habe die Idee, daß die magere alte Jungfer eine Heldin ist. Nicht eine Heldin natürlich derart, üüer die man sich aufregt. Während sie aber über eine gewisse Nell sprachen, die jetzt augenscheinlich der Gegenstand von ^ordans unschätzbaren, aber vergänglichen Neigungen ch, warf ich den Blick in ihre Zimmer: das ärmliche kleine rfr lange Besuchszimmer, und sah eine
folclje Geschichte gedrückten Lebens und niedriger, armseliger Kampfe, daß es mich nach Papier und Feder verlangte."
Clifford stöhnte.
„Es gehört nicht viel dazu, damit das geschieht", sagte er. „Und ich halte Deinen Gegenstand für keinen sehr interessanten."
„Natürlich tust Du das nicht. Für Dich ist er nicht augenfällig, nicht gewöhnlich genug, nicht stark genug auf- getragen", entgegnete Otto. „Für mein Gemüt ist ober in vorn verlumpten alten Rocke dieses würdig und vornehm aussehenden greifen Mannes und in den Flickereien, über denen die Tochter den Glanz ihrer Augen verloren hat, etwas unendlich Poetisches."
„Sicher mußt Du es in Versen und nicht in Prosa ab- fassen, mein guter Junge", sagte Clifford spöttisch.
Otto würde etwas erwidert haben, sie hatten aber die kleine Brücke, die über den Fleet führte, erreicht und waren nur noch einige Yards von dem Halbweggasthaus entfernt.
„Das ist der Ort, wo Jordan seine Nachmittage verbringt", sagte Otto, indem er den Weg zu dem Gasthause einschlug.
„Laß uns ihn herausrufen."
Der „Blaue Löwe" war ein sehr anspruchlofes Gebäude, alt und frei von jeder Absichtlichkeit, geschichtliches oder altertümliches Interesse zu erregen, klein, unbequem und mitgenommen von Wind und Wetter. Da es zwischen dem schläfrigen Stroan und dem demokratischen Courtstairsi mitten inne lag, so war es das Haus, wo die Fuhrleute, Pächter und Wiehtreiber jahrein und jahraus anhielten, während in den Monaten Juli und August sein kleiner Schenkverschlag noch, gedrängt voll von Leuten aus Mile End Road war, die in Gesellschaftswagen ihr Vergnügen an Konzertinen, Geschrei und schrillem Gesinge fanden.
Einige späte Ankömmlinge dieser Art waren in dem kleinen Schenkverschlage, als Clifford und Otto eintraten. Keine Spur aber von Jordan. Beide jungen Leute betrachteten mit Neugier das Mädchen, das hinter dem Schenktisch bediente, eine stattliche junge Person mit flinker Zunge, die sowohl in ihrem derben Bau, mit ihren großen, groben Händen, wie in ihrer wettergebräunten Gesichtsfarbe verriet, daß sie die Zeit, da es wenig Arbeit im Hause gab, gewöhnlich mit Arbeit der gröbsten Art im Freien verbrachte. Die Freunde sahen einander, als sie wieder hinaustraten, mißvergnügt an.
„Sie ist nicht gerade jung!", rief Otto. „Den sünfund- oreifcigen, wie ich schwören will, näher als den fünfundzwanzig."
„Und ihre Stimme! Und ihr abscheulicher kentischer


