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1903. — Wr- 142
Areliag den 25. S-ptemöer
einschaltete, beobachtete er mit künstlerischer Befriedigung das plötzliche Aufleuchten der Jugend in ihrer; schon halb verwelkten Zügen.
Unterdessen marschierten Douglas und Staunton den Quai auf intb ab, dann vom Quai nach dem Dorfplatz und zurück, die Hände in den Taschen, den Kragen bis über die Ohren gezogen und die Joppen fest über der Brust zugeknöpft. Der Oktobermorgen dieses milden Landstrichs schien solche Vorkehrungen gegen die Kälte freilich nicht zu rechtfertigen; aber wenn man seinen Freunden Opfer! bringt, will man es ihnen doch auch zu verstehen geben!
Tie jungen Leute verhielten sich außerordentlich schweigsam, erst nachdem sie wohl zwanzigmal auf- und" abgeschritten waren, ermannte sich Staunton zu einem: „Nun, wie findest Tu das?" worauf Douglas mit bedeutungsvollem Achselzucken antwortete. Nach dem dreißigsten Rundgang machte Staunton den Vorschlag, sich wenigstens nach einem passenden Boote umzutun. Da tauchten auch schon ein paar mächtig breite Schultern vor ihnen im Morgennebel auf. Der Mann kam auf ihren Zuruf näher: er 'war kein Jüngling mehr, hatte aber auffallend frische Farben und ein paar durchdringende blaue Augen. Es war Hervä Rodellec, der, heut vollkommen nüchtern, es jedem seiner Gefährten gleichtun konnte und nun sein Boot den Fremden zur Verfügung stellte.
„Es sieht nicht schlecht aus", bemerkte Stauntonj „wir wollen nach seinen Bedingungen fragen und mit ihm abschließen."
In diesem Augenblick erschien Hanior auf dem Schauplatz, fröhlich, mit leichten Schritten trat er auf die Gruppe zu: „Da seid Ihr ja, ich komme etwas spät, nicht wahr? aber ich wurde aufgehalten. Was in aller Welt habt Ihr denn mit dem alten Raufbold zu tun?" ein gutmütiges Nicken für Rodellec begleitete diese Worte. „Meurice", r;ef er dann mit schallender Stimme; „Ihr da auf der Mauer, seht doch mal nach, wo Monsieur Meurice steckt!"
Es war erstaunlich, was für Leben und Beivegung Ha- mor in den stillen Morgen brachte! Die Fischerknaben eilten davon, seinen Auftrag auszuführen, bekannte Seeleute traten aus dein Nebel herzu, und ivv er mit seinem offenen Gesicht und dem herzlichen Morgengruß stand, schien es warm und sonnig zu werden, schien die Welt aus ihrem Morgenschlas zu erwachen.
Hamor bewunderte die Seeleute von Plouvenec und hatte eine sehr glückliche Art und Weise mit ihnen zu verkehren. Er liebte es am Strand herumzuschlendern, und ließ sich gern mit ihnen in sachverständige Gespräche über Küstenleben und Fischerei ein. Nach und nach hatten sie ihre anfängliche Scheu vor ihm verloren; wer so viel vom Fischerleben verstand, war doch entschieden anders zu beurteilen als gewöhnliche Landratten. Auch behielt er jeden Namen, jedes Gesicht — eine Gabe der Götter, die im Fischerdorf ebenso zn statten kommt, wie am Königshofe. Zudem hatte er sich bei mehreren kleinen Unglücksfällen
(Nachdruck verboten.)
N MttimWn m her
Von B. W. Howar d.
(Fortsetzung.)
8. Kapitel.
Unterdessen hatte Hamor den Pfarrer auf den Lannions keineswegs vergessen. In seiner Phantasie trug er sich längst mit den mannigfaltigsten Ideen und Plänen für ein großes Werk, in dem Thymerts bedeutende Persönlichkeit eine Hauptrolle spielen tollte. „Ich muß den Mann studieren", sagte er sich täglich, „muß mich in ihn einleben, und mit ihm Verkehren. Wenn ich ihn so malen könnte, wie er in jener Nacht unter der rohen, trunkenen Menge stand, stark und sieghaft, vom Strahl der Laterne beleuchtet — das wäre ein Motiv — aber so etwas will auch gemalt sein!"
Hamor betrachtete es als ein natürliches Recht der Künstlergilde, die ganze Welt für ihre Zwecke mit Beschlag zu belegen. Wer seine Modelle mit kundigem Auge herausgefunden, mußte sich ihrer auch nach Lust und Muße bedienen dürfen. Daß er sich um Guenn Rodellkr imb Thy- mert erst nicht sonberlich bemühen sollte, wollte ihm nicht recht in den Sinn, doch hielt er's unter den Umständen für das Richtigste, die beiden durch seine Liebenswürdigkeit zu besiegen. Er nahm sich daher vor, den versprochenen Besuch auf den Lannions abzustatten. Nachdem er seine Leiden Freunde, Staunton und Douglas überredet hatte, ihn zu begleiten, war beschlossen, am Sonntag morgen in aller Frühe abzusegeln.
Nun hatte aber Hamor die mißliche Gewohnheit, seine Freunde häufig lange auf sich warten zu lassen. Erschien er dann endlich, nachdem ihre Geduld beinahe erschöpft war, so setzte er dieselbe meist noch durch seine unverwüstlich gute Laune auf eine harte Probe. Was hatte er aber auch unterwegs alles mit Leuten zu besprechen, dre ihn gar nichts angingen! Bald stand er hier still, bald da, um ein Kind zu liebkosen und dabei der Mutter emen freundlichen Blick zuzuwerfen, oder er fand für gut, eine scherzhafte Bemerkung an den grämlichsten alten Dorfbummler zu verschwenden.
Hamors Freunde hatten wahrlich Ursache, seine allzugroße Leutseligkeit zu verwünschen.
Auch heute morgen war er noch einmal vom Strande nach seinem Atelier zurückgelaufen, um sein Skizzenbuch zu holen. Tas Weiblein hatte sofort den Fensterplatz ver- tossen und erwartete ihn, wie schon oft, unter dem großen Torweg. Er war nicht der Mann dazu, einer allezeit! zuspruchsbedürftigen kleinen Frau den Morgenschwatz zu versagen. Bereitwillig hörte er ihre historischen und genealogischen Berichte über Quimper und andere Städte an, und während er aü und zu ein verständnisvolles Wort


