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zu pfeifen, aber seine Haltung erinnerte an diese Art des Zeitvertreibs.

Diese Tür sollen Sie Donnerstag abend vor dem Tiner selbst öffnen", fuhr er fort, indem er sich umwandte und langsam wieder auf sie zutrat. .

Ich werde es nicht tun."

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Etta sprang auf und sah ihn au, das herrliche Weib glich einer Göttin des Zorns, und ihre flammenden Augen befanden sich auf derselben Höhe mit den seinen.

Ja", schrie sie mit geballten Fäusten, indem sie sich hoch aufrichtete, bis sie von oben herab in sein gemeines Fuchsgesicht zu sehen schien,ja, ich weigere mich, meinen Gatten zu verraten."

Halt ! Er ist nicht Ihr Gatte!"

Langsam wich der Zorn aus ihren Augen, die ge- balleu Fäuste lösten sich, und die Finger zupften nervös an dem seidenen Kleide, wie die Finger eines Kindes, das nach einer Stütze sucht.

Was meiuen Sie?" flüsterte sie.Was meinen Sie?"

Robert Beaumont ist Ihr Gatte", sagte der Baron, ohne seine trüben Augen von ihrem Gesicht zu wenden.

Er ist tot", zischte sie.

Beweisen Sie es."

Er schritt an ihr vorüber und lehnte sich in der ver­traulichen Haltung, die er zu Anfang des Gesprächs an? genommen hatte, an den Kamin.

Beweisen Sie es, Madame", wiederholte er.

Er ist in Twer gestorben", flüsterte sie, aber ihre Stimme klang unsicher.

So lange sie ihren Titel, ihre hohe Stellung besaß, konnte sie der Gewalt trotzen, aber was war sie ohne diese?

Ein Lokalblatt berichtete, daß eine männliche Leiche auf der Ebene von Ttper gefunden und auf dem Armen­friedhofe beerdigt wurde. Ihr Gatte Robert Beaumont meine ich befand sich zu jener Zeit aus.Gründen, auf die ich nicht näher eingehen will, in der Nähe von Twer. Polizeioffizier, der inzwischen nach Odessa versetzt wurde, war der Meinung, daß der Tote ein Ausländer sei; nun gibt es in Twer gegen 12 000 Ausländer, Fabrikarbeiter. Ihr Gatte, Robert Beaumont, wohl verstanden, verließ Twer in östlicher Richtung, um quer durch Sibirien nach China zu gelangen, da er die Emissäre der Armenliga, die an der Westgrenze auf ihn lanerten, vermeiden wollte. Auf die bloße Annahme hin, daß der auf der Ebene von Twer gefundene Leichnam der ihres Gatten sei, benütztejn Sie die Gelegenheit, Fürstin zu werden; das war sehr kühn, und ich bewundere Ihren Mut; aber es war ein sehr ge­fährliches Spiel. Madame, ich kann Robert Beaumont aus dem Wege räumen, wenn er wieder auftaucht. Ich habe in meinem Köcher zwei Pfeile für ihn: der eine ist diel Armenliga, der andere die Regierung, die ihn braucht. Ihr Gatte Pardon, der Fürst wird vielleicht anders über die Sache denken. Es ist eine ganz hübsche Geschichte, und ich werde sie ihm erzählen, wenn Sie mir nicht un­bedingten Gehorsam versprechen."

Etta stand regungslos Vor ihm; sie bemühte sich zu sprechen, aber kein Wort drang über ihre ausgetrockneten Lippen.

Ter Baron sah sie mit einem triumphierenden Lächeln an, und sie wußte, daß er sie liebte. Liebe läßt sich nicht definieren, auch läßt sich nicht sagen, wann sie in Haß übergeht.

Donnerstag abend vor dem Diner", sagte Chauxville und ließ sie vor dem Kamin stehen.

Ihre Lippen bewegten sich wiederum krampfhaft, ohne ein Wort hervorzubringen.

32. Kapitel.

Eine Bitte.

Haben Sie mit der Fürstin gesprochen?" fragte Karl Steinmetz, ohne die Zigarre aus dem Munde zu gehruen.

Sie befanden sich auf dem Heimwege durch den Wald, von dem Osterno umgeben ist, wie eine Insel vom Meere. Sie toaren allein im Schlitten; denn zu dem, was sie heute getan hatten, bedurften sie keines Dieners. Paul kutschierte selbst, und die drei Pferde griffen so schneit aus, als sie nur konnten.

Der Schnee flog an ihren Gesichtern voriiber, wie der Schaum am Rand eines Bootes, das gegen den Sturm

ankämpft, und in den Schnee mischten sich Schaumflockeir von den Mäulern der Pferde.

Ja", antwortete Paul.

Sein Gesicht hatte einen harten, entschlossenen Aus­druck, seine Augen blickten finster. Die Sorgen, die ihm die Bauern bereiteten, griffen ihn mehr an, als er gedacht hatte, und veränderten das Gesicht dieses Mannes, indem sie scharfe Linien um seine Lippen zogen und seine Stirn mit Furchen der Sorge zeichneten.

Was hat sie geantwortet?" fragte Steinmetz.

Daß sie nicht fort will, wenn wir nicht alle mitgehen." Steinmetz wickelte sich fester in seinen Pelz.

Sie hat recht", sagte er mit einem Blick auf das Gesicht seines Gefährten, von dem er wenig mehr als di« Augen sah, da der Zobelkragen des Rockes unmittelbar an die Pelzmütze stieß.

Ja und warum sollen wir nicht alle fort?"

Ich kann die Leute nicht allein lassen", antwortet« Paul.Was hier vorgeht, weiß Gott allein, denn von selbst wäre es nie so weit mit ihnen gekommen: da steckt jemand dahinter, und ich glaube nicht, daß es die Nihi­listen sind. Es ist etwas anderes, irgend ein Lump reizt sie auf, und sie wissen nicht, was sie tun. Er ist noch bei der Arbeit, es wird von Tag zu Tag ärger, und ich kann ihn nicht erwischen. Aber wenn ich ihn in die Hände bekomme, bei Gott, Steinmetz, dann drehe ich ihm das Genick um!"

Steinmetz lächelte grimmig.

Ja, dazu sind Sie imstande", antwortete er.Was mich betrifft, so habe ich den Bauern jetzt satt. Er ist ein unverbesserlicher, unheilbarer Narr, und wenn er nun auch ein gefährlicher Narr wird, so mag er meinetwegen, zum Teufel gehen."

Das glaube ich. Aber Sie sind nicht in meiner Lage."

Das ist wahr, Paul; denn sie waren nicht meines Vaters Leibeigene. Generationen meiner Ahnen haben nicht Generationen ihrer Ahnen vom Verhungern gerettet. Ich habe nicht Medizin studiert, um ihnen zu helfen, habe nicht Leben und Gesundheit i» ihren Koben aufs Spiel gesetzt, in denen es nicht einmal die Schweine aushalten würden, ich habe nicht Herz und Seele für ihr Wohl geopfert, um statt des Dankes nur Haß zu eruten. Nein, bei mir ist es anders; ich bin ihnen nichts schuldig, mein Lieber, und das ist der Unterschied."

Kommen Sie mit, wenn ich morgen nach Petersburg flüchte?" entgegnete Paul.

Nein", antwortete der dicke Mann ruhig.

Das dachte ich. mir; denn Ihr Cynismus, Steinmetz, liegt mir in den Worten, nicht in Ihren Taten. Es ist also keine Rede davon, daß einer von uns Osterno verläßt; wir müssen bleiben und es hier auskämpfen."

Freilich. Aber wie steht es mit den Damen? Was soll mit denen geschehen?"

Paul gab keine Antwort; denn sie fuhren eben einen hohen, schneebedeckten Abhang hinan, und die Pferde mußtejn tüchtig arbeiten, daniit der Schlitten nicht in den Schnee versank. Paul feuerte sie mit der Stimme und der Peitschei an; er war gut gegen Tiere, schonte sie aber nie, der starke Mann ging freigebig mit seiner Kraft um und er­wartete von anderen das gleiche.

Hier ist nicht der richtige Ort für Fräulein Dela- field", fügte Steinmetz hinzu, indem er gerade vor sich hinblickte.

Tas weiß ichh antwortete Paul heftig.Wollte Gott, sie wäre nicht hier", fügte er leiser hinzu, und die Worte waren unter dem beeisten Schnurrbart kaum hörbar.

Steinmetz gab keine Antwort, und so fuhren sie durch das zunehmende Dunkel weiter.

Der Himmel war gelblichgrau, und die Erde trug die gleiche, fahle Farbe, Plötzlich begann es auch zu schneien. Die beiden Männer schwiegen, und Steinmetz, wie ein: plumper Bär in seinen Pelz vergraben, schien zu schlummern.

Sie hatten einen langen und schweren Tag hinter sich, da sie auf der Fahrt von Dorf zu Dors nichts als Ent­mutigung und böse Vorzeichen gefunden hatten. Einig« Starosten waren trotzig, andere offen unverschämt, keiner freute sich über das Erscheinen von Steinmetz, und Paul hatte nie gewagt, seine Jdeui'.cät zu verraten.

,/Halt!" schrie Steinmetz plötzlich, und Paul riß die Pferde auf ihre Hinterfüße.

«§Jch glaubte, Sie schliefen", sagte er.