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würdige Herrin Besaß, eine herrliche Reihe von Möglich- keiten dar, die sich unter geschickter Behandlung vielleicht in Tatsachen umwandeln ließen? Das prächtige Besitztum^ auf das sie einst selbst sich Hoffnung gemacht, konnte nun doch in ihre Familie kommen und sie schmiedete tausend! kleine unschuldige Pläne, um das erwünschte Ziel herbeiz-u- führen.Aber ich kann nicht vorsichtig genug sein", über­lebte sie,die leiseste Andeutung könnte Richard verscheuchen. Meine Schuld soll es nicht sein, wenn dieser Besuch nicht angenehm beginnt und herrlich endet. Ach! endlich der Zug und da ist er ja schon!"

Frau Wilson begrüßte ihren Bruder mit,fo warmer Herzlichkeit, daß dieser aus seiner Versunkenheit erwachte, ttt die ihn die Trennung von Aimee versetzt hatte. Er kam seiner Schwester mit einer Freundlichkeit entgegen/ die frühere Reibereien vergessen ließ und ein gutes Einver- stäuduis für die Zukunft versprach.

Als das Handgepäck untergebracht und alles wieder aus seinem Platze' war, rollte der Wagen zwischen blühenden Heckenzäunen dichhin, an breiten, unregelmäßigen Feldern vorüber. Hoch in den Lüften.fangen die Lerchen ein Will- kommenslied. > herzlicher Weise drückte Frau Wrlson immer wieder ihre Freude über des Bruders Rückkehr aus, sodaß dieser selbst einen Anflug von Befriedigung fühlte, daß er gekommen war. Hierzu gesellte sich eine mächtige Sehnsucht, Aimee in dieser lieblichen frischen Umgebung an seiner Seite zu haben und ein starkes Verlangen, von seiner lüften Braut M sprechen, ihr Lob zu singen, daß die Versuchung fast Vorsicht und Schüchternheit hatte vergessen machen. Aber in der nächsten Minute verschloß er sem Geheimnis wieder tief in die eigene Brust.

Ich sah in den letzten Jahren unsere Stiefmutter nicht" mehr", plauderte Frau Wilson.Sie war ja im ganzen nicht so übel, aber daß sie Papa heiratete, konnte ich ihr nie verzeihen, es war eine .grausame Ungerecht!^ leit gegen uns alle. Und wie Papa dazu kam, kann ich mir gar nicht erklären. Aber je älter ich werde, desto mehr muß ich staunen über die törichten Streiche, die die Manner bei der Wahl ihrer Lebensgefährtin machen. Cane ganz vermögenslose Frau ist doch schließlich ein Hemmschuh für ihren Gatten, denW Tu nicht auch so?

Ueber diesen Punkt vermag ich nicht zu entscheiden , versetzte er, wahrheitsgetreuer, als er ahnte.Aber muß denn jedermann nach Geld heiraten?"

Natürlich nicht! Aber eine gewisse Gleichheit m den Vermögensverhältnissen oder Aussichten sollte doch immer ^^°War auch Wilson dieser Ansicht?" fragte ihr Bruder ettoa^nerlimg3 nicht", lachte feine Schwester.Aber Robert befaß selbst genug, um seiner Neigung folgen zu

. Md wie geht es meinem Schwager?" erkundigte sich Richard, um von einem Thema abzulenken, das ihm pein- lich w^vortrefflich: er schreibt eben ein Buch überEin­heimische Vögel" und möchte Dich etwas über die Storche in Holland fragen. Diese literarische Beschäftigung Uimmt ihn io ein, daß ihm die Zeit leid tut, die er für Westfields

Westfields? welcher Weise nimmt ihn dies in Anspruch^^_ ^stimmte ihn doch zu ihrem Testa­mentsvollstrecker; schrieb ich Tir nicht, daß sie gestorbeit sei?"

Tu bemerktest nur, Westfields sei in andere Händei übergegangen, aber ich hatte keine Ahnung, in welcher Weise Jetzt verstehe ich, dies schließt wahrscheinlich die Uebergabe der Besitzung an den Erben in sich."

Von dessen Dasein wir keine Ahnung hatten. Eine Person aus Australien."

Ach, dieser Herr wird vermutlich in großem Stil Ver- befserungen vornehmen, und dies ist der Grund, warum man meiner bedarf. Was für ein Mann ist er?"

Gar kein Mann", antwortete Frau Wilson, lächelnd. Westfields hat abermalst nur eine Herrin, Fräulein Ellmor (Watzam^eht ..g et)üa§ derartigen Geschäften, war es ihre eigene Idee?"

^,Das nicht gerade. Harris, der Verwalter^ machte ihr

Skizzen, die über der alten Staffelei hingen: ein Gewässer mit überhängenden Hollnnderzweigen auf den Wellen schaukelnden Wasserlilien oder in einer.späteren.Jahres­zeit, mit hohen Blichen, herbstlich gefärbtes Laub wieder- spiegelnd.Er sagte mir nie, ob sich eine besondere Er­innerung für ihn daran knüpfte. Aber Richard", fuhr sie, einem anderen Gedankengange folgend, fort:Du erzähl­test mir nie, daß Tu eine Schwester besitzest. Es.scheint mir ordentlich undankbar, daß ich von ihrem Dasein nichts wußte, jetzt, da sie in Form einer wohltätigen Fee an uns schreibt."

^Fee!" wiederholte Richard Morgan vergnügt.Jessie hat nicht viel Feenhaftes an sich. Sie ist hochgewachsen und war schon vor Jahren wie die Landlente sagen,behäbig" anzusehen."

Äelter als Tu?"

Ja. Zwei Brüder zwischen uns sind in Amerika. Nach dem Tode unserer Mutter.führte Jessie das Regiment im Hause, und leitete uns alle hm mit etwas ju fester Hand vielleicht. Tie Folge war, daß wir uns sobald wie möglich frei zu machen suchten. Mein Vater ver­heiratete sich wieder, und so kam die Familie auseinander. Jessie ist sehr gutherzig und chatte stets nur die besten Ab- fschien. Ihr Gatte ist ein vortrefflicher Mann von etwa fünfzig Jahren. Also, Aimee, wirst Tu es nur mit älteren, gesetzten Verwaiidten.zu tun haben."

^,Jch fürchte sie", erklärte.sie, bang errötend. v,SBenn Frau Wilson erfährt, daß ich noch jung bin und und arm wird sie mjch Deiner nicht für würdig halten."

Ach nein, so pflegt sie mich nicht zu überschätzen. Aber", fügte er bei, in der Erinnerung an manch' vor­eiliges Urteil seiner Schwester,es ist nötig, daß ich sie gleich am ersten Tage ins Vertrauen.ziehe. Beruhige Dich hierüber. Ich werde meine Zeit gut wählen, um ihr die Nachricht mitzuteilen, vielleicht nicht früher, als bis sie selbst Tich sieht. Dann wird sie sicherlich mehr als befriedigt fein."

Genau eine Woche später hatte Richard Morgan alle Vorbereitungen zur Abreise von Brüssel getroffen. Diese letzten Tc^ge, in denen er jede freie Stunde Aimee gewidmet hatte, hatten sie einander immer näher gebracht.' Sie em­pfanden ihre Trennung nun doppelt hart, obgleich diese vielleicht nur einige Wochen dauern sollte. Unter Fräulein Osbornes mütterlichem Schutze begleitete Aimee den Ver­lobten an das Tamstsschiff, um einen letzten schmerzlichen Abschied von ihm zu nehmen. Als das Schiff ihren Blicken entschwunden war, legte es sich wie bange Ahnung auf ihr Gemüt, und ein Vorgefühl kommenden Unheils schnürte ihr das Herz zusammen. Sie empfand es als eine Er­leichterung, als sie zu Hause angenommen war und in ihrem stillen Zimmer ihren Tränen freien Lauf lassen konnte.

4. Kapitel.

Lm Bahnhof von Vearfred, der nächsten Bahnstation bei Bridgeham, saß Frau Tr. Wilson in ihrem hübschen Landauer und erwartete freudig erregt die Ankunft ihres Bruders.

^Jch will die Zügel halten, gehen Sie auf den Bahn­steig und empfangen Sie Herrn Morgan", hieß sie den Diener; und da der Zug Verspätung hatte, blieb ihr noch hinreichend Zeit, sich das bevorstehende Wiedersehen aus­zumalen.

Seit ihres Bruders letztem Besuche in Bridgeham waren über fünf Jahre bergangen, und damals hatte eine ernst­liche Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen seine Abreise beschleunigt. Ihre Eharaktere waren sehr verschieden, und sie hatte sich inzwischen oft Vorwürfe gemacht, Richards Neigungen zu wenig Rechnung getragen zu haben.

Ihr Briefwechsel war in all den Jahren sehr spärlich gewesen, und nie hatte sich bisher ein triftiger Grund ges- funben, ihn zurückzurufen. Jetzt erst schien eine glückliche Verkettung von Umständen die besten Aussichten für feine Zukunft zu Bieten. Ihre Stiefmutter war tot und der Rest des väterlichen Vermögens fiel endlich den Kindern zu, spät allerdings, doch einige Tausend kommen zu keiner Zeit des Lebens unerwünscht. Richards Anteil würde beinahe genügen, ihm den Eintritt in jene Firma zu verschaffen, die ihm sofort eine angenehme Stellung sicherte. Aber konnte nicht auch alles viel glänzender sich gestalten? Bot nicht der Umstand, daß Westfields jetzt eine junge, liebens­