sich bringen mit Kindererinnerungen an geschorene Hecken, die nicht mehr sind."

Dieses Vergnügen werde ich mir in dem verlassenen Königsgarten nun wohl täglich machen, bei Regen und Sonnenschein, um den vermittelnden Diplomaten zu ent­gehn; die Briefe kann ich leider nicht abweisen, sie kommen aus Berlin oft lästiger wie aus der Fremde, Landtagswahlen und Papstbeschwerden, deutsche Verfassung und Personenstreit in Elsaß-Lothringen oder Rheims, wo jetzt der Grhrzg von Schwerin Gouverneur ist und Gerhard mit ihm.

Rußland nimmt sich sehr liebenswürdig, England außer dem Waffenhandel nicht schlimm, Beust unsicher wie immer, und unsre amerikanischen Freunde wissen seit Frankreich Republik geworden ist, nicht mehr genau mit welcher Seite des Gesichtes sie wohlwollender lächeln sollen. Sie lieben uns nach wie vor, aber Republik! lle vermögen den Franzosen nicht mehr zu hassen."

In dem zweiten Briefe aus Versailles, 7. Dezember 1871, kommt Bismarck aus die damalige Lage vor Paris zu sprechen und schreibt:

Nach den glänzenden Siegen an Loire und im Norden sitzt unsre große Pariser Armee nach wie vor still, ob festgemauert", oder ob ihr wie Thorein weiblich Ge­wand die Knie umwallt" und am Gehn hindert, Gott weiß es, aber betrübend ist es, und Menschen kostet es mehr wie jeder Sturm. Unsre guten Pommern, 9 und 49 Regt, haben den Sieg vom 2. mit vielem Blute bezahlt, ebenso die braven Würtemberger. Auch Moltke ist, und natürlich mit entscheidender Stimme, gegen den Angriff und für alle Waffenstillstände; der Sturm werde uns 1000 Mann kosten; das glaube ich nicht. Das defensive Abwarten feindlicher Ausfälle, die täglichen lleinen Verluste, die Krankheiten, haben aber seit 2 Monaten etwa 10000 ge­kostet. Ich enthalte mich natürlich, meine zivilistische An­sicht solchen Autoritäten gegenüber geltend machen zu wollen; der gute Roon aber ist vor Aerger über unsere Passivität und seine vergeblichen Versuche, uns zum An­griff zu bringen, recht krank gewesen, jetzt besser, resigniert, nur darf man nicht von der Sache reden, er wird gleich unwohl vor Bitterkeit. Er bleibt eigentlich nur mir zu Gefallen hier, weil ich sonst politisch und gemütlich ganz vereinsame. Ich meine nicht, daß ich Widerstand Aller auf politischem Gebiete zu bekämpfen hätte, im Gegen­teil, aber ich habe keine menschliche Seele hier zum Reden über Zukunft oder Vergangenheit. Wenn man zu lange Minister ist, und dabei nach Gottes Fügung Erfolge hat, so fühlt man deutlich wie der kalte Sumps von Mißgunst und Haß einem allmählich höher und höher bis ans Herz steigt; man gewinnt keine neuen Freunde, die alten sterben oder treten in verstimmter Bescheidenheit zurück, und die Kälte von oben wächst, wie das die Naturgeschichte der Fürsten, auch der besten, so mit sich bringt; alle Zu­neigungen aber bedürfen der Gegenseitigkeit wenn sie dauern sollen. Kurz mich friert, geistig, und ich sehne mich bei Dir zu sein und mit Dir in Einsamkeit auf dem Lande. Dieses Hofleben erträgt kein gesundes Herz auf die Dauer."

* Eine Schilderung der Brautau sstattung ver Prinzessin Karoline von Reuß ä. L., der Braut des Großherzogs von Weimar, wird besonders unfern Lese­rinnen willkommen sein. Die Ausstattung ist in Wien hergestellt und besteht aus der kostbaren Brauttoilette, aus reizenden Straßen-, Gesellschafts- und Wendtoiletten, Mauteaux de Cour, prachtvollen Mänteln und Hüten. Eine Dame, welche die Toiletten gesehen hat, schreibt darüber: Obwohl die einzelnen Stücke von fürstlicher Pracht sind, tragen sie dock) jene vornehme Einfachheit zur Schau, die der jugendlichen Erscheinung der Prinzessin angemessen ist. Das Brautkleid aus weißem Atlas deckt kostbare echte Spitze, die sich als hoher Volant rings um die Schleppe zieht und von einem duftigen Gewinde aus Mousseline de Soie überragt wird, das Myrten- und Orangenblüten­sträußchen in Festons halten. Die Hofschleppe, nach russi­scher Art, ein wenig über die Taille en Watteau befestigt, ist aus schwerem anllken Silberbrokat und mit Silberplache reich gestickt. Von den vielen und schönen Toiletten, die

die Ausstattung enthält, verdienen Erwähnung ein weißes Taftlleid mit Tüll-Jnkrustationen und sehr apartem Auf­putz aus weißseidenen Margueriten; ferner ein weißes Voilekleid mit Tuchapplikationen, am Corsage Filetsprtze, die sich von blaßblauem Grunde reizend abhebt; eine Befuchstoilette aus hochrotem Tast und Voile de Laine geschmackvoll zusammengestellt: ein weißes Seidenlleid, dessen prächtige, in offener Schafwolle ausgeführte Hand­stickerei ein Palmwipfeldessin zeigt. Besonders fällt eine nach künstlerischem Entwürfe gefertigte Toilette aus weißer Tuchstickerei auf Tüll mit wechselnden Tülleffekten auf. Alle die Toiletten sind am Halse ä jour gehalten, alle haben hochmoderne, originelle Aermel. Unter den Diner­toiletten möchte ich einer aus antikem blaßblauen Silber­stoff, mit Venettanerspitzen besetzt, den Preis zuerkennen. Das kostbare Gewebe stammt aus dem Besitz der Groß­fürstin Maria Paulowna, der Freundin Goethes" und Mutter der deutschen Kaiserin Augusta. Aus ihrem Nachlaß rührt auch der Silberbrokat her, der zu dem Staatsgewaude verwendet wurde, das zur Hochzeitsfeierlichkeit für die Mutter des Großherzogs, die verwitwete Erbgroßherzogin Pauline hergestellt wurde. Die Toiletten und Mäntel, die die Mutter des Bräutigams bei der Hochzeit tragen wird, werden ebenfalls in Men angefertigt.

* Ein Zig arettenkrieg. Die Zigarette, die sich im Sturm die Männerwelt erobert hat, und bei den Damen Alleinherrscherin ist, soll jetzt in ihrem Sieges­läufe gehemmt werden. Man hat ihr in den Vereinigten Staaten, noch entschiedener in England, am nachdrücklich­sten in Kanada den Krieg erklärt. Daß die Heine, zierliche verführerische Zigarette nicht ganz ungefährlich, jeden­falls der Gesundheit nachteiliger ist, als die männlich« Zigarre und gar die ftiedliche und patriarchalische Pfeife, haben Aerzte längst gepredigt. Aber das hat nichts genützt, man griff immer häufiger zur Zigarette. Da auch Knaben und selbst Mädchen im ftühesten Kindesalter sich ans Zigarettenrauchen gewöhnt haben, und da diese Leiden­schaft von den schrecklichsten physischen und moralischen Folgen begleitet ist, hat sich in England eine Liga ge­bildet, die gegen das Zigarettenrauchen junger Leute an­kämpft, und in kurzem werden das kanadische und das englische Parlament mit Zigarettengesetzen befaßt werden. In Kanada will man, da das Verbot des Zigarettenverkaufs an jugendliche Personen unter 16 Jahren nichts genützt hat, dre Herstellung und Einfuhr von Zigaretten ganz und gar verbieten; in England will man es vorläufig nur mit einem Verbot des Verkaufens und Ueberlassens von Zi­garetten an Jugendliche versuchen. Natürlich findet das Vorhaben viel Widerspruch, aber nicht, weil man den Kindern nicht das Vergnügen des Zigarettenrauchens neh­men will, sondern weil man glaubt, daß solche Verbote doch nichts nützen werden, wenn nicht Lehrer und Eltern mit gutem Beispiel vorangehen und selbst das Rauchen aufgeben. Tatsache ist, daß die Zigarette, die auch die Großen verführt, viel öfter zu rauchen, die Jugendlichen besonders dadurch verleitet, daß sie so billig zu haben ist. Früher mußten der Schusterjunge und seine Standes- genossen warten, bis sie irgendwie in den Besitz eines Zigarrenstummels gelangten oder bis sie sich ein Pfeifchen mit allerlei Kraut und Rübenblättern gestopft, eine Zi­garre aus seltsamen Kräutern hergestellt hatten. Die Ziga­rette aber, die schon für ein bis 2 Pfennig zu haben ist, wird dadurch eine noch gefährlichere Zauberin, und es wäre schon ganz gut, wenn man auch bei uns etwas aus­findig machen könnte, was ihren Genuß dem jugendlichen Alter verwehrte.

G l e i ch k l a n g.

Nachdruck verboten.

Bist du's, ei, ei, ich gratulier, Tann hast du, waS noch fehlte dir. Hast du's hm, hm, sei auf der Hut, Mach deinen Fehler wieder gut.

«Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.: Bei allem bedenke daS Ende.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlaa der Vrühl'schen Universttäts-Buch» und Eteindruckerei (Bietsch Erben) in Gießen.