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„Das nenne ich sprechen", sagte er. „Wenn Sie so reden, weiß ich, woran ich bin und traue Ihnen. Sie iind der Richtige, aber wie ich mit dem anderen Herrn daran bin, weiß ich nicht. Ich habe ihn damals bei dem Geschäftchen in der Provinz in Ihrer Gesellschaft gesehen, uno wenn er ein Kumpan von Ihnen ist, Mister Raffles, werde ich ihm wohl auch trauen können. Ich hoffe nur, Ihr Herren seid nicht zu knickerig —"
Bei diesen Worten klopfte er sich mit einem kläglichen Gesicht auf die Tasche.
„Ich hatte es nur aus die Kleider abgesehen", fuhr er fort, „und zwei Lumpen mit so leeren Geldbeuteln sind mir noch nie in die Finger geraten."
„Unbesorgt", entgegnete Raffles. „Wir werden Ihnen schon anständig forthelfen — überlassen Sie nur alles mir, und verhalten Sie sich still."
„Abgemacht", sagte Crawshay, „und während Sie fort sind, will ich schlafen. Wer keinen Schnaps — nein, noch nicht — danke. Wenn ich einmal anfange, höre ich auch nicht wieder auf, bis ich voll bin."
Raffles holte sich einen langen leichten Mantel, wie man ihn beim Fahren zu tragen pflegt. Noch während er ihn umnahm, sank unser Flüchtling auf seinem Stuhl in Schlaf, seine bloßen Füße waren nach dem Feuer aus- gestreckt, und er murmelte unzusammenhängende Worte, als wir ihn verließen.
„Gar kein übler Bursch, dieser Gewerbsmäßige", sagte Raffles auf der Treppe, „auch in seiner Art ein Genie, obgleich sein Verfahren für meinen Geschmack etwas zu unkünstlerisch ist. Wer Technik ist nicht alles. Innerhalb derselben vierundzwanzig Stunden aus Dartmoor zu entkommen, und in den Albany zu gelangen, das ist ein Ganzes, das seine Einzelheiten rechtfertigt. — Großer Gott!"
In dem nebeligen Hofe waren wir an einem Manne Vorbeigegangen, und Raffles hatte mich in den Arm gekniffen.
„Wer war denn das?"
„Der Manu, den ich in diesem Augenblick am wenigsten zu sehen wünschte. Hoffentlich hat er mich nicht verstanden!"
„Aber, wer war es beim, Raffles?"
„Unser alter Freund Mackenzie von Scotland Jard!" Erschrocken blieb ich stehen.
„Glaubst Du, daß er Crawshay aus der Spur ist?"
„Das weiß ich nicht, aber ich will sehen."
Ehe ich Einwendungen erheben konnte, hatte er wich herum geschwenkt, und als ich meine Stimme wiederfand, lachte er nur, und flüsterte mir zu, kühnes Vorgehen sei immer das sicherste.
„Aber das ist geradezu Wahnsinn!"
„Keineswegs. Schweig! Sino Sie das, Mister Mackenzie?"
Der Detektiv wandte sich, um und musterte uns mit scharfen Blicken, sodaß ich in dem vom Nebel gedämpften Gaslicht sehen konnte, daß sein Haar an den Schläfen leicht ergraut war, und daß sein Gesicht noch die Spuren des Leidens trug, das ihm seine B wundung verursacht und das ihn nahe an den Rand des Grabes gebracht hatte.
„Sie sind mir gegenüber int Vorteil, meine Herren", sagte er.
„Hoffentlich sind Sie wieder ganz wohl", antwortete mein Gefährte. „Mein Name ist Raffles und wir haben uns voriges Jahr in Milchester getroffen."
„Wirklich?" rief der Schotte sichtlich überrascht. „Ja, setzt entsinne ich mich Ihres Gesichts, und auch des Ihrigen. Ja, ja, das war eine böse Geschichte, aber Ende gut, alles gut."
Seine angeborene Vorsicht war wieder erwacht, worauf mich Raffles durch Kneifen meines Armes aufmerksam machte. *•
«Ja, für Sie hat sie ein glänzendes Ende genommen", sagte er, „aber was höre ich denn da von der Flucht des Rädelsführers jener Bande, dieses Crawshay? Was halten Sie denn davon, he?"
„Die Einzelheiten sind mir noch unbekannt", er- wiederte der Schotte.
„Sehr gut", rief Raffles. „Ich fürchtete schon, Sie seren wieder aus seiner Spur."
(Fortsetzung folgt.)
Blinddarm-Entzündung, eine Folge des Genußes „Meißen Mehles".
Die Runde durch den amerikanischen Blätterwald macht, wie wir Nr. 9 der Zeitschrift „Die Mühle" entnehmen, folgender Aufsatz: „Das heutige Mahlverfahren veranlaßt tatsächlich die gefürchtete Blinddarmentzündung. Dieses wird nachgewiesen und deutlich erklärt durch den berühmten Dr. H. C. Howard in Champaign im nordamerikanischen Staate Illinois. Er gibt an, daß vor der Erzeugung des jetzt gebräuchlichen Weißen Mehles Blinddarmentzündung und Verstopfung beinahe gänzuch unbekannt waren. Um diese Behauptung zu beweisen, sagt er, daß in Gegenden, wo heute noch die dunkleren, grobkörnigeren Mehle verbacken und Schwarzbrot gegessen wird, jene Krankheit noch unbekannt sei, jedoch sobald die feineren und Weißen Mehle eingeführt und verzehrt werden, erschienen auch die Blinddarm-Erkrankungen. In den weniger dicht bevölkerten Gegenden, wo die Landwirtschaft meistens noch im Keinen betrieben und auch die Heineren Lohnmühlen noch ihren Sitz haben, könne eine derartige Erkrankung nicht festgestellt werden. Wenn jedoch nach und nach die Heineren Mühlen durch die Riesenmühlen vertrieben werden und dementsprechend auch die feineren und Weißen Mehle sich durch das neuere Mahlverfahren einbürgern, wird auch die genannte Krankheit dadurch mit eingeführt. Genannter Arzt, der über 50 Jahre lang tätig ist, sagt, daß vor 1875 eine derartige Krankheit gar nicht vorhanden ober nur in sehr vereinzelten Fällen anzutreffen war, währenb jetzt biese Krankheitserscheinung eine beinahe tägliche ist. Große Umwälzungen in ber Ernährung ber Menschen haben namentlich in ben letzten 50 Jahren stattgefuuben, und um ein Beispiel anzuführen, bürfen wir nur einen Ueberblick über bas heutige und das vor jener Zeit angewandte Mahl- verfahren des Getreides werfen. So hat man vor 50 Jahren noch keine Walzenstühle, keine Plansichter, keine Zentrifugalsichtmaschinen und keine großen Mühlenwerke gekannt. Wie jeder Müller weiß, hat dazumal jeder Landwirt sein Ge- treibe zur Mühle gebracht und bavou das bunkle, kräftige und gesunde Schwarzmehl erhalten. Heute haben in Amerika die großen Unternehmungen die Heineren ziemlich aus jedem Winkel verdrängt, und beinahe ist jeder Mensch gezwungen, die feineren und weißen Mehle zu essen. Selbst unsere Neger im Süden sind von ihrem alten Gebrauche, be^ grobgeschrotenen Mais zu verbacken, abgekommeu — auch in Deutschlanb und anderen überseeischen Ländern haben sich feit Jahren unsere Mehle eingebürgert, und was ist die Folge? Neger, Deutsche ic., die früher von Blinddarm- Verstopfungen und -Entzündungen nichts gewußt und nichts gefühlt haben, müssen zu Hunderten sich heute der schmerzvollen Blinddarmabschneidung unterwerfen, und das alles hat das heutige Mahlversahreit und das feine, weiße Mehl zuwege gebracht. Erfahrene Müller werden sicher zugeben, daß das heutige Mehl dem menschlichen Körper weniger dienlich ist, als das früher nach altem Verfahren gewonnene. Jedoch jedermann verlangt heutzutage „weißes" Brot vom Bäcker und will nur „weißes" Brot auf seinem Tisch sehen, nicht iöiffenb, daß dieses Gebäck nur seine Verdauung stört, denn nur die Unverdaulichkeit unseres heutigen Brotes bringt die störende und oft gefährliche Krankheit hervor. Warum sind unsere heutigen Kinder so bleich und abgezehrt, haben eingefallene Gesichter und verkümmerte Gestalten? Die nicht richtige Ernährungsart ist die Veranlassung! Gebt ihnen Schwarzbrot oder ähnlich gut bekömmliche und leicht verdauliche Backware, und eine gänzlich veränderte Erscheinung wird uns eutgegenjubelu und nicht mehr ein solcher krankhaft einherschleichender Nachwuchs. Dr. .Howard führt einen Knaben au, ber 13 verschiedene und gefährliche Anfälle gehabt hatte, die er sämtlich der heutigen Mahl- und Backweise zuschreibt; doch dieser kleine Schlaumeier hatte sich einer ärztlichen Behandlung mit dem Messer dadurch zu entziehen gewußt, baß er nur Brot von grobgeschrotenem Getreibe, viel Obst ünb Gemüse, aber nur wenig Fleisch zu sich genommen hat. Jetzt sieht er blühend aus und weiß nichts mehr von Bliubbarmeutzünbung und anbereu Krankheiten. Das Fehlen von Phosphaten in beut heutigen Mehl hat manchen Arzt veranlaßt, ben Kranken tu Arzneien die nötigen Mengen Phosphat zukommen zu lassen, beim ein Arzt muß heutzutage genau mit dem Zeitgeiste fortschreiten unb auch wissen, wie ber Müller feine Mehle herstellt. Wer hätte früher, als wir noch bas alte Mahlverfahren


