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Widerte Nannic mit seiner gewöhnlichen Stimme. Dieses Uebergehen in den natürlichen Sprachton war ein Kunst- grtff, der seines Eindrucks auf die Hörer niemals verfehlte. Sie zusammenschrecken zu sehen, machte Nannic stets die größte Freude.

Menn das wahr ist, könnten wir eigentlich ruhig nach Hause gehen", knurrte Nives verdrießliche

Mrr ist jetzt überhaupt alle Lust an dem Handel vergangen", meinte Hoel niedergeschlagen.

Ihr schämt Euch jetzt selber, Hoel", bemerkte Gnenn kaltblütig.

Da hast Du recht, Gnenn, ich habe auch von Anfang an für einen ehrlichen Kampf gestimmt. In so trübem Fahrwasser segelt mein Boot nicht ivieder. Das hübsche kleine Mädel, sie hat ihre Sache tapfer geführt und uns ehrlich die Meinung gesagt. Nein, nein, Rodellec, ich habe jetzt ganz genug. Laßt den Maler in Frieden, und laßt Gnenn ihren Willen."

Nur ruhig, Mann, das wird sich finden", versetzte Rodellec besänftigend.

Als die Männer fort waren, kletterte Nannte langsam und vorsichtig von der Mauer herunter und stand neben seiner Schwester, die er mit einer Art mitleidiger Teil­nahme betrachtete.Die Mädchen sind alle Närrinnen", sagte er mit Nachdruck; das sollte soviel heißen als, Du hast Dich vom Eifer fortreißen lassen."

Ja, ich weiß wohl," antwortete sie denrütig;aber es schadet nichts, Nannic. Ich konnte nicht länger an mich halten, ich glaube, ich wäre erstickt, hätte ich ihnen nicht endlich die Wahrheit sagen können."

Du fingst ganz vernünftig an, hast aber alles ver­dorben, weil Du nicht bei Dir behalten konntest, was Du wußtest. Die Mädchen plaudern immer alles aus."

Wirklich, tun sie das?" fragte sie leise.

Es fehlte nur noch daß Du ihnen sagtest, daß ich immer ihrer Spur folge ch Gott selbst weiß kaum besser, was sie tun und lassen, als ich und daß der Herrgott ihren Plänen nicht Einhalt tut und ich sie jedesmal zu Schanden mache. Warum hast Du ihnen denn verschwiegen, daß ich sie neulich nachts am Strande belauscht habe, und daß Tu Meurice geschickt hast, um Monsieur heute abzuholen, daß Tu Meurice überhaupt um den Finger wickeln kannst? Warum hast Du ihnen nicht gesagt, daß Du Dich nun das hast Du ihnen ja deutlich gesagt und wenn sie nicht gar so dumme, harte Köpfe hätten, müßten sie"

Laß nur gut sein, Nannic", bat sie mit müdem Ton, -.kannst Du ihn heute nackt fern von mir halten? Glaubst Du, daß das möglich ist?"

Ich weiß nicht. Er war noch nie so wütend; er wird in einem guten Feuerbrand heimkommcn. Vielleicht wäre es besser, wenn Du bei Jeanne schliefest; ganzzufällig" natürlich, wie Hoel sagt", er stieß ein verächtliches Lachen aus.

Schweigend schritten sie durch den dunklen Heckenweg. Gnenn ließ leise ihre Hand in die seine gleiten.

Es wäre wirklich traurig, wenn ich jetzt entstellt würde", murmelte sie,ehe das große Bild noch vollendet ist es wäre fe^r traurig". Sie seufzte leise Nannic kicherte verstohlen im Weiterhinken.

Es gibt noch mancherlei, was traurig ist", murmelte er.Es ist traurig, daß man geboren ist, traurig, daß inan leben und traurig, daß man sterben muß. Nur eins ist nicht traurig, nämlich, daß es immer Narren genüf, gibt, über die man lachen kann! Heute abend will ich auch noch einen auslachen, verlaß Dich darauf. Du aber, schlafe hei Jeanne. Komm ihm nicht vor die Augen!"

22. Kapitel.

Reiche, landschaftliche Schönheiten entfaltend, vom herr­lichsten Wetter begünstigt, ging der bretagnische Winter dahin. Obwohl nicht allzuweit von Paris entfernt, kannte der milde Himmelsstrich, in dem Plouvenec liegt, doch nie jenen Grad von Hitze und Kälte, unter dem die Hauptstadt oft zu leiden hat. Tie Maler konnten beinahe täglich acht Stunden im Freien arbeiten, ihnen erschien das gemäßigte Klima wie ausdrücklich für ihre Bedürfnisse geschaffen. Gegen dicke Joppen, Sabots, Gesundheit und Jugendkraft vermochte die Feuchtigkeit wenig auszurichten, und die Anmosphäre war von wahrhaft bezaubernder Wirkung.

. Wenn an den frühen Winterabenden Meer und Land, alle nahen und fernen Gegenstände, in den leuchtendsten

Opalfarben schimmerten, wenn selbst die düstere Festung auf der Insel drüben, von holdem, rosigem Schein umflossen, kund tat, daß auch sie dem Zauber des Sonnenuntergangs nicht zu widerstehen vermochte, dann brach die Begeisterung des Malers in Helle Flammen aus, und er fand kaum Worte für sein Entzücken.

Staunton heiratete um Weihnachten die kleine dänische Künstlerin und Douglas verließ einen Monat später Plou­venec, da sich ihm die Gelegenheit bot, einen Freund nach Spanien zu begleiten. Hamor sah diesen Veränderungen mit philosophischem Gleichmut zu und fühlte sich kaum weniger behaglich in seiner Einsamkeit, als da die Abende noch durch Whist und Kunstgesprüche ausgesüllt waren. Er vergrub sich mehr und mehr in sein einsames Studio und faß ganze Nächte lang, wenn der Wind draußen heulte, am wärmenden Kamiuseuer, in irgend ein gutes Buch ver­tieft. Seiu Feuer war sein Stolz und seine Freude, er häufte knisterndes Holzwerk darauf, und in den prasselnden Flammen meinte er die wechselndsten Bilder zu sehen, Er­innerungen aus der Vergangenheit und leuchtende Zu- kunftstrüume. So saß er auch eines Abends in Shakespeares Sonette versunken.Müd alles dessen wünsch' ich Todes­ruhe", las er laut deklamierend mit innigem Vergnügen, als die Tür hastig aufgerissen ward und Guenn Rodellec hereinstürmte.

Hamor mußte unwillkürlich an jenen Morgen denken, als sic zum erstenmale zu ihm kam.

Atemlos vom schnellen Lauf warf sich Guenn am Kamin auf die Knie und wand sich stöhnend hin und her:O Monsieur, o Monsieur!"

Unangenehm berührt fuhr Hamor empor. Solch auf­geregtes Wesen war ihm zuwider und hatte ihn bei Guenn schon öfters verdrossen. Jetzt, mitten in seinem idealen Ge- dankenflug schien es ihm lästiger denn je. Er blickte miß­billigend auf die kleinen Hände, die trotz der Seife von Quimper noch immer braun und rauh waren. Das rote Brusttuch, das er täglich zu sehen bekam, die groben Röcke und Holzfchuhe das paßte ganz und gar nicht zu dieser» hochtragischen Benehmen. Es ärgerte ihn, sie in der knieen- den Stellung am Kamin zu sehen, warum stand sie nicht auf.und war vernünftig?

Nun?" fragte er in kühler Verwunderung.

Monsieur!" rief das Mädchen schmerzlich und rang nach Atem; verwirrt blickte sie in dem wohlbekannten Raum umher,sie konimen", stieß sie zitternd hervor.

Wer denn?" fragte er ungeduldig.

Sie Hoel und Nives und er."

Hamor runzelte die Stirn. Diese rohen Bretagner ge­hörten durchaus nicht in seine poetische Stimmung und friedliche Wendträumerei, in die auch Guenn schon einen Mißklang gebracht hatte durch ihr stürmisches Gebühren.

Sie kommen? Wohin denn? Hierher? Wann werde ich denn die Ehre haben, die Herren zu empfangen, und was zum Henker wollen sie von mir?"

O glauben Sie, es ist ernst um alles in der Welt, seien Sie nicht so sorglos! Wie soll ich's Ihnen nur sagen? Holen Sie Monsieur Staunton herbei, es ist dann immer noch schlimm genug."

Monsieur Staunton?"

Ja, er würde nichts verraten. Er wird Ihnen bei- stehen und dann über alles schweigen. Ach, fragen Sie mich nichts mehr gehen Sie gehen Sie!" Sie zitterte an allen Gliedern.

Jst's möglich!, Guenn, ich glaube gar, Du fürchtest Dich", sagte Hamor freundlich

Sie brach in ein heftiges Schluchzen aus.O Monsieur- Sie kennen sie ja nicht- Diesmal handelt es sich! um Leben und Tod! Holen Sie Ihren Freund, und selbst das" unten im Hose ließ sich ein leises Geräusch vernehmen, sitz fuhr heftig zusammen und lauschte gespannt.

Wer Guenn, Kind, sei doch vernünftig! Ich dachte immer. Du wärest stolz aus Deinen Mut und wolltest für das tapferste Mädchen in ganz Plouv!enec gelten!"

Sie starrte ihm sprachlos ins Gesicht und hielt noch immer den Atem an, um zu horchen, ob sich draußen nichts rege. Die lehrhafte, gemessene Art und Weife, mit der er sprach, brachte sie dem Wahnsinn nahe.

Drei gegen einen, ist für gewöhnlich nicht gerade, was man unter Männern einen ehrlichen Kamps zu nennen pflegt. Vielleicht ist diese Ansicht nur ein angelsächsisches Vorurteil, indessen" er hielt inne der Gedanke, daß