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Redaktion: Angust Götz. Rotationsdruck und Verla-, der Brühl'schen Uuiversitats.Buch- und Eteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.

uralten Denkmäler zerstörte, um dem neuen gewaltigen Christengotte Wohnstätten zu bereiten oder ob die Römer im allertiefsten Herzensgründe immer mehr heidnisch als christlich geblieben sind? Ich weiß nicht, woran es liegt, jedenfalls aber weht ein heidnischer Hauch- durch- die meisten römischen Kirchen.

Du fragst verwundertund die Peterskirche?" Die wirkt zunächst niederdrückend in ihren ungeheuren Größen­verhältnissen; hat man sich- damit vertraut gemacht, so verehrt man bewundernd und staunend den Menschengeist, der in strengen Formen eine derartige Verkörperung der Un­endlichkeit zu schaffen verstand. Wer der heilige Schauer, welcher Dich in der Kirche des heiligen Franz zu Assisi umfängt, bleibt Dir an diesem Einigungspunkte der katho­lischen Christenheit fern.

In St. Clemente, wo ich die Fresken Masaccios be­wunderte, erlebte ich übrigens einen improvisierten Got­tesdienst, der mich geradezu erschütterte. Einige hunderte von Pilgern wurden von einem Priester zu verschiedenen Altären und Reliquien geführt. Plötzliche stand die ganze Schar barhäuptig und mit gefalteten Händen vor dem Hauptaltare und in deutschen Lauten schallte dasVater unser" wie ein gewaltiger Chor zu den Wölbungen der Kirche empor.

Noch eine schöne Erinnerung knüpft sich für mich an St. Clemente. Mnes Tages in der Fastenzeit war die Unterkirche, eine alte christl. Basilika aus dem 3. Jahrh. n. Chr., an deren Wänden sich Fresken aus sieben Jahr­hunderten befanden, vollständig erleuchtet. Die Unter- Arche, z. T. durchs den viel späteren Bau der Oberkirche verschüttet und verbaut, hat im allgemeinen den düsteren Charakter einer Krypta. Jetzt aber waren alle Nischen und Altäre in einen Blumenhain umgewandelt, alles strahlte von Kerzen und für kurze Stunden war die sonst ver­einsamte Stätte ihrer früheren Bestimmung zurückgegeben.

(Schluß folgt.)

konnte man einige Stunden darauf im Colosseum oder im Cirkus treffen, den blutigen Kämpfen der Gladiatoren zu- schauend.

Vertiefst Du Dich dann einmal in die Reliefs der Triumphbögen oder besuchst Du die Engelsburg oder einige andere römische Grabdenkmäler, wanderst Du stundenlang an der alten Stadtmauer entlang oder verfolgst Du auf Deinen Wanderungen durch die Campagna die mächtigen Bogenreihen der alten Wasserleitungen so, ersteht vor Deinem Geiste ein Geschlecht, bei dem alles sich ins Titanen­hafte steigerte, ein Geschlecht, bei dem Wille zur Macht und stolze Selbstverherrlichung so kräftig ausgebildet waren, daß zartere Regungen sich daneben kaum behaupten konnten. Durch Heeresgewalt und gleißendes Gold wußten sie sich zu eigen zu machen, was je in fernen Landen Herrliches geschaffen worden oder sie zwangen fremde Künst­ler in ihren Dienst, nicht aber vermochten sie die Kunst, die hehrste Göttertochter, zu zwingen, in ihrem Lande heimisch zu werden.

Andere Zeiten dämmern herauf und andere Geister wer­den lebendig, wenn man das etruskische oder das christliche Museum oder die Katakomben durchwandert. In Rom und in Perugia gewinnt man vielleicht die lebendigsteAnschauung von der künstlerischen Worstellungswetse der alten sagen­haften Etrusker. Bei aller Verschiedenheit zwischen ihrer Gedankenwelt und derjenigen der altchristlichen Kunst rührt niich in beiden immer wieder das Stammeln in Beziehung auf die äußeren Ausdrucksmittel bei der tiefen Innerlich­keit der Ideen. Der Gang durch die Katakomben wirkte unheimlich und höchst malerische Es wurde gerade ein Pilgerzug hindurchgeleitet. Alle hatten sich mit Fackeln versehen. Während mein Führer und ich fast ganz im Dunkeln waren, und bei dem dürftigen Lichte einer Kerze bald kapellenartige Höhlen, bald Ueberreste alter Fresken an den Wänden sichtbar wurden, tauchte auf dem hüge­ligen Terrain in den engen Gängen von Zeit zu Zeit geheim­nisvoll die Schar der Pilger mit ihren Fackeln auf wie Geister längstverschollener Zeiten und Mären.

Tu mutzt nicht glauben, daß ich planmäßig erst das Rom des Kaiserreiches, dann etwa die Ueberreste der späteren Kulturen durchstöbert hätte. Wie gesagt, das wäre unmög­lich gewesen bei der kurzen Zeit, den weiten Entfernungen und den nur an bestimmten Tagen geöffneten Samm­lungen. Heute vertiefte ich mich in die Entwickelung der Mosaiken in den Kirchen, morgen besichtigte ich irgend eine Gallerie tf&er durchwanderte die Gartenanlagen um die Villa Borghese oder die Villa Tora pamphilie mit ihren blumenübersäten Wiesenflächen, ihren murmelnden Quellen, ihren schattigen Baumgruppen und den köstlichen alten Denkmälern. Einmal lustwandelte ich im Garten des Vatikans und sah voller Ehrfurcht das schlichte Garten­haus, in das der greise Papst sich gern zu Erholung und stiller Arbeit zurückziehen soll, das andere Mal sah ich bei feierlichem Empfang den heiligen Vater selbst, wie er in altmodischer Sänfte, umgeben von seinen Kardinälen, in feierlichem Pompe zum Altäre geleitet wurde, um den Segen über die Menge auszusprechen, die tausendstimmig ihm zu­jubelte, zuschluchzte: Evviva il papa.

Manchen Streiszug habe ich mit Freunden in die Cam­pagna unternommen. Mit ihrer wellenförmigen Ebene, den vielen Ruinen in den lauggezogenen Mleen von Eukalyptus- käumen zeigt sie ein eigentümlich schwermütiges Gepräge. Wenn man die Schafhirten sieht mit ihren mit Lammfellen umtvickelten Beinen, denkt man an die Faungestalten Böck- lins. Im Glanze der Wendfonne saß so ein bockbeiniger Geselle, die Flöte blasend, auf dem Gipfel eines weich- abfallenden Hügels, während seine zottigen Untertanen friedlich am Abhange weideten. Scharf zeichneten sich die Umrisse der Gestalten in der klaren Luft ab und kosend warf die Sonne ihren goldenen Schimmer über Hirt und Herde. Das gab ein Bild, das eines Segantini wert gewesen wäre!

In der Campagna ich erinnere nicht mehr Ben Namen sah ich auch die einzige Kirche, die umgeben von Cypressen und Lorbeerbäumen in ihrer Schlichtheit wirk­lich die Vorstellung eines Gotteshauses weckte. Sonst erging es mir ganz eigen mit den meisten Kirchen Roms. Mit Ausnahme vielleicht von S. Maria in Trastevere sind sie alle viel zu gewaltig, überladen oder prächtig, um das innige Sichversenken in die Gottesidee zuzulassen. Ob die heidnischen Götter sich dafür rächen, daß man ihre

(Nachdruck verboten.)

Mein Kind, präg' diese Lehre tief dir ein: Noch bist du, nicht immer wirst du's sein. Du bist, nicht nach dem Einst zu fragen. Doch denk, einst wirst du, kühl fließt dein Blutf WaS du im Jngendübermut, Wird dann als Borwurf dir am Herzen nagen.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Vermiete».

* Vom Grafen Haeseler erzählt dieStratzb. Post" aus Anlaß! seines Jubiläums folgende militärische Episode: Der Umstand, daß Graf Haeseler unermüdlich tätig, war, sich selbst davon zu überzeugen, ob man seinen Inten­tionen gemäß arbeitete, hat viel dazu beigetragen, daß die Ausbildung innerhalb des 16. Armeekorps eine so gleiche mäßige und einheitliche geworden ist. Sein größtes Augen- merk war darauf gerichtet, die jungen Soldaten nach ihrem Dienstantritt zu denkenden Menschen zu erziehen, die mit Ueberlegung die Befehle ausführen und nicht nur dem toten Buchstaben nach mechanisch. So sagte der Komman­dierende einst zu einem Dragoner:Reiten Sie nach jener Höhe dort, wo der Baum steht, und kommen Sie dann hierher zurück. Einen Augenblick zauderte der Mann, denn er war sonst gewöhnt, einen bestimmten Auftrag zu erhalten.Bekomme ich keinen Auftrag, Exzellenz?" fragte er schließlich.Tun Sie, was ich Ihnen gesagt habe, war die kurze Antwort. Nach! etwa 20 Minuten kehrte der Mann zurück.Sind Sie auf der Höhe gewesen?"Zu Befehl, Exzellenz."Was für ein Baum steht dort?"Das weiß ich nicht, Exzellenz." Die Stirne des Kommandieren­den furchte sich. Mehr mißmutig als ärgerlich- sagte er:Ich hatte Ihnen absichtlich keinen besonderen Auftrag gegeben! Wenn ich sage:Reiten Sie nach! dem Baum", so ist es selbst- verständlichj, daß man sich ihn ansieht." Darauf zog der Reitersmann einen Zweig aus dem Stiefelschaft und sagte: Da ich: den Baum nicht kannte, habe ich dieses mitgebracht, Exzellenz!" Man kann sich die Erheiterung der Umstehenden denken. Wer auch der Kommandierende lachte herzlich Famos, mein Sohn, es ist ein Birnbaum", sagte er und gab dem überraschten und erfteuten Meldereiter einen Taler. _____