Samstag den 30. August.

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U'u2. Nr. 12V.

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(Nachdruck verboten.)

Miß Cookson aus New-Aork.

Bon Heinrich Lee.

(Fortsetzung.)

Herr Bennet war Bells Wetter. Won Newport hatte er Bell nach Newyork begleitet und von Newyork jetzt wieder hierher nach Longbranch. Tug für Tag kam er zu Bell 8>u Besuche dafür war er eben Bells einziger Verwandter und dafür hatte er auch die genügende Zeit. Nur wenn Bell nicht zu Hause war, dann mußte er mit ihr allein vorlieb! nehmen, dann plauderten sie. Ein leichtes Lächeln flog über Carlas Züge. Sie mußte daran denken, wie zuge­knöpft, wie steif Herr Bennet im Anfang gegen sie ge­wesen war, als fühlte er im Stillen etwas feindliches gegen sie, obwohl sie ihn doch nie int mindesten beleidigt hatte. Nun aber war er ganz anders geworden, namentlich seit der letzten Zeit, seit sie hier in Longbranch weilten und seit es Frühling geworden war. Es traf sich noch häufiger als früher, daß, wenn er kam, Bell zufällig nicht da war Und sie in ihrer Unterhaltung allein blieben. Ueber alles plauderte er mit ihr und am meisten über Deutschland, über ihre Heimat, von der sie ihm nicht genug erzählen konnte nur von Herwarth sprach er niemals, nie fragte er nach ihm.

Nun, wie gefällt Dir Fred?" hatte sie Bell einmal gefragt und dabei hatte sie gelächelt, was sehr merkwürdig war, weil Bell sonst niemals lächelte.

Gut gefiel ihr Herr Bennet und das sagte sie auch zu Bell.

Und Bell erwiderte darauf:

Tas verdient er auch von Dir. Er ist ein vortrefflicher Mensch."

Sonst war Bell in ihrem Urteil über die Menschen so Kart. DeshalK, konnte Carla diese ihre Worte nicht ver­gessen.

Ein Geräusche, das von der Gartenthür herkam, ließ sie den Kopf nach dieser wenden. Eine leichte Röte schoß tn ihre Wangen, und sie wußte nicht, ob sie die Arbeit aus der Hand legen oder weiter arbeiten sollte.

Es war Herr Bennet, der.in den Garten trat.

Er kam von Newyork, wo er jetzt auch eigentlich an- sässig war denn er hatte jetzt fleißig in seinem Kontor zu thun und das Zimmer, das er in einem der Stvandhotels gemietet batte, benützte er nur, wenn er in Longbranch einmal über Nacht blieb. Er kam heute noch in der be­sonderen Absicht, um Bell und Carla zu der Dreßparade abzuholen.

Als er Carla erblickte und sah, daß sie im Garten ganz allein war, ging er auf sie zu. Carla hatte ganz Recht. Er war ihr anfänglich mit Mißtrauen, ja mit Abneigung entgegengetreten, denn sie warseine" Schwester und eine

Deutsche noch nebenbei. Je näher er aber mit ihr bekannt! wurde, um so mehr änderte sich, das in ihm. Mn Mädchen wie Carla hatte er bisher in seinem Leben noch nicht kennen gelernt. Solche Mädchen gab es nicht unter der Newyorker Damenwelt, wenigstens' nicht in jener anglo-amerikanislWN Gesellschaft, in der Fred aufgewachsen war und auf ditz ausschließlich ein junger Mann seiner Art in seinem Bere kehr beschränkt blieb. Won dem selbstbewußten, eigen­willigen und ost mich! herausfordernden Wesen, das den jungen Mädchen seines Landes eigen war, bildete dieseK deutsche Mädchen das gerade Gegenteil. Im Anfang war sie zu ihm wie ein schüchternes Kind gewesen. Das KindA liche, der Grnndzug ihrer Persönlichkeit, eben das, was Carla für ihn so eigenartig machte, hastete iHv auch jetzt noch an, wo sie doch schon gute Freunde geworden waren. Aber dabei war sie doch viel mehr als ein Kind. Fred hatte ein entschiedenes Gefallen an Carla gefunden. Daß sieseine" Schwester war, dafür konnte sie doch nichts, das" war nicht ihre Schuld.

Nun saß er ihr gegenüber und Carla hatte ihre Hand­arbeit wieder ausgenommen. Auch diese Handarbeiten, mit denen sie sich so viel beschäftigte, hatten etwas Merk­würdiges, beinahe Unverständliches für ihn. Solche Sachen bekam man doch fertig in dem ersten besten Bazar zu kaufen und keiner der ihm bekannten Damen fiel es etn> ihre Zeit mit solchen Künsten zu vertrödeln, abgesehen davon, daß sie so etwas vielleicht gar nicht einmal gelernt hatten. Diesmal war es eine Häkelei, an der Carla arbeitete, ein Tischläufer, der für Bells Speisesaal bestimmt war.

Warum, Miß Carla", fragte er nun, indem er ihren feinen Fingern zusah, wobei ihm auch ihre hübschen Grüb­chen ant Handgelenk wieder in die Augen fielen,warum kaufen Sie das nicht im Laden, warum Plagen Sie sich damit?"

Das ist doch aber keine Plage, Herr Bennet", entgegnete sie heiter,das mache ich doch gern."

Mer eine unnütze Arbeit ist es."

Auch darin mußte sie ihm widersprechen. Tas, was' man fertig in den Bazaren bekam, das hatte alles etwas so Kaltes, Gefühlloses. Dagegen etwas, was man selbst verfertigte, das hatte doch eben etwas Freundliches, Ge­mütliches und zugleich! war es auch eine Erinnerung an die Hand, die es geschaffen hatte. Herr Bennet verstand das wohl aber nicht. So etwas verstand man wohl nur in Deutschland.

Stundenlang, ohne sie zu unterbrechen, hätte er ihr zuhören können.

Doch., Miß Carla", sagte er, nachdem sie beide eine kleine Weile hierauf geschwiegen hatten,jetzt ver­stehe ich' Sie."

,Ha?"

Ja "

Dabei schlug sie erfreut die Augen zu ihm auf, ihr«