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Sein Gesicht war starr und bleich, seine Brust blutüber­strömt.

Hilfe! Schnell, schnell Hilfe!" rief Traute,ich werde hier bleiben holen Sie Hilfe!"

Und während Lehmigke fortstürzte, blieb sie bei dem Toten. Sie hielt fein Haupt auf ihrem Schoß und suchte das langsam rieselnde Blut seiner Brustwunde mit ihren Tüchern zu stopfen. Sie achtete nicht darauf, daß sie im Schmutz am Boden lag, daß der Regen sie bis auf die Haut durchnäßte und der Wind in langen, heftigen Stößen über das flache Feld auf sie losfuhr. Angstvoll spähte sie aus nach Hilfe. Jeder ihrer Atemzüge war ein Stoßseufzer um Rettung.

Gott, Gott! erbarme Dich laß ihn nicht zum Mörder werden erhalte, rette dies Leben! Laß ihn nicht zum Mörder werden!"

Die alte Fichte über ihr rauschte so ernst, so tief­traurig. Dunkel und geheimnisvoll war ihr Lied. War es eine Totenklage? War es eine Verheißung?

(Schluß folgt.)

Weitere alte Grabsteine in der Friedhofskapelle an der Licher Straße in Gießen.

(Nachdruck verboten.)

Unser jüngster Rundgang durch die alten Grabdenk­mäler auf dem Friedhof an der Licher Straße brachte die Erwähnung der an den Außenseiten und Innenwänden der Kapelle ausgestellten Grabsteine. Zur Vervollständigung der dort besprochenen Denkmäler wollen wir uns heute noch mit den auf dem Fußboden der Kapelle niedergelegten Grab­steinen Lefchäftigen. Der Zweck ihrer Verwendung konnte sie weniger wie die an den Wänden ausgestellten vor der Zerstörung schützen, daher ihre Schrift meist schwerer zu entziffern ist. Die Steine sind bei der Wiederherstellung der Kapelle von ihrer ursprünglichen Bestimmung aus dem Gottesacker weggenommen und hier niedergelegt worden. Sie stammen meistens aus dem 17. Jahrhundert, sind in Sandstein ausgeführt und tragen die Namen einiger Ad-- ligen, Gießener Geistlichen und anderer bürgerlicher Fa­milien, die z. T. heute nicht mehr vorkommen. Die gewählte sprachliche Form der Aufschriften hat manchen historischen Wert. Die Grbasteine sind in Kreuzform niedergelegt.

Beginnen wir am Eingänge zur Kapelle mit der Querseite des Kreuzes! Hier ist als zwerter Stein zu nennen:Monu- mentnm D. Philippi Ludovici Ruppi, Archiatri Tarmstadii (Darmstädtischer Oberarzt), gest. 1757, der mut­maßlich ein Verwandter des verdienstvollen Gießener Bo­tanikers Heinrich Bernhard Rupp war. Hieran schließt sich ein Stein aus dem Fahre 1654, der die Grabstätte einer vornehmen Frau nennen soll, deren Zuname aber, da der Stein verletzt ist, nicht mehr zu entziffern ist. Er trägt als Ueberschrift den Spruch:Ich weis, das mein Erlöser lebet . . . ." und am Ende die Aufschrift:Memento mori!"

Ter 6. Stein berichtet uns von der Ruhestätte des

M. Justus Geilfusius, aus Witzenhausen, eines hochverdienten Gießener Geistlichen, der im Jahre 1653 starb.

Ter folgende (7.) Mein ist gewidmet dem Andenken deswohledelgeborenen und manvesten

Asmus von Bavmb ach, Forstlicher Hessischer geheimbter Rath Oberister vnd Ober- rommendant zv Giessen ist daselbst im 72. Jahre seines -Alters anno 1639 den 26. September in Jesv Christo selig- lich endschlafen und am 3. Tag Octobris alhier begraben worden."

Hierauf folgt als 8. in der Reihe der Gedenkstein für zwei in zartem Alter gestorbene Kinder. Die Aufschrift lautet:Hier ruhen zwej Gott geheiligte Corper deren Seelen in die Herrlichkeit eingegangen und die Hertzen ihrer annoch lebenden Eltern als D. Johann Christoph Bilefelos und Frauen Annen Sabinen gebohrenen Sch la stsin nach sich gezogen haben. Ihre Nahmen seynd gewesen Christina Alexandrina welche gebohren anno 1693 den 1. November und gestorben anno 1695 den 20. August sodann Heinrich Christoph, welcher geboren anno 1695 den 22. April und gestorben beit 1. Februar 1697. Sie seynd als Kinder und Gerechte ins Himmelreich komen. Laset uns ihnen folgen." Am Kopfe des Steins wird ein Wappen

von zwei Engeln gehalten, das auf der einen Seite eine Axt und Säge (Fuchsschwanz), auf der anderen einen Rebenzweia mit Trauben zeigt.

In der Mittelreihe, die durch die Länge der ganzen Kapelle zieht, ist unter der Kanzel ein größerer Gedenk­stein niedergelegt, der dem Andenken verstorbener Ange­höriger der Baumbachschen Famsilie gewidmet ist. Er trägt am Kopfe an den Wappen einen Halbmond mit zwei Sternen. Er berichtet unter anderen von der Ruhestätte der tvgendreichen Fraw

Margraeta Lvcraetia von Bavmbach geborne Schvtzbarin genannt Milchling

weiland Asmvs von Bavmbach gewesenen forstlichen hessi­schen geheimbten Rats Obristen und Obercommendantens zv Giessen ehliche Havsfraw ist daselbst im 63. Jahre ihres Alters anno 1640 den 8. Septembris in Jesv Christo selig- lich endschlafen vnd den 11. Tag Septembris alhier be­graben worden. Spruch: Herr lehre mich bedenken das ich sterben mvs vnd alhie in dieser Pilgerschaft kein bleibende Etat habe. Thüe mir kvnd mein kvrtztes vnd vergängliches Wesen. Christus ist mein Leben Sterben ist mein Gewien."

Vor dem Baumbachschen Familien grab stein liegt der Gedenkstein derwohlduenden vnd viel tvgendreichen Fraw

Anna Maria Struppin v. Gelnhause gebore v. Har­tenraid.

Sie ist anno 1638 den 8Xbris ihres Alters im 79. Jahr alhie zu Giessen selig im Herrn endschlafen und den folgenden 12. Tag Xbris und er diesen Stein in ihr Ruhe­bettlein bis an den grosen Gerichtstag gesetzt worden." Der Kopf des Grabsteins zeigt die Wappen der von Harten­raid und Kleppinei, der Fuß derer von Meri und Balin. (?) Rings um den Rand des Steins steht der Spruch:Selig find die Toten die in dem Herrn schlafen ..."

Ein folgender Stein läßt außer dem Namen Joh. Peter Melchior 1621 nichts weiter erkennen. Besser erhalten ist der hieran anschließende Gedenkstein, der die Aufschrift trägt:

Hier ruhet der entseelte Leichnam des Hochj-Ehrwür- digen und Wohlgelahrten Herrn

Johann Andreas Schillings

gewesenen Stadt und Burg Predigers, wie auch Consistorial Assessoris und Definitoris allhier zu Gießen. Ist gebohren den 23. August 1665 zu Böseneck (?) im Herzogthum Saat­feld Seelig gestorben den 17. Febr. 1750 im 85. Jahr seines Alters, und 51 seines treu geführten Amtes." Am Fuße des Denkmals steht der Spruch:Es wird gesäet verwes­lich und wird aufferstehen unverweslich."

Ein weiterer Stein in dieser Reihe nennt die Grabstätte dreier früh verstorbener Kinder folgendermaßen:Auf diesem Gottesacker liegen ruhen in Gott vnd erwarten der srohgen Aufferstehung des lieben jüngsten tages

Maria Cath. Köppelin, geb. 1660, gest. 1662

Joh. Michael Koppel, geb. 1665, gest. 1669

Geronimus Georg Köppel, geb. 1662, gest. 1671."

Eigenartig ist die Aufschrift des letzten Grabsteins, der die Reihe schließt und unter dem Fenster niedergelegt ist, insofern, als er von dem Hinscheiden eines besonders be- anlagten zweijährigen Kindes berichtet. Sie lautet:Hier schlafet in Christo

Anna Elisabetha Haber-Kornin

geboren zu Marpurg den 12. January, g et auf et daselbst den 21. January anno 1638 in Christo aber selig verschieden zu Giessen den .. July anno 1640. Nachdem es vielfältig gebetet und gefungen das Blut Jesu Chrisft des Sohnes Gottes machd uns rein von allen Sünden. Amen. Der verleyh ihm mit uns allen balt balt ein fröhlich und felig Aufferstehung."6

Nervöse Träume.

Auch das zarteste Kind des menschlichen Gehirnlebens, der Traum, scheint allmählich dem Seciermesser der Wissenschaft zu verfallen. Sowohl die Psychplogie wie die Heilkunde haben sich neuerdings vielfach mit den Träumen beschäftigt, um sie auf ihre Entstehung und Wirkung zu untersuchen. Es ist auch schon eine ganz stattliche Zahl von Büchern und Aufsätzen darüber zusammengeschrieben wor­den, sodaß es wohl verdienstlich ist, wenn jetzt Tr. Birn- baum in der MonatsschriftDie Krankenpflege" (Georg