langer Metallteile, die man ihrer Dimensionen wegen nicht als ganze Stücke ins Feuer bringen kann.

Der bequemste Hitzeproduzent bleibt der elektrische Strom, der jetzt vorzugsweise im Moissanschen Ofen ver­wendet wird. Derselbe besteht aus einem ausgehöhlten Kalk­tigel, welcher durch einen ebensolchen Deckel verschlossen wird, und in welchen von zwei entgegengesetzten Seiten her die bis aus eine kleine Entfernung einander genäherten Kohlen­stifte hlneinreichen, die mit dem positiven bezw. negativen Poldraht einer elektrischen Kraftquelle verbunden sind. Zwischen beiden Kohlenstiften entsteht durch den elektrischen Strom der Tavysche Lichtbogen, den jeder von den Bogen­lampen her kennt. Dieser Ofen, in, welchem die Hitze über dreieinhalb Tausend Grad gesteigert werden kann, nnd der eigentliche eine Erfindung des Charlottenburger Elektrikers Siemens ist, aber nach dem Franzosen Mvissan benannt wird, weil dieser mit Benutzung desselben eine Reihe Wicht­tiger Entdeckungen machte, hat zur Darstellung des Dia­manten, des Rubins, des Calciumcarbides, des Carbo­rundes und noch vieler anderer hochinteressanter Stoffe geführt, und wenn auch! die künstlichen Diamanten und Rubinen sicht in den Kosten weit höher stellen als die natür­lichen, so sind dafür die anderen Stoffe um so wichtiger, namentlich das Calciumcarbid, aus welchem bekannter-- maßen Acetylengas gewonnen wird. Ein anderer aus diesem Wege gewonnener Stoff ist das Urancarbid, welches in Verbindung mit Wasser Kohlenwasserstoffe liefert. Unser Petroleum ist nichts anderes als ein Gemenge der ver­schiedensten Kohlenwasserstoffe, von welchen man im all­gemeinen annimmt, daß sich dieselben aus tierischen Kör­pern der Urzeit durch langsame Zersetzung im Erdinnern gebildet haben. Es ist nun aber nach den chemischen Re­aktionen der Carbide die Vermutung nich'f von der Hand zu weisen, daß sich, dieselben auch durch das in die Erde eindringende Wasser aus Carbiden gebildet haben können, an denen unser Planet in den Zeiten, als derselbe noch einige Tausend Grad wärmer war als heute, sehr reich! gewesen sein muh.

Interessant sind die physiologischen Wirkungen extremer Temperaturen auf lebende Organismen. Strömender über­hitzter Wasserdampf tötet organisches Leben in kürzester Zeit, und es wird bekanntlich von diesem Umstande zur Sterilisierung von Verbandstoffen, zum Keimfreimachen von Konserven und Getränken, und vor allem bei fast sämt­lichen chirurgischen Operationen der ausgedehnteste Gebrauch gemacht. Dasselbe Ziel wird unter Anwendung größerer trockener Hitze erreicht; nur muß dieselbe durch eine er­hebliche längere Zeit einwirken, um das widerstandsfähige Heer der Kleinlebewesen, unter denen sich die gefährlichsten Krankheitserreger befinden, zu vernichten. Je höher wir nun im Stammbaum des Lebens hinaufgehen, um so tiefer sinkt das Hitzemaximum, welches vertragen wird. Am em­pfindlichsten zeigen sich diejenigen Geschöpfe, die im Wasser lebend, jahraus jahrein einer annähernd gleichmäßigen Tem­peratur unterworfen sind, also vor allem die Meertiere. Auch die Süßwasserfische können große Wärmeschwankungen schlecht vertragen, und namentlich die Forelle ist in dieser Beziehung höchst empfindlich. Die warmblütigen Tiere sind fast noch weniger widerstandsfähig, am allerwenigsten der Mensch, der, wie das Beispiel von Dampfkesselexplosionen und des Platzens von Dampfrohren zeigt, eine ausgedehnte Verbrühung regelmäßig mit dem Tode bezahlen muß.

Trockene Hitze wird viel besser vertragen, wie jeder weiß, der gewöhnt ist, in den Dampfbädern die römischl­irische Trockenkammer zu benutzen, wo eine Temperatur zwischen 40 und 60 Grad Celsius herrscht. Französische Masseure bringen in gewissen Heilanstalten in Paris bis zu 10 Stunden ohne Schaden in Räumen zu, welche auf 70 bis 80 Grad Celsius erhitzt sind; ja man kann in solchen Schwitzkammern und in den Kammern von Ziegelöfen selbst Temperaturen bis zu 120 Grad Celsius auf die Dauer von einigen Minuten bis zu einer Viertelstunde aushalten.

Was nun die Wirkung niederer Temperaturen betrifft, so ist der Mensch natürlich! dank seiner Kleidung das widerstandsfähigste aller Säugetiere. Die Thatfache, daß in der ostsibirischen Stadt Werchojansk Monate hindurch

eine Temperatur herrscht, bei der das Quecksilber gefroren bleibt, und welche sogar manchmal bis - -69 Grad Celsius inkt, spricht eine beredtere Sprache als viele Worte. Pictet hat in einem Gefrierkabinett, dessen Temperatur er bis auf 110 Grad Celsius erniedrigen konnte, Versuche über das Verhalten verschiedener Tiere gegen Kälte gemacht. Bei Fischen ist ein Erfrieren unter Kältegraden zwischen 20 und 30 Grad ohne Schaden für den Wiedereintritt des Lebens nach dem Auftauen. Frösche, Blindschleichen und die Eier von Seidenraupen ertragen Kältegrade bis zu 40 Grad; Weinbergschnecken endlich wurden durch 10 Tage einer Tem­peratur von100 Grad ausgesetzt und gelangten nach! dem Auftauen wieder zum Leben.

Noch erstaunlicher ist die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen und Pflanzensamen. Samenkörner von Weizen, Hafer, Kürbis, Hornklee, Erbsen, Sonnenblumen, die vorher lufttrocken gemacht waren, verloren ihre Keimkraft nicht, trotzdem fie 110 Stunden hindurch einer Kälte zwischen 180 und 190 Grad ausgesetzt waren, und Bakterien gar erwiesen sich! trotz tagelanger Kälte von 215 Grad als lebens- und fortpflanzungsfähig.

Bei Krankheiten der Verdauungsorgane, bei Diabetes und Neurasthenie erwies sich! die Einwirkung der Kälte sogar als gesundheitsförderlich, und die Pariser Aerzte wandten die lokale Kälte mit Erfolg zur Behandlung von Appetitlosigkeit bei Tuberkulösen an, indem sie einen Sack mit fester Kohlensäure von80 Grad Celsius auf die durch! eine dicke Watteschicht gegen die direkte Einwirkung geschützte Magen- und Lebergegend derartiger Patienten legten.

Gemernnützige».

Bowle von Waldmeister, Erdbeeren, Ananas oder Pfirsichen kennt jeder. Daß alle diese Erreger einer gemüt­lichen Heiterkeit und jubelnden Frohsinns übertroffen wer­den an Feinheit und Bekömmlichkeit durch die Waldbowle, ist weniger bekannt. Die neueste Nummer des praktischen Ratgebers im Obst^- und Gartenbau, die vom Geschästsamt an der Oder kostenlos zu erhalten ist, enthält folgendes Rezept einer Wald- oder Heubvwle: Man verwendet aus­schließlich das Ruchgras, Anthoxantum odoratum, welches in lichten Wäldern und an Waldrändern im Juni und Juli gesammelt werden kann. Die ganzen Halme werden mit einer Flasche leichten Mosel übergossen, aber schon nach 10 Minuten herausgenommen. Zuckerzusatz nach Geschmack und Belieben. Die weitere Behandlung ist bekannt! Fa- milien-Bowle erfordert nur einen Zusatz von Selterswasser oder Sauerbrunnen. Verwöhntere Gaumen greifen da­gegen zum Schaumwein.

Ein den RosenhIochstämmen sehr gefähr­liches Insekt ist der Rosenbiohrer, der namentlich sich in das Mark des Wildstammes einfrißt und die Ursache wird, daß die von ihm bewohnten Teile mit der Zeit ab­sterben. So lange das Tier noch im Bereich des Messers ist, kann der Bohrer durch Ausschneiden beseitigt werden. Ist er jedoch schon weiter in den Stamm hinabgekrochen, dann empfiehlt es sich, mit einer Nadel in das Bohrloch zu stechen, oder etwas mit Erdöl vermischten Brennspiritus hineinzuträufeln, worauf das Bohrloch mit flüssigem Baum­wachs verschlossen wird.

(Prakt. Wegw.", Würzburg.)

Scherzrätsel.

Nachdruck verboten.

In dir, in mir, in Tier und Stein; Doch kommt ein Zeichen noch hinein, Wird's ein bekannter Vogel sein.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kreuzätsels in voriger Nummer:

E va

Se gel

Eva, Egel, Segel, See, Vase.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen IlniversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.