Herr! Entschuldigen Sie tausendmal, daß ich! gewagt habe, Ihre zarten Ohren mit meiner widerwärtigen Stimme zu belästigen!"

Während dessen war Mätzchen vergnügt vom Ofen herunter gehüpft, hatte sich seiner schönen Herrin auf die Schulter gesetzt, und verließ nun mit dieser in stummer Verachtung das Zimmer Heinz Dörings.

Wer, mein verehrtes, gnädiges Fräulein", stammelte Heinz, fassungslos,ich meinte ja. . ., ich sagte doch nicht

Doch die Thür hatte sich! hinter der beleidigten Kö­nigin schon geschlossen, und es blieb ihm nichts übrig, als den dumm grinsenden Kellner mit einer heftigen Ver­wünschung zum Teufel zu schicken.

(Fortsetzung folgt.)

Extreme Hitze und Kälte.

Von Dr. Theodor Adler.

(Nachdruck verboten.)

Bei den überraschenden Entdeckungen, welche Physik und Chemie in den letzten Jahren zu verzeichnen haben, hat die Erzeugung ungewöhnlich! hoher oder niedriger Tem­peraturen eine entscheidende Rolle chspielt. Hitzegrade, welche 2000 Grad des hundertteiligen Thermometers weit über­schreiten, und Kältegrade, welche tief unter100 Grad herabgehen, und noch vor wenigen Jahrzehnten als das äußerst Erreichbare galten, sind heute etwas Alltägliches, was in der Industrie seine regelmäßige Verwendung findet, und die thatsächlich erreichten Temperaturextreme gehen weit nach! oben und unten über die angeführten Zahlen hinaus. Die Resultate des theoretischlen Studiums im Laboratorium des Forschers finden bei den Naturwissen­schaften stets früher oder später eine gewinnbringende prak­tische Verwertung, und das ist Ansporn genug zu neuen Fortschritten, deren gerade auf dem Gebiete der Hitze- und Kälteindustrie zahlreiche in jüngster Zeit zu verzeichnen sind.

Um bedeutende Kälte zu erzielen, gießt es im allge­meinen zwei Wege, welche viel Aehnlichkeit miteinander haben, indem man entweder die Abkühlung benutzt, welche Gase bei rascher Ausdehnung erleiden, oder "jene Abkühlung, welche eintritt, wenn leicht verdunstende Flüssigkeiten in Gasform übergehen. Von letzterer Thatsache kann man sich! sehr einfach überzeugen, wenn man die Kugel eines Queck­silberthermometers mit loser, in Aether, Chloroform oder Spiritus getränkter Watte umwickelt und einen kräftigen Luftftrom, etwa denjenigen aus einem Blasebalg, darauf lenkt, welcher eine schnelle Verdunstung der Tränkflüssigkeit und ein Sinken der Temperatur bis weit unter den Null­punkt zur Folge hat. Durch die mäßigen Kältegrade, welche man vor etwa 25 Jahren zu erzeugen wußte, und durch hohen Druck war es um diese Zeit gelungen, sämtliche bekannten Gasarten bis auf wenige in flüssige Form über­zuführen. Diese wenigen aber, die sogenannten inco- erciblen oder permanenten, nämlich! Wasserstoff, Sumpfgas, Kohlenoxyd, Stickstoffoxyd, Stickstoff, Sauerstoff und ihre Gemenge, also auch Luft, trotzten den Verflüssigungsver­suchen, auch jvenn man den Druck auf tausende von Atmo­sphären steigerte. Der Grund dazu lag in einem Natur­gesetz, nach welchem jedes Gas bis auf eine ihm speziell eigentümliche Temperatur abgekühlt sein muh, ehe es durch Druck verflüssigt werden kann. Oberhalb dieser sogenannten kritischen Temperatur, die natürlich für jedes Gas eine andere ist, sind alle Mühen vergebens, und bei den schon erwähnten permanenten Gasen liegt eben die kritische Tem­peratur weit unter Null.

Die fabrikmäßige! Herstellung flüssiger Kohlensäure wurde nun der Ausgangspunkt zur Erzeugung hoher Kältegrade. Es ist ein beliebtes Laboratoriums-Experiment, indem man flüssige Kohlensäure verdampfen läßt, wobei der Umgebung viel Wärme entzogen wird, Queckfilebr im Zimmer gefrieren zu machen. Aber die Temperaturerniedrigung geht dabei noch weit über die 40 Grad Kälte hinaus, welche man zum Erstarren des Quecksilbers, nämlich bis auf130 Grad Celsius, braucht. Hiermit konnte man aber wieder andere Gase unter die kritische Temperatur abkühlen und ver­flüssigen, und indem man dann diese im luftverdünnten

Raume verdampfen ließ, brachte man es zu immer be­deutenderen Kältegraden, und mit ihrer Hilfe unter gleich­zeitiger Anwendung kolossalen Druckes wurde eines der permanenten Gase nach! dem anderen verflüssigt. Man ge­langte so zu 190 bis 200 Grad Kälte, verflüssigte Luft, Stick­stoff u. s. w. und erhielt mit deren Hilfe 230 bis 240 Grad Kälte, bei welchen unfaßbar niedrigen Temperaturen man auch! den Wasserstoff und das allerhartnäckigste der Gase, das erst vor wenigen Jahren entdeckte Helium, bändigte. Heich steht man mit erzeubbaren Temperaturen bis zu 256 Grad Celsius nicht wert mehr von jenem absoluten Nullpunkt, welchen die Physiker aus theoretischen, ans der molekularen, kinetischen Gastheorie heraeleiteten Gründen bei273 Grad Celsius annehmen, und bei welchem alle Atembewegungen zum Stillstand gekommen sein müssen. Nur durch Anwendung dieser extrem tiefen Temperaturen gelangen übrigens die Entdeckungen der zahlreichen gas­förmigen Elemente, wie Argon, Metargon, Krypton, Neon, Helium und anderen, welche erst in den letzten Jahren auf­gefunden wurden und den Beweis erbrachten, daß die Atmosphäre durchaus nicht so einfach zusammengesetzt ist, wie man bis vor kurzem glaubte.

Das einfachste Mittel zur Erzeugung hoher Tempera­turen ist die Verbrennung, also zunächst diejenige von Holz und Kohlen und brennbaren Flüssigkeiten, die leicht .in Gasform übergehen. Die damit erzielbaren Hitzegrade lassen uns aber bereits im Stichs wenn wir schwer schmelz­bare Metalle, wie z. B. Platin, flüssig machen wollen. Nimmt man ein gewöhnliches Gebläse zu Hilfe, so gelingt es gerade noch bei plus 1800 Grad Celsius, einen Platindraht zum Schmelzen zu bringen. Höher hinaus kann man aber mit diesem Hilfsmittel nicht, weil man in der zur Ver­brennung dienenden Gebläseluft ungeschickterweise den vier Fünftel des Luftvolumens einnehmenden Stickstoff der Luft mit erhitzen muß, der nichts zur Verbrennung beiträgt und ein unnützer Ballast ist. Diesen Uebelstand umgeht man, wenn man statt Luft einen Sauerstoff nimmt, welchen man im Knallgasgebläse mit der doppelten Raummenge Wasser­stoff zu Wasser verbrennt. Man erreicht damit eine Hitze von 2400 Grad. Theoretisch! sollte man aber eine viel bedeutendere Hitze, nämlich ungefähr 6500 Grad, erhalten. Daß, dieses nun nicht der Fall ist, hat schon viel Kopf­zerbrechen gemacht, bis man vor kurzem das Ei des Ko­lumbus einfach in der Thatsache fand, daß bei den höchsten mit dem Knallgasgebläse erreichbaren Temperaturen von etwa 2400 Grad die Zerlegung des Wassers in seine Be­standteile Sauerstoff und Wasserstoff in großem Umfang stattfindet, daß es also jenseits der genannten Temperatur gar nicht mehr zu der im Knallgasgebläse sinttfindenden Wasserbildung aus seinen Elementen kommen könnte, die ja die eigentliche Ursache der großen Hitzeentwickelung ist.

Hans Goldschmidt hat uns vor etwa.zwei Jahren ge­zeigt, daß besser als alle vorangeführten Brennstoffe sich zur Erzeugung höchster Temperaturen ein Material eignet, welches wohl niemand, da es ein Metall ish als Heizmaterial ansprechen dürfte, nämlich das wohlbekannte, jetzt in großen Massen fabrizierte Aluminium in Pulverform. Es ist nichts einfacher, als mit diesem Stoffe im Zimmer eine Hitze zu erzeugen, welche die eines Hochofens weit übersteigt. Zu diesem Behufe mischt man feines Aluminiumpulver mit einem Material, das leicht Sauerstoff abgiebt, also zum Beispiel Eisenoxyd oder Braunstein oder übermangansaurem Kali, thut das Gemisch in eine Papiertüte, welche man in ein mit Sand gefülltes, feuerbeständiges Gefäß, also bei­spielsweise in einen Blumentopf, bettet. Dieses Gemisch brennt freilich nicht beim Daranhalten eines brennenden Streichholzes, sondern muß erst durch eine sogenannte Zündkirsche entflammt werden, welche aus ähnlichen, aber leichter entzündlichen Stoffen besteht. Nach 3 bis 4 Minuten ist, die ganze Masse in Reaktion getreten und entwickelt eine Hitze zwischen 3000 und 3500 Grad. Diese Temperatur genügt, um das Aluminium mit dem Sauerstoff des Eisen­oxydes eine geschmolzene Verbindung eingehen zu lassen, die identisch ist mit dem als Krystall hoch geschätzten Korund und dem als Schleifmittel bekannten Schmirgel; Eisen schmilzt dabei natürlich zu einer dünnflüssigen Masse, und dieses Verfahren hat auch; bereits in der Praxis seine Ver­wendung gefunden zum Zusammenschweißen der Enden