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Modenbericht über Maskenkostüme.

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Drcsden-N.

Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch ä 50Pfg. daselbst erhältlich.

Drechsler gedrehte Figur muß möglichst naturgetreu nachgeahmt werden, wozu Rock und Taille aus einem beliebigen Wollstoff in greller Farbe Prall ohne Falten sein müssen. Den unteren Rand des Nockes können Schäfchen aus weißem, wolligem Stoff umgeben, ebenso den Ausschnitt

der Taille. Ein Hund aus gleichem Stoff wird dem Vorderblatt des Rockes aufgenäht. Den Kopf bedeckt ein kreisrunder Filzhut mit einer steif hoch­stehenden Feder. In der Hand hält man einen Schäferstab, der aus einem ganz gewöhnlichen Besen­stiel bestehen kann.

Für junge Mädchen sehr amüsant ist auch ein Babpkostüm, was beliebig ausgeführt werden kann; einesteils im langen Hängekleid und großem Hut, andernteils im Wickelbett, welch' letzteres unglaub­lich drollig ist. Das Wickelbett b, steht in der . Hauptsache aus einem langen Pappstück in der Form eines Wickelbettes, welches auf den Rücken gebunden wird und bis an die Füße reicht. Im übrigen wird das Kostüm wie ein reguläres Wickel- Lett vervollständigt, vorn herunter mit Schleifen verziert und mit Stickerei umrahmt. Jübchen, Häubchen und eine Milchflasche erhöhen die komische Wirkung dieses, allerdings nur für eine kurze Zeit und intimere Kreise bestimmten Anzuges; denn das Laufen darin ist ziemlich schwierig, Tanzen und Sitzen sogar unmöglich.

Ein Bettelmädel ist nicht minder amüsant; denn es giebt Veranlassuna zu den verschiedensten Scherzen, besonders wenn die Darstellerin imstande ist, Mando­line oder Guitarre dazu zu spielen, allerdings ohne dazu zu singen, denn das würde durch die Stimme Nähere Angaben über dieses Kostüm sind wohl

Wir stehen im Zeichen des Karnevals! Kostümfeste und Maskenbälle sind alleiwärts auf der Tagesordnung und veranlassen viel Kopfzerbrechen, aber auch viel freudige Aufregung. Die großen Maskenbälle freilich sind etwas aus der Mode gekommen, indem man sie durch Kostümfeste ersetzt hat, bei denen die Kleidung einen einheitlichen Charakter trägt. Man ist dabei der Wahl des Kostüms im allgemeinen überhoben In kleineren Kreisen, bei Hausbällen und dergleichen ist jedoch ein Maskenball immer noch ein sehr beliebtes Fest, besonders für die liebe Jugend, denn da

dürfen Jugendlust und U-bermut, unge­sunden durch herkömmliche Fesseln, ihr tolles Spiel treiben.

Das Hauptaugenmerk bei solchen Ver­anstaltungen im engeren Zirkel ist darauf zu richten, die Persönlichkeit möglichst zu verändern, natürlich ohne dieselbe deshalb in Disharmonie mit der Individualität zu bringen. Jeder Ankömmling bei solchem Fest muß nicht nur durch sein Aeußeres eine neue Ueberraschung bieten, sondern auch den Anwesenden die Aufgabe, die Persönlichkeit zu erkennen, nicht leicht machen.

Besonders reizvoll ist es dann, wenn ein- und dieselbe Person in verschiedenen Kostümen nacheinander erscheint, was in kleineren Kreisen, wo jeder den anderen kennt, zu den drolligsten Verwechslungen Veranlassung giebt. Denn wenn man auch die eine oder andere Maske erkannt zu haben glaubt, bald ist sie wieder verschwunden; neue Erscheinungen tauchen auf; es scheinen viel mehr Personen als man vermutet, kurz, man wird aus dem Wirrwarr gar nicht mehr klug. Dabei kann man unter dem Schutze der Masken auch riskieren, ein weniger reizvolles, als viel­mehr humoristisches Kostüm zu wählen; denn bis zur Demaskierung hat man ja Zeit, dasselbe durch ein eleqanteres zu ersetzen. Ein sehr drolliges Kostüm wäre da z. B. eine Holzschäferm, für welche man sich die Holzspielzeuge, wie man

kaum notwendig, denn hierbei ist der Fantasie vollkommen freier Spiel- raum gelassen.

Docy genug des Masken-Scherzes"; denn auch die eleganten, kleid­samen, die Repräsentationsmasken wollen zu ihrem Recht gelangen. Merk­würdigerweise beschäftigt sich dieMode" selbst viel mit ihnen, ja es möchte fast scheinen, als ob sie an den modernen Maskenkostümen da im kühnen Schwünge vorzeichnetj was sie gern auf ihren Thron gehoben hätte; denn an einer gewissen Spezies moderner Maskenkostüme begegnet

Figur 2. die Person verraten.

..... . . . ......... sie

auf dem Jahrmarkt kauft, als Modell nimmt. Die ringsum runde, vom

Figur 1.

in jeder Farbe

ausgeführt

Figur 3.

Dieses geschmackvolle Kostüm kann beliebig werden, auch weiß mit Gold oder schwarz mit Silber würde sehr vornehm fein, doch bleibt hier die Hauptsache der Schnitt, welcher, obwohl den Linien des Körpers folgend, doch nicht der übliche anliegende Prinzeßkleidschnitt ist. Wer hier ganz stil­gerecht fein will, der trägt sogar das moderne oder vielmehr aus Urgroßmutters Zeiten stammende Korsett, welches aus zwei Teilen besteht, einem oberen für die Büste und einem unteren für Leib und Hüften, während die Taille ganz frei und biegsam bleibt. Auf dieser Grundlage stellt nun die Mode die verschiedensten Maskenkostüme dar: Begriffe (Schneekönigin, Diabolette), Tiere (Libelle, Schlange, Taube, Schwalbe, Fledermaus) und vor allem Blumen. Besonders letztere gestatten die geschmackvollsten Arrangements, Zum Beispiel würde eine Wasserrose ganz im Stile von Figur 1 gehalten werden können, indem die modernen Linien als Kante den Rock umsäumen, das Wasser dar­stellend, aus welchem sich dann die Blumen erheben. Ebenso ein Alpenveilchen. Eine Marguerite dagegen würde aus plissiertem weißen Chiffon bestehen, welcher um die

man immer und immer wieder den modernen Dekorationslinien des- Jugendstils und zwar fast immer auf der Grundlage eines Empiregewandes. Unser Modell Nr. 1 zeigt ein derartiges Secessionskostüm, welches trotz seiner Einfachheit von großartiger Wirkung ist. Es besteht aus flieder­farbenem Atlas, und sind die modernen Linien in dunkler getöntem Sammet aufgenäht. Seitlich öffnet es sich über einem Plissoe von heller abgetöntem Chiffon. Ein Tuff von gleichem Chiffon'zeigt den Ausschnitt, untermischt mit Schlupfen von Sammtband, welches seitlich in langen Enden herabfällt. Fantasiehut aus Sammt mit Federn und Reiher..

Büste von gitterförmig gesetzten Marguerite«-

guirlanden gehalten wird. Vorn und Hinte» fallen dann je drei Guirlanden bis fast auf den Rocksaum, hier mit einer Riefenblüte abschließend. Der Kopfputz besteht aus Riesenblumen ä la Rautendelein. Für die tanzlustige Jugend sind diese Kostüme jedoch weniger geeignet und wäre hier eine Blumendarstellung wie Nr. 2 wohl mehr am Platze. Diese Sonnenrose ist zwar auch in Piinzeßform gehalten, aber anliegend und kurz. Sie besteht aus weißer Seide und ist mit grünen Sammlblättern und gelben Seitenblüten in ersichtlicher Weise besetzt. Goldgesticktes Figarojäckchen und Kopfputz in Krönchenform mit Riesenblumen vervollständigt im übrigen dieses Kostüm.

Doch was wirb aus all' den übrigen reizvollen Kostümen, mit denen wir uns sonst so gern schmückten? Trösten sie sich, meine Damen, sie sind alle gleichberechtigt, die Orientalinnen, Japanerinnen, Russinnen, die Pierots und Satanellen, die Rokokodamen, die Gretchen und Gärtnerinnen und zum Beispiel dafür bringen wir mit Figur 3 noch eine kleine Pariser Modistin mit geblümtem, kokettten Kleid und Schürzchen und riesengroßem Hut, welche gewiß manchem jungen Figürchen viel besser steht, als feite majestätischen Empiregewänder, die doch immer eine große Figur erheischen.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

Auflösung in nächster Nummer.

AuslösunMdes Delphischen Spruchs in voriger Nummer:

Jaguar Januar.

Auflösung des Preisrätsels in Nr. 14:

Keiner könnt' noch Kunde geben, Was das Jenseits dort ihm bot.

Viele Dinge lehrt das Leben, Doch am meisten weiß der Tod. I. G. Seidl.

Es gingen insgesamt 26 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 7. Einsender: Lehrer Nanz in Steinbach.

Der Preis H. Seidels Erzählende Schriften, Bd. 6, geb. ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in her Geschäftsstelle derFamilienblätter" in Empfang zu nehmen. -

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.