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Donnerstag den 1V. Januar.
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H.'Uott. Glt.afedn
1901. - Nr. 5.
EßÜtl sticht
Seeroman von Clark Rüssel.
(Fortsetzung.)
Viertes Kapitel.
Mein Vater setzt sich zur Ruhe.
Es war beinahe 6 Uhr und ganz dunkel, als wir New- vastle erreichten. Wir wußten, daß der Vater diese Nacht noch bei uns eintreffen würde, wie spät es auch werden mochte. Wir unterhielten daher im Wohnzimmer ein großes Feuer, deckten den Tisch zum Abendessen und richteten das Zrmmer so her, daß es aus einen Mann, der eben von der Reste und aus einem schrecklichen Sturme kam, wohl einen freundlichen Eindruck machen mußte.
Es schlug 10 Uhr; da hörte ich, wie sich die Hausthür öffnete. Ich lief hinaus und lag im nächsten Augenblick in mernes Vaters Armen. Es war ein herzerfreuendes Wieder- sehen und die Mutter wollte Vaters Hand gar nicht mehr loslassen. ’
„Wir sahen Dich kommen, Vater", sagte ich. „Wir waren in Shields und erkannten die Brigg schon, als sie noch nrcht größer wie eine Fliege war." '
„Wav, z>hr wäret beide in Shields?" fragte er und fah ganz gerührt von mir auf meine Mutter. „Ich kann nnr denkn, Madel, daß Dir der Atem stockte, als wir über M.,^°rre hmuberfegelten. Auf mein Wort, das war ein Ä' f ^lßtDu Annre, daß zwischen Blyth und Marsden
Schiffe Schiffbruch gelitten haben und, schlecht gerechnet, über zweihundert Mann ertrunken sind? Der 20b2e ^ ganze Küste entlang bis zum Kanal. Da 1001,1 wochenlang täglich herzzerreißende Nachrichten
nd doch — mir wer da sterben hat gesehn, S Nur der wird auch das Leben recht verstehn.
Die Jugend, die in vollsten Pulsen schwillt, Glaubt freudig an der Erde buntes Bild.
Doch wer nur einmal letzten Abschied nahm, Der geht ein andrer fort, als der er kam. Ein kühler Schauer hat sein Haar gestreift — Das ist die Stunde, da die Seele reift.
Ein Schatten weist mit auSgereckter Hand Den dunklen Weg in's unbekannte Land. _________________________Ernst Zitelmann.
(Nachdruck verboten.)
Er versank in Gedanken, wärmte sich die Hände «m Feuer und sprach mit sich selbst.
Als aber das Abendessen fertig war und wir bei Tisch saßen, erzählte er uns von dem Sturme.
Ich konnte dabei meine Augen nicht von seinem Gesicht losreißen. Es schien mir, als wäre ich selbst auf dem kleinen Schiffe und sähe mit eignen Augen das schrecklichstchöne Schauspiel, das er schilderte, als hörte ich das Krachen un8 Splittern des Holzes über mir, wenn sich die Brigg unter dem dröhnenden Schlage neigte und ihr Leedeck bis zu« Großluke in dem Schaumberge vergrub, den der Wind glatt und eben fegte.
Nach dem Abendessen rückten wir unsere Stühle anS Feuer. Ich stopfte meinem Vater die Pfeife und stellte Spirituosen und heißes Wasser auf den Tisch. Unterdessen sah die Magd ins Zimmer und sagte, Kapitän Salmon wäre gekommen, um sich zu erkundigen, ob des Vaters Brigg glücklich eingelaufen sei.
„Ist Salmon da?" rief mein Vater.
„Ja, Tom Snowdon, hier ist er!" rief eine rauhe, zrtternde Stimme. „Ich bin froh, Euch lebend und siche« im Hasen zu finden, Kapitän!"
„Kommt herein, Salmon, kommt herein!" ries mei» Vater, und nun trat das seltsamste und älteste Seegewächs ein, welches damals in Newcastle oder anderswo aufzutreiben war: ein alter, vertrockneter Kapitän von 82 Jahren, der sich zur Ruhe gesetzt hatte. Sein linkes Auge war erblindet, und das andere hatte sich, als ob es ärgerlich wäre, nun alle Arbeit allein thun zu müssen, vorgedrängt und glänzte wie eine braune Glaskugel vor einem Lichte. Dichtes, schneeweißes Haar fiel an beiden Seiten des Kopfes auf den Rockkragen hinab, der Scheitel jedoch war kahl wie eine Marmorkugel. Der Verlust aller Zähne brachte sein Kinn der Nase ziemlich nahe, und Wetter, Alter und Grog hatten seine Haut einem Trommelfell ähnlich gemacht. Er trug einen langen ovüffelrock, ein großes blaues Tuch mit weißen Punkten hatte er sich um den Hals geschlungen, und als Kopfbedeckung diente ein hoher Cylinderhut, der nach der verkehrten Seite gebürstet war und an den Rändern schon kupferrot aussah.
Er nickte der Mutter und mir zu, sah sich langsam um, nahm einen Stuhl, unter den er seinen Hut stellte und setzte sich dann mühsam.
Mein Vater hatte ihn fast sein ganzes Leben lang gekannt — war oft mit ihm gesegelt und zweiter Steuermann auf dem Schiffe gewesen, mit dem der alte Mann seine letzte Reise gemacht hatte.
Salmon war erst Leichterschiffer, dann Matrose gewesen. Er hatte sich etwas Geld erspart, das er in Küstenfahrern angelegt, sobald er selbst ein Kommando bekam. Alle seine Verwandten hatte er begraben und lebte nun allein in einem kleinen Häuschen draußen an der Northumberland-Straße,


