387
man zu — wenn nicht, bleibt man ledig. Schließlich kommt es auf eins heraus. Ihr Onkel hat vielleicht das bessere Teil erwählt, hatte auch gleich an Ihnen einen Erben seines Namens. Ich sagte mir: ein Doctor medicinae muß Vertrauensmann sein, muß verheiratet sein. Ta hatte gerade der alte Herr, bei dem ich Assistenzarzt war, eine letzte Tochter, die noch; von fünfen unversorgt geblieben. Ueber die erste Jugend zwar hinaus, aber kerngesund und, wie ich glaubte, hübsch verständig und häuslich erzogen. Ja, prosit Mahlzeit, da hatte ich mich arg getäuscht. Tie hatte Stuart Mill gelesen, schwärmte für die Rechte des Weibes und weinte bei Gott blutige Thrünen, weil ich ihr nicht erlaubte, mir ins Handwerk zu pfuschen, und schlechter Laune wurde, wenn sie mich über meine Patienten und Kuren ausfragte. Das war etwas für mich. Gelehrte Weiber sind schlimmer als Pestilenz, hatte ich stets gesagt, und nun sollte ich gerade einen Schöngeist zur Frau bekommen! Na, als die Kinder erst da waren, gab sich das Aesthetische; eine treue Mutter war sie, und wenn die armen Würmer jetzt schreien und klagen, thut es mir in der Seele weh, daß sie so früh davon mußte — beschäftigt, wie ich bin, kann ich midji gar nicht um Haus und Kinder kümmern."
(Fortsetzung folgt.)
Obsthygiene.
Ein Kapitel für Fleischesser und Vegetarier. Von B. Wvlfshofer.
(Nachdruck verboten.)
Draußen im Garten, im grünen Waldesdom und zwischen den wohlgehegten Ackerfurchen: überall reift eine Obstarl neben und nach der andern dem Genüsse entgegen. Wir befinden uns eben im Sommer, und Allinutter Statur ist liebevoll beschäftigt, den Tisch für uns mit ihren Gaben zu Lecken. Wem über käme auch das frische Obst ungelegen: Kirschen, schimmernd wie Email, Aprikosen, lachend in einem Farbenton, der direkt von der Palette der Sezessio- nisten hinweg in die Vegetation genommen zu sein scheint, und Pfirsiche in jenem zarten Flaum, den selbst die Meister dieser modernen Kunstrichtung schwerlich in seiner ganzen Zartheit ihrer großen Lehrerin, der Natur, nachzubilden vermögen! Wenn jedoch bereits unser Auge solchen Zauber erfährt — um wieviel stärker wird der Reiz erst auf unseren Appetit wirken? Denn Obst ißt wohl jedermann, wenn auch selbstverständlich der- einen Sorte vor der anderen der Vorzug gegeben wird. Man erwäge nur, welche hohen Preise ton Feinschmeckern oftmals für die ersten Kirschen oder Erdbeeren gezahlt werden! Allein weit höher als der genüßliche Wert des Obstes steht der hygienische. Zwar alle jene verschiedenartig und oft sogar recht wundersam gestalteten Früchte an Baum und Strauch, wie sie während der günstigen Jahreszeit heranwachsen und -reifen, dienen mehr oder weniger als Nahrungsmittel für den Menschen. Daneben aber und noch vielleicht in weit höherenl Grade sind sie dazu bestimmt, seine Gesundheit, sein Wohlbefinden zu heben oder doch- mindestens zu erhalten. Sie regen unseren Appetit an, sie regeln die Verdauung; unter der brennenden Sonnenhitze stillen sie den quälenden Durst besser und nachhaltiger, al§' jedes Getränk; so erhalten sie uns frisch bei Spannkraft während der Tagesstunden, und wenn der Abend kommt, sorgen sie dafür, daß sich leicht, ungerufen oder gar durch, künstliche Mittel herbeigezwungen, Schlaf auf unsere Lider senkt.
Tie Obstvaukunde als' Wissenschaft teilt bekanntlich all diese Früchte ein in Kernobst, Steinobst, Schalenobst und Beerenobst. Am wenigsten von diesen kommt in gesundheitlicher Beziehung als .heilsam das Schalenobst in Betracht. Wall- und Haselnüsse, Mandeln und Kastanien, die hauptsächlichsten Vertreter dieser Obstart, dürften in allgemeinen ziemlich schwer verdaulich sein; unter Schalenobst selber versteht man eine Fruchtart, bei der nur der Kern eßbar, die Hülle dagegen, von der die Kernkapsel umschlossen wird, ungenießbar ist. Ueberhaupt unterscheidet sich Schalenobst ganz wesentlich von den übrigen hier aufgezählten Arten schon dadurch, daß ös zwar Nährwert besitzt, und an Wassergehalt entschieden hinter jenen zurücksteht. Gerade die zuletzt angeführten Bestandteile aber sind es, die dem Obst seine große Beliebtheit und, im
engsten Anschluß daran, den hohen hygienischen Wert verleihen; jene wunderbaren flüchtigen Essenzen, die zuerst auf die Geruchsnerven so verlockend einwirken und dann geradezu als ein Zauber den Appetit unter ihren Bann bringen; verschieden bei jeder Obstart von der anderen und dabei in stetem Ringen um den Preis; ohne daß jedoch derjenige, der von ihnen ißt und nascht, mit aller Bestimmtheit behaupten könne, welcher von sämtlichen Früchten jener gebühre: Napoleon I. gab Ananas-Scheiben den Vorzug; Friedrich der Große verteilte seine Gunst wohl ziemlich gleichmäßig auf Kirschen, Pfirsiche und Weintrauben; die Königin Luise von Preußen aber behauptete, daß ihr keine Frucht so köstlich munde wie Erdbeeren, direkt iur Walde gepflückt, prangend an den grünen Zweiglein und womöglich noch; übergossen von dem Tau, den ein Sommermorgen über diese seine Lieblinge schüttet . . .
Tie Gesundheitslehre hat es sich inzwischen angelegen sein lassen, den hygienischen Wert der verschiedenen Obst- arten eingehend zu untersuchen und das Ergebnis dann festzustellen. Kirschen, ob sauer oder sütz, sind der Gesundheit überaus zuträglich; ihre Verwendbarkeit zumal steht in gastronomischer Hinsicht beinahe unerreichbar da; höchstens der Apfel kann sich; auf diesem Gebiet mit ihnen messen. Kirschsuppe und Kirschmus, Kirschkuchen und Kirschsaft: Alles mundet vorzüglich und bereitet dem Magen nicht die geringsten Schwierigkeiten. Tie Erdbeere hat in der früheren Arzneikunde direkt als Heilmittel eine sehr bedeutende Rolle gespielt. Kranken und Genesenden bietet diese Frucht zum mindesten eine herrliche Labung. Andererseits freilich, ist nicht zu leugnen, daß manchen Menschen Erdbeeren ganz und gar nicht bekommen; der Magen will sich mit ihnen nicht befreunden, und der Körper bedeckt sich! mit einem Ausschlage. Der Apfel besitzt eine ganze Reihe hervorragendster diätetischer Eigenschaften. Wer Anlage zur Gicht hat, kann unter Umständen dieser so quälenden Krankheit durch recht reichlichen Genuß von Aepfeln Herr werden. Diese Frucht enthält nämlich! mehr Phosphorsäure als irgend ein anderes pflanzliches Erzeugnis der Erde, und wirkt geradezu antiseptisch, indem sie verhindert, daß bei Personen, die viel animalische Nahrung zu sich nehmen, diese in Fäulnis übergeht. Melonen sollen nicht selten eine Schntzwehr gegen Fieber und Nierenleiden bilden. Tie Tomate verwendet man zwar vorzugsweise als Gemüse und Küchenwürze; als Obst und zwar reichlich genossen, soll sie sich jedoch. auch ganz vortrefflich' bei Leber- und Harnbeschwerden bewähren. Anderseits möge sich der Leberkranke der Pflaumen enthalten, die von amerikanischen Aerzten den Nervösen regelrecht als Kur anempfohlen werden. Ueber den hygienischen Wert der Weintraube brauche ich an dieser Stelle wohl kaum zu sprechen; der gesundheitliche Wert dieses vornehmsten allen Beerenobstes steht über jedem Zweifel. Dagegen dürste weniger bekannt sein, eine wie wichtige Rolle die Quitte in unserer Hausapotheke eigentlich spielen sollte. Quitten, in Stücke geschnitten, und dann in Wasser gekocht, verleihen diesem ein fast immer wirkendes Mittel gegen Durchfall. Auf dem Lande, wo der helfende Arzt nicht immer zur Hand ist, heilt man noch heute Hals- und Brustbeschwerden mit Quittensaft. Desgleichen steuern auch die der eigentlichen gärtnerischen Kultur entbehrenden Obstarten recht beträchtlich zu solcher Haus-Apotheke bei. Bronibeeren, mit Zucker eingekocht, stillen den Husten, und aus Schlehen, diesen Parias unter sämtlichen Obstarten, die das All hervorbringt, läßt sich mit leichter Mühe ein Trunk brauen, der die Skropheln vertreibt.
Obst essen und Obst essen ist freilich ein großer Unterschied, auf den zumal schwächliche Natnten und Kinder nicht genug aufmerksam gemacht werden können. Vor allem möge der Irrtum aus der Welt geschafft sein, als ob von einem eigentlichen Nährwerte beim Obste überhaupt die Rede sein könne. Daher empfiehlt es sich, all' diese Fruchtarten nicht etiva als Hauptmahlzeit zu genießen, sondern immer nur als die Verdauung befördernde Begleitspeise jener: als Kompott. Des weiteren möge der Magen, wenn ihm Obst zugeführt werden soll, stets erst in die geeignete Stimmung versetzt sein. Tas cst eut Grundsatz, den sowohl die geschworenen Feinde jeglicher animalischen Nahrung als auch! die entschiedensten An-


