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trat plötzlich ein Stillstand ein, wie er gerade bei dieser Krankheit keineswegs zu den Seltenheiten gehört. Und ich wnßte, daß diese schieinbare Besserung, wenn sie auch! ohne -allen Zweifel eine trügerische war, lange genug an­halten könnte, um ihm die Vollendung der Gruppe zu ermöglichen. Dann aber galt sie der Welt als sein Werk, und Dn wurst nichts als ein schülerhafter Mitarbeiter, dessen Namen man kaum erwähnt und jedenfalls sehr schnell vergessen hätte. Um das zu verhindern, that ich, was Du mir heute mit so entsetzlicher Miene zum Vorwurf machst. Ich sagte dem Professor nicht, daß er ein Narr sei, als ich feine unsinnige Leidenschaft gewahrte, son­dern ich entzündete vielmehr an ihrer Glut seinen fast schon erstorbenen Künstlerehrgeiz, so daß er noch einmal in Hellen Flammen aufloderte. Weil ich Dir den ganzen Ruhm wahren wollte und den ganzen Erfolg, darum über­zeugte ich ihn, daß er nicht mit Dir teilen dürfe, und darum machte ich ihn glauben, daß er auf Erden noch Zeit genug habe, das Werk neu zu beginnen. Wenn er es that, so warst auch Du jeder Verpflichtung gegen ihn ledig. Du konntest die Gruppe nach Deinen Zeichnungen ohne seine Hilfe modellieren und konntest sie mit gutem Gewissen der Welt als Dein Werk zeigen, wenn Klemens' Herbold- tot war. Denn daß er mit seiner Arbeit selbst im günstigsten Fall nicht über die ersten Anfänge hinauskommen konnte, war! außer allem Zweifel. Darauf, daß er mit diesem brutalen Zerstörungswerk beginnen und dabei seinem kranken Herzen den Todesstoß versetzen würde, war ich! natürlich nicht gefaßt, und ich- hatte es nicht gewollt-"

(Fortsetzung folgt.)

Noble Hotelgäste.

Von Fred Hood.

(Nachdruck verboten.)

Wer Gelegenheit findet, in einem großen modernen Hotel zu logieren oder wenigstens Einblick in dessen Be­trieb zu gewinnen, der wird erstaunt sein über die rnuster- giltige Ordnung, in diesem kleinen Staat, in welchem man nirgends einem Chef begegnet, der seine Befehle erteilt oder eine Leistung tadelt und kritisiert. Die vornehmen Gäste solcher Hotels sind so sehr daran gewöhnt, alles in bester Ordnung zu finden, daß sie gar nicht einmal daran denken, welch ein Verwaltungsgenie dazu gehört, diesen komplizierten Mechanismus moderner Hotelpaläste zu regu­lieren und zu regieren. Es wird dies nur dadurch erreicht, daß jedem Beamten seine Funktionen auf das genaueste vorgeschrieben sind und daß Ungehorsam gegen den Ab­teilungschef oder grobe Vernachlässigung der Pflichten mit sofortiger Entlassung bestraft werden. Im Grunde ist das Personal aber so vortresflich geschult, daß eine Ueber- tretung der Hausgesetze in solch einem modernen Hotel wirklich schon zu den Seltenheiten gehört. Der Betrieb funktioniert so vollkommen, wie dasPerpetuum mobile" wenn dieses schon erfunden wäre.

Das wäre natürlich nicht so wunderbar, wenn Hotel­gäste als Durchschnittsmenschen zu behandeln wären, die trotz aller Verschiedenheit doch immer normale Gewohn­heiten zeigen, mit denen man rechnen könnte. Das kann man von Hotelgästen schon im allgemeinen nicht behaupten, aber die Bewohner eines großenHotel Palast es sind geradezu unberechenbar, und erfahrene Hotelbeamte be­haupten, daß man die wahre Natur dieser Leute erst durch­schaue, wenn sie schon wieder abgereist sind. Aber in solch großen, vornehmen Hause, in welchem Fürst und Hochstapler mit derselben Sicherheit einkehren, giebt es was auch immer Vorkommen mag keine außerordent- "chen Falle; denn der Mechanismus, von welchem ich oben gesprochen habe, ist nicht nur sehr kompliziert, sondern f° sinnreich, daß er selbst bei ungewöhnlichen Ereig­nissen nicht versagt. a

Am meisten Schererei, so erzählte mir der Ober- kellner eines fashionablen Hotels in Paris, machen dem Personal alle Gegenstände, welche die Gäste im Hotel zurück- n-- r" er unbefugterweise mitgehen heißen. Fast uner- KÖL-ä ^ele reiche Leute abreisen, ohne sich um hr Gepäck zu kümmern. Koffer und Körbe nicht- geringen Umfanges werden zurückgelassen, und häufig vergehen

Wochen und Monate, ehe der berechtigte Eigentümer ein Lebenszeichen von sich giebt. In vielen Fällen bleiben jedoch die Gepäckstücke einfach ihrem Schicksal überlassen. Das Zimmermädchen hat die Aufgabe, binnen einer Stunde nach der Abreise der Gäste die Zimmer zu durchsuchen. Findet sie einen Gegenstand von Wert, hat sie ihn sofort in Papier zu wickeln, die Zimmernummer sowie das Datum darauf zu vermerken und ihn nach dem Zimmer der Wirtschafterin zu bringen, welcher sie unterstellt ist. Hier verbleibt er, bis dem Geschäftsführer ein Brief oder ein Telegramm zugeht, in welchem nach! dem Gegenstand an- gefragt wird. Den Geschäftsführer interessieren die zurück- gelassenen Objekte erst bann, wenn dieselben brieflich oder telegraphisch verlangt werden. In diesem Falle sendet er einen Hausdiener zu der Wirtschafterin, in deren Zimmer dann die Hunderte von Paketen nach, dem einen rekla­mierten Gegenstand durchsucht werden. Wenn dieser sowie die notierte Zimmernummer und das Datum mit den An­gaben im Briefe übereinstimmen, so wird das Paket an den Eigentümer befördert, und zwar auf Kosten des Hotels, wenn der Portobetrag nicht eingesandt wnrde. Hat der Hotelgast schon bei seiner Abreise seine Adresse im Hotel hinterlassen, so wird natürlich ein gefundener Gegenstand vhne weiteres an die bezeichnete Adresse expediert.

Zwanzig Prozent der in Hotels zurückgelassenen Gegen­stände sollen nach Schätzung eines Herrn, welcher in einem der größten Londoner Hotels als Abteilungschef thätig war, überhaupt nicht reklamiert werden. Wenn sie einige Wochen lang in dem Zimmer der Wirtschafterin gelegen haben, ohne zurückgefordert zu werden, gelangen sie nach demDepot der zurückgelassenen Gegenstände", wo sie anderthalb bis zwei Jahre lagern. Hat sich dann der Eigentümer immer noch nicht gemeldet, so werden die Objekte versteigert, und der Erlös einer Kasse des Per­sonals zugewiesen. Anzüge, Wäsche, Bücher, Schuhe, Gegen­stände aller Art, vom Cylinder bis zum Rasiermesser, wer­den für wahre Spottpreise versteigert. Bei einem dieser Verkäufe fallen Kragen für einen Pfennig, seidene Schlaf­röcke für eine Mark, Hemden für 50 Pfennig verkauft worden sein lauter Gegenstände, welche die Firmen bekannter Londoner Kaufleute trugen, und von sehr guter Beschaffenheit waren. Die Sachen waren sogar auf Kosten des Hotels gewaschen und in Ordnung gebracht werden. Der Verkauf brachte über 14 Pfund ein; das ist in Anbetracht der geringen Preise für den einzelnen Artikel ein schönes Sümmchen, aber in Wahrheit hatten sie mindestens den zwanzigfachen Wert.

Es ist bekannt, daß viele Hotelgäste, welche nicht die Absicht haben, ihre Rechnung zu bezahlen, meist mit fürst­lichem Aufwand leben, so lange es irgend geht. Die Leute führen in der Regel umfangreiches Gepäck mit sich, um das Hotelpersonal zu täuschen und weil sie wissen, daß Leute, die nur für eine Nacht mit einer Handtasche ein­ziehen, genau beobachtet werden. Tie Zimmermädchen haben das Bureau zu benachrichtigen, ob Gäste mit zu bescheidenem Gepäck 24 Stunden nach ihrem Eintreffen noch das Zimmer bewohnen. Diejenigen aber, welche viel Gepäck mit sich führen, können in dieser Weise nicht kontrolliert werden. Niemand darf, wenn er nicht mit dem Strafgesetz­buch in Konflikt kommen will, untersuchen, was die großen Koffer enthalten, und so werden die Hotels oft von an­scheinend wohlhabenden Leuten betrogen, die einfach davon gehen und ihre Koffer in dem Zimmer zurücklassen.

Jedes Hotel hat einen großen Gepäckraum für die Aufbewahrung größerer Gepäckstücke, welche die Gäste nicht in ihr Zimmer nehmen können oder wollen. Hier werden auch die zurückgelassenen Koffer, Körbe und Kisten depo­niert. In manchen dieser Hotels beherbergt der Gepäckramn Koffer, welche zwei und- drei Jahre unreklamiert ruhen. Die Koffer werden nicht gleich geöffnet; denn das könnte natürlich zu großen Mißverständnissen sühreu. Es kommt gar nicht selten vor, daß Hotelgäste aus einige Tage ohne jede Meldung verschwinden, daun plötzlich zurückkehren und ihre Rechnung richtig begleichen. Sie würden sehr unan­genehm werden, wenn man inzwischen ihre Koffer geöffnet und deren Inhalt untersucht hätte. In einigen Fällen wurde noch nach einem Zeitraum von einem und anderthalb Jahr der Betrag einer Hotelrechnung oder noch ein höherer Betrag eingesandt, mit dem Ersuchen, das an einem be-