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Nadel, Schere und Fingerhut
allzuschwer/
Ruhm und Ehre zu gewinnen, habt Ihr alles andere rasch vergessen."
„Ziehen wir denn nur um Ruhm und Ehre in diesen Krieg? Sie haben es eben gehört, Fräulein von Mar- sd) all: wenn der König nicht jetzt angreift, so fallen Vielleicht schon in wenig Monaten, nachdem ihre Rüstungen beendet sind, seine Feinde in zehnfacher Stärke über ihn her. Wehe dann unserm armen Preußtznlande und wehe all den Schwachen und Wehrlosen, denen es die Natur nun einmal versagt hat, in einem ritterlichen Tod Rettung vor Schmach und Erniedrigung zu suchen! Weil wir unsere geliebte Heimat beschirmen, weil wir unsere Mütter und Schwestern vor einem entsetzlichen Schicksal bewahren wollen, ziehen wir im Vertrauen auf den Sieg der gerechten Sache voll freudigen Mutes das Schwert. Heißt das die Daheimbleibenden vergessen, wenn wir für sie kämpfen und bluten?"
Seine begeisterte, feurige Sprache zwang sie fast gegen ihren Willen, die Augen zu erheben. Jetzt erst sah der junge Offizier, daß in ihnen die Hellen Thränen glänzten.
verzeihen Uon &er8en' mir das abscheuliche Wort zu „Als wenn es dessen noch bedürfte! Ich kann es ja machen" Esprechen, wie glückliche mich Ihre Thränen
Sie ließ das Taschentuch sinken und faB mit verschleiertem Blick in rührender Schüchternheit zu ihm auf
»Sie sind mir also wirklich nicht mehr böse, Herr von Plothow? Sie werden es mir nicht nachtragend"
„Ich müßte wirklich der undankbarste Kerl unter der Sonne sein, wenn ich das fertig brächte. Nein, Fräulein Elisabeth, jetzt weiß ich mir doch noch besseres zu wünschen, als einen ehrlichen Reitertod — jetzt —"
Da begann die Uhr auf dem Kaminsims zu schlagen und es war, als ob der feine Klang den jungen Offizier plötzlich an eine vergessene Pflicht erinnert hätte. Er erhob das von freudiger Erregung gerötete Antlitz, sein Blick flog in dem prächtigen Gemache umhtzr, und mit tiefem Aufatmen trat er um einen Schritt von dem jungen Mäd- chen zurück.
r, "Mein General erwartet mich, Fräulein von Marschall!" sagte er in verändertem Ton, darin doch merklich die mühsam verhaltene Bewegung gitterte. „Wir haben unsere Lektion nicht zu Ende gebracht; aber wenn ich in diesem Feldzuge mein Glück mache, dann — nicht wahr? — dann werden Sie mir's nicht verbieten, daß ich da wieder anfange, wo wir heute aufhören mußten?"
Elisabeth war von dem jähen Wechsel in seinem Benehmen sichtlich betroffen, und nur dunkel schien ihr die Ahnung auszudämmern, daß ein tieferer Sinn in seiner Rede verborgen sein könnte. Ihre Beklommenheit machte es ihr unmöglich sogleich das rechte Wort der Erwiderung zu finden, und in holdseliger Verwirrung wußte sie nichts anderes zu sagen als ein leises „Ja".
. Wie er dann aber, mit militärischem Gehorsam des erhaltenen Befehls eingedenk, nach ritterlicher Verbeugung der Thür zuschritt, wendete sie sich ihm noch einmal zu und reichte ihm, bis in die Stirn hinauf erglühend, den kleinen Blumenstrauß von ihrem Kleide.
„Nein, Herr von Plothow, und es war wohl recht thöricht, was ich da soeben sagte. Aber meine arme Mutter hat mir oft erzählt, wie viel Herzeleid sie während der schlesischen Feldzüge erduldet, wenn zuweilen! wochenlang keine Nachricht vom Vater kam. Und wie jung ich auch damals war, erinnere ich mich doch deutlich des traurigen Tages, da wir die Kunde von seiner schweren Verwundung erhielten. Ich sah ihre Thränen fließen,' während sie mich lehrte, für seine Genesung zu beten. Und ich bin gewiß, daß sie viel länger auf Erden geweilt hätte, wenn ihre Gesundheit nicht durch, jene Aufregungen und Kümmernisse untergraben worden wäre. Damals habe ich gelernt, den Krieg zu hassen. Sollte ich ihn jetzt lieben, da ich an mir selbst erfahren werde, was ich! einst meine geliebte Mutter leiden sah?"
„Wohl kann Ihnen den Schmerz der kurzen Trennung niemand ersparen, Fräulein Elisabeth, doch als ein rechtes Soldatenkind werden Sie ihn tapfer überwinden.
*?äre vermessen, wenn ich! mich Ihnen für die glück- I „Legen Sie' eine von diesen Rosen' in Ihr Taschen- liche Heimkehr Ihres Herrn Vaters verbürgen wollte; denn I buch, Herr von Plothow! Sie sollen Sie daran erinnern “P r?t.£e”en allein in Gottes Hand. Das aber kann | daß Sie mir versprochen haben, meinen Vater zu be- ich ^hnen versprechen, daß mein Arm ihn beschützen soll, I schützen, und daran, daß Sie selbst die Gefahr nicht mut- wo immer es mir vergönnt ist, an seiner Seite zu fechten. I willig aufsuchen dürfen, weil —weil es hier in der Heimat Nicht zum zweiten Male soll ihn ein feindlicher Säbelhieb I doch jemand giebt, der um Ihr Leben zittert" eiaenen Leibe lu^AKraft genug habe, ihn mit meinem Er nahm die Blumen und drückte sie an seine Lippen.
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Herzen hoffen, daß es solcher Aufopferung nicht bedarf. „Nnntrageich j nen WntZ'l m LZ w Es wäre mir ein schrecklicher Gedanke, meinen Vater um mich beschirmt" Talisman auf dem Herzen, der
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Soldatentod. Und wenn es mir beschteden ist, in dieser I iKortseknna fnlnt ’i
Kampagne zu bleiben, wird darum hier in der Heimat • (Fortsetzung folgt.)
kerne Zähre fließen. Ich habe weder Eltern noch Geschwister, und ich lasse keinen zurück, dem's sonderlich zu Herzen ginge, wenn ich eines Tages unter den Gefallenen wäre. Da stirbt sich's, wie ich denke, nicht
Da stirbt sich's, wie ich! denke, nicht I Von Rudolf Kars.
__ ,I Nachdruck verboten.
Es schien, als ob ste ihm etwas entgegnen wollte, I So unbedeutend auch jeder von diesen drei Geqen- aber noch ehe sie das erste Wort gesprochen, brachen ihre I ständen im einzelnen ist, so wichtig sind sie doch, insgesamt, Thränen unaufhaltsam hervor, und sie wendete sich \ als die unentbehrlichen Nähreauisiten unserer verehrten hastig üb, das Spitzentuchlein an die Augen gepreßt. I Leserinnen. Auch, sie haben ihre Geschichte. Die Nadel ist Bestürzt trat der Leutnant aus ste zu und neigte sich zu I uralt. Die ältesten Nadeln waren jedenfalls aus Knochen ihr herab. I gefertigt und noch bis in die spätere Zeit hinein qebräuch?
tt „ tchl?n, was ist ^hnen? Wenn ich etwas lich, wie dies in den Höhlen der fränkischen Schweiz crn^
schotes gesagt habe — Doch ste schüttelte energisch I gefundene Nadeln zeigen, deren Form noch nach Jahr- das Köpfchen. | tausenden Geltung hatte. Ob man gleich zu Anfang an
< _ 'Mem nein! Aber es thut mir so weh, daß Sie - ein Oehr gedacht hat, steht dahin. Viele jener Nadeln zeigen
daß Sw glauben können, es wurde hier niemand um I nur am oberen stärkeren Ende eine Einkerbung, vielleicht
Lie weinen. 3 I um das Abgleiten des umgelegten Fadens zu verhindern;
beiiio pr11 bven noch I aber man hat auch Nadeln mit einem und zwei Oehren
It-in rch Sie recht, Frau- I am oberen Ende gefunden, sowie eine, bei welcher das Oehr
trauernd An “S- “’S Emen Tod be- in der Mitte liegt. Die Kulturgeschichte giebt uns keine
tooIIten Ste mu: doch Auskunft darüber, wann die erste Nähnadel aus Eisen ent- sogar^hre Achtung versagen standen ist. Aber als man anfing, Metalle zu verarbeiten,
" ’ a dumm und kindisch , schluchzte ste. I ließ auch die bronzene Nähnadel nicht auf sich warhen.


