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seitdem so schwer auf der Seele gelegen hat, sch gebe es Ihnen hiermit zurück." ,

»Wie? Ist das nun wirklich Ihr Ernst, Fräulein Charlotte? Sie fordern also nicht mehr von mir, daß ich mich um die Hand des Fräuleins von Marschall be­werbe?"

Nein, ganz und gar nicht. Ich bin nämlich inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, daß ich mich dennoch ge­irrt habe. Elisabeth hat Sie gern, gewiß! sehr gern sogar: heiraten aber heiraten würde sie Sie doch wahrschein­lich nicht. "

Aber das ist ja prächtig. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie unmenschlich ich mich darüber freue. Und Sie sind eigens deshalb herausgekommen, mir dch erlösende Botschaft zu bringen? Wie gut das von Ihnen ist, Fräu­lein Charlotte!"

Es war doch meine Pflicht", log sie mit einiger Befangenheit,da ich sah, wie viel Sorge Ihnen Ihre leichtfertige Zusage machte. Und nun, da ich mich dieser Pflicht entledigt habe, wünsche ich Ihnen von Herzen eine gute Nacht."

So schnell wollen Sie mich lvieder verlassen ?Jch habe ja noch kaum Zeit gehabt. Ihnen zu danken. Und dann muß ich mich doch auch noch von dem unverdienten Vorwurf reinigen, den Sie heute abend gegen mich er­hoben."

In steigender Verlegenheit senkte Charlotte den Kopf.

Ein Vorwurf? Ich weiß wirklich nicht, Herr von Kapnist

O, Sie können es noch nicht vergessen haben. Es war bei unserer Begegnung an der Treppe. Sie hatten mich erst so freundlich über mein Mißgeschick mit diesem verwünschten Major Sixtus getröstet, und dann, als ich Ihnen vertrauensvoll erzählte, wie sonderbar es mir nachts zuvor am Biwakfeuer mit meinen Gedanken ergangen war, da fügten Sie"

Ja, ja, ich weiß schon, ich erinnere mich jetzt. Und 'Sie brauchen sich nicht erst zu rechtfertigen. Ich ich nehme es zurück."

Fräulein Charlotte mein liebes Fräulein! Sie sind mir also wahrhaftig nicht mehr böse, weil ichs mir nun einmal, selbst beim allerbesten Willen nicht vorstellen kann, daß ich mit einem anderen weibischen Wesen glück­lich sein"

Wir wollen ein andermal weiter darüber sprechen ja? Es ist jetzt wirklich die höchste Zeit, daß ich ins Haus zurückkehre. Denken Sie nur, Herr Leutnant, wenn meine Mutter zufällig aufwachte und fände mein Zimmer leer."

O, dies einzige kleine Wörtchen können Sie mir immer noch sagen. Dazu ist Zeit genug, selbst wenn Sie mir Ihre liebe Gesellschaft nicht länger schenken dürfen. Ich habe Sie immer lieb gehabt, Fräulein Charlotte, glauben Sie es mir! Schon in Küstrin, damals habe ich es nur noch nicht so recht gewußt. Mein Gott, ich war eben ein unerfahrener Knabe. Aber seitdem ich Sie hier in Lasdehnen wiedergesehen habe, und seitdem Sie mich mit aller Gewalt zwingen wollten, Ihre Base zu heiraten, seitdem weiß ich es ganz bestimmt. Und es ist, bei meiner Ehre, keine Kinderei wie damals, wenn ich Sie frage, ob Sie mir nicht auch ein wenig, ein ganz klein wenig gut sein könnten."

Sie standen wieder an der kleinen Pforte, durch die nach des Leutnants Ueberzeugung inzwischen kein Mensch heraus- oder hereingekommen fein konnte, und das Be­wußtsein des Betruges, den sie um heiligerer Pflichten willen gegen diesen braven, arglosen Menschen hatte be-. gehen müssen, lastete schwer auf Charlottens jungem Herzen. Eine kleine Weile schaute sie schweigend vor sich hin, dann aber hob sie entschlossen den Kopf und sagte freimütig:Ja, Herr von Kapnist, ich bin Ihnen gut, aufrichtig gut. Aber väj, verdiene es nicht, daß Sie mich lieb haben. Wenigstens werden Sie selbst morgen oder übermorgen, oder wenn Sie alles erfahren haben, so von mir denken. Und darum soll es vorläufig sein, als ob dies alles zwischen uns nicht gesprochen "worden wäre. Erst wenn Sie alles wissen, erst dann mögen Sie es

wiederholen, vorausgesetzt, daß Sie auch dann noch Lust dazu haben."

Nun hätte der arme Leutnant, der so grausam zwischen Himmel und Hölle in der Schwebe bleiben sollte, um alles in der Welt wenigstens eine kleine Andeutung darüber haben mögen, was er denn nun eigentlich morgen oder übermorgen so Schreckliches erfahren sollte; aber Charlotte beantwortete sein inständiges Drängen mit einem entschiedenen Nein, und nachdem sie ihm nur noch ge­stattet hatte, ihr eilig die Hand zu küssen, huschte sie davon.

Die Nacht auf Lasdehnen verlief in vollkommener Ruhe. Keiner der Wachtposten hatte irgend etwas Ver­dächtiges bemerkt, und der Leutnant von Kapnist hätte seinen Kops dafür verpfändet, daß diesmal kein Verräter den von ihm bewachten Hof verlassen habe. Schon vor Tagesanbruch wurde auf seinen Befehl Reveille geblasen und alsbald auch das Signal zum Satteln gegeben. Der junge Offizier hegte wenig Hoffnung, daß es ihm vor­dem frühzeitigen Aufbruch noch vergönnt sein werde, die Damen des Hauses zu begrüßen, und er war um so mehr überrascht, als er beim Verlassen des Zimmers, in welchem er hastig seine Morgentoilette gemacht, Elisabeth von Marschall begegnete. Sie trug das nämliche Kleid wie am verflossenen Abend, und ihr Aussehen war wohl ge­eignet, die Vermutung zu unterstützen, daß sie es in­zwischen noch gar nicht abgelegt habe.

, Sie fragte den Leutnant mit einem müden Lächeln, dessen schmerzlicher Ausdruck den jungen Offizier eigen­tümlich berührte, ob er denn in der Nacht den Spion von Lasdehnen dingfest gemacht habe, und da er in seiner treuherzigen Weise verneinte, fügte sie hinzu:Wie ich sehe, sind Sie schon wieder gerüstet, und auch Ihre Leute machen sich zum Abreiten fertig. Könnten Sie sich nicht, da der Major Sixtus doch nun einmal über die Grenze ist, etwas mehr Ruhe gönnen?"

Nein, meine Gnädigste! Für den heutigen . Tag habe ich von meinem Oberstwachtmeister ganz bestimmte Befehle, und nach den Ordres, die ich einmal erhalten habe, muß ich verfahren."

So darf ich Sie allerdings nicht zu meinem be­scheidenen Frühstück einladen; denn der Dienst geht allem anderen voran. Nur eine Bitte möchte ich noch an Sie richten. Dem verwundeten Diener des Baron Botukow geht es, wie ich glaube, sehr schlecht, und ich hätte ihn gern in einem helleren und luftigeren Zimmer unter­gebracht.. Ihre Soldaten aber verstehen sich auf den Transport eines Verwundeten wohl besser als meine Leute. Würden Sie darum vielleicht die Güte haben, mir einige von ihnen für diese Dienstleistung zur Verfügung zu stellen?" ' ;

Herr von Kapnist erklärte sich natürlich sofort dazu bereit, und unter seiner eigenen Aufsicht wurde der noch immer besinnungslose Mann in das erste Stockwerk hinaufgetragen, wo Elisabeth das beste der vorhandenen Zimmer für ihn hergerichtet hatte. Die Hoffnung des Leutnants, daß während dessen vielleicht auch Fräulein Charlotte schon sichtbar werden würde, erfüllte sich zu seinem Bedauern nicht, und nach einer sehr artigen Ver­abschiedung von der Herrin des Hauses, die seinen Dank für die empfangene Gastfreundschaft in augenfälliger Ver­legenheit abgelehnt hatte, ritt er mit seinen .Kürassieren davon.

Eine Stunde später erst öffnete die Wirtschafterin, die dem verwundeten Jakubeit gutmütig eine Er­quickung bringen wollte, die Thür des Gelasses, darinnen man ihn, gestern gebettet. Ihr entsetztes Geschrei rief alsbald die halbe Bewohnerschaft des Gutes zusaminen, und selbst den abgehärtetsten Männern erstarrte das Blut bei dem schauerlichen Anblick, der sich ihnen in dem kleinen Raum bot.

Zu unterst auf dem blutüberströmten Fußboden lag der Verwalter Wülfing mit gespaltenem Schädel, aus dem die Gehirnmasse hervorgequollen war. lieber ihn aber war die lange, abgezehrte Gestalt des toten Mörders hingestreckt, dessen sehnige Linke noch den Stiel der Axt umklammert hielt, mit der er im letzten Aufflackern seiner