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gnachmittag. n, Direktor Zeichnungen r. 8. 1901. von B. G.
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Gieße«.
(Nachdruck verboten.)
Unter dem Schwerte der Themis.
Roman von Reinhold Ortmann.'
(Fortsetzung.)
Es war eine sehr schwache Hoffnung, gewiß nicht danach augethan, wohlthätigen Trostesbalsam in Margaretens blutendes Herz zu gießen; aber was der Inhalt ihrer Worte wohl kaum fertig gebracht hätte, das gelang dem seelenvollen Ton der Mutterliebe, der in ihnen zitterte. Margarete richtete sich'auf, umschlang die Mutter mit beiden Armen und brach in einen Strom erlösender Thränen aus.
„Wie schlecht bin ich gegen ihn gewesen, Mutter! Ach, ihr wißt es ja gar nicht, lvie schlecht ■ ich gegen ihn gewesen bin!"
Sanft und leise sprach Frau RNthärdt auf die Weinende ein. ■ Als wäre ihr das Herzensgeheimnis, das sich hier so überraschend offenbart hatte, etwas längst Bekanntes gewesen, that sie keine Frage und äußerte kein Befremden, sondern versuchte nur, die herben Selbstanklagen zu be- schwichtigen, mit denen sich Margarete unaufhörlich marterte.
„Und Du hörst ja, daß er Dir gar Nicht zürnt", sagte sie zuletzt. „Würde er denn Deinem Vater einen Gruß für Dich, aufgetragen haben, wenn er Dir nicht alles verziehen hätte, womit Du ihn gekränkt zu haben glaubst?" ,
„Er hat mir diesen Gruß gesandt weil er zu groß- wütig war, mich mit der schrecklichen Last auf dem! Gewissen zurückzulassen. Aber er wird darum doch mit dem Gedanken sterben, daß ich, ein oberflächliches, herzloses Geschöpf bin. Es kann ja gar nicht anderes sein — er muß mich verachten."
Es war unmöglich, diese Ueberzeugung in ihr zu erschüttern. Sie hörte den gutgemeinten Ueberredungs- Persuchen ihrer Mutter wohl noch eine Weile still zu, dann
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Aleibe nicht am Boden heften, Frisch gewagt und frisch hinaus! Kopf und Arm mit heitern Kräften,
Ueberall sind sie zu Haus;
Wo wir uns der Sonne freuen, Sind wir jede Sorge los, Daß wir uns in ihr zerstreuen, Darum ist die Welt so groß.
Goethe, Wanderlied.
aber wandte sie sich plötzlich mit einem Ausdruck von Entschlossenheit, der fast befremdlich erschien im Vergleich mit ihrem bisherigen Benehmen, dem Doktor zu.
„Sage mir, Vater, wie lange er nach Deiner Meinung noch zu leben hat. Hältst Du es für möglich, daß er — daß er noch heute sterben könnte?"
Der Arzt zauderte ein wenig, dann aber erwiderte er in einem Ton, der seine ganze Hoffnungslosigkeit erkennen ließ: „Ich möchte nichts prophezeien, aber ich halte es allerdings für wahrfcheinlich, daß er den Abend nicht mehr erleben wird. Schon gegen Morgen waren die Anzeichen von Herzschwäche ein paarmal so bedrohlich, daß ich seine Eltern auf das Aeußerste gefaßt machen mußte."
„Und wann wirst Du wieder zu ihm gehen?"
„Sobald ich meine Sprechstunde abgehalten und die allernotwendigsten Besuche gemacht habe. Es sind leider augenblicklich recht viele, die mit Sehnsucht auf mich warten, und ich kann sie wegen des armen jungen Kollegen nicht im Stich lassen, wie gerne ich auch bis zum letzten Augenblick bei ihm bleiben möchte. Natürlich wird man nach mir schicken, wenn man den Eindruck gewinnt, daß das Ende unmittelbar bevorstehen könnte."
Margarete hatte keine weitere Frage. Scheinbar gefaßt nahm sie ihre häuslichen Obliegenheiten wieder auf, indem sie das Kaffeegeschirr zusammenstellte und es hinaus trug. Mit einem kummervollen Blick sah ihr die Mutter nach. —
„Das arme, arme Kind!" klagte sie. „Ich glaube, sie selber ist erst jetzt inne geworden, daß sie ihn lieb hat. Und nun zu denken, daß sie ihn Wohl nie mehr lebsnd Wiedersehen wird — es ist wahrhaftig kein Wunder, daß ihr das Herz darüber brechen möchte."
Sie schickte sich an, dem jungen Mädchen zu folgen; aber der Doktor hielt sie noch zurück.
„Wenn es so ist, solltest Du sie nm so weniger mit den Aeußerungen Deiner Teilnahme quälen. Das muß ausbluten, und sie wird am ehesten damit fertig werden, wenn wir sie ganz sich selbst überlassen- Denn sie ist im Grunde eine starke und tapfere Natur."
Siebentes Kapitel.
Wohl war Margarete sogleich in ihr Zimmer hinaufgegangen, nachdem sie das Kaffegeschirr in die Küche getragen hatte, aber die Vermutung der Mutter, daß sie sich dort eingeschlossen hätte, um ungestört ihren Kummer auszuweinen, war eine irrige. Das junge Mäd- chen vertauschte vielmehr den leichten Morgenrock sofort mit 'einem einfachen dunklen Straßenkleide, wusch sich die Augen mit kaltem Wasser, um die verräterischen Thränenspuren zu tilgen, und ging dann leise die Trepne wieder hinab. '


