(Nachdruck verboten.)

Geächtet.

Roman von LotharBrenkendorf.

(Fortsetzung.)

Dreizehntes Kapitel.

Ihre Pflichten als Wirtin gestatteten der unglück­lichen Schlostherrin von Lasdehnen nicht lange, sich in der Einsamkeit ihres Zimmers den schmerzlichen Ge­danken hinzugeben, mit denen die grausame Vereitelung ihrer Hoffnung sie erfüllt hatte.

Selbst wenn ihr der Offizier ein völlig Fremder geivesen wäre, hätte sie es als ein selbstverständliches Gebot der Höflichkeit ansehen müssen, ihm einen Platz an ihrer Tafel einzuräumen, und bei ihren freundschaft­lichen Beziehungen zu dem Leutnant von Kapnist ließ sich dies vollends unter keinen Umständen vermeiden. Zu früher Stunde schpn, wie es auf dem Lande üblich ist, traf Man wieder im Speisezimmer zusammen, und Herr von Kapnist fand sein Gedeck zwischen denen Elisa­beths und der Frau von Menzelius, die ihm von allen Bewohnern des Schlosses wohl die herzlichste Begrüßung hatte zu teil werden lassen. Da er nicht wußte, daß diese Anordnung der Plätze eine eigenmächtige Handlung Char­lottens war, erblickte er darin eine neue Auszeichnung von feiten des Fräuleins von Marschall, und bemühte sich nach Kräften, ihr durch allerlei ritterlich^ Galanterien seine Dankbarkeit dafür an den Tag zu legen. Vielleicht wäre sein Eifer, sich als geistreicher und unterhaltender Gesellschafter zu zeigen, von besserem Erfolge gekrönt ge­wesen, wenn ihn nicht Charlottens blasses Gesichtchen, ihre trübe blickenden Augen, und ihre auffällige Schweigsam­keit gar zu sehr beirrt und um einen wesentlichen Teil seiner guten Laune gebracht hätten. Auch von feiten Eli­sabeths meinte er jetzt weniger liebenswürdiges Entgegen- kominen zu finden, als vorhin beim Empfange, und so geschah es, daß das Gespräch bedenklich ins Stocken geraten war, als gegen Ende der einfachen Abendmahlzeit der Verwalter erschien, um wegen einiger Anordnungen, die für den nächsten Tag zu treffen wären, die Befehle seiner

'noU 'fcjASSg.n.

g 1900.

d*Ä

f lles sei richt, was du thusi! doch dabei laß es bewenden, Freund, und enthalte dich ja, alles, was recht ist, zu thun: Wahrem Eiser genügt, daß das Vorhand'ne vollkommen Sei, der falsche will stets: daß das Vollkommene sei!

Schiller.

jungen Herrin einzuholen. Elisabeth beeilte sich, ihn ab­zufertigen; Frau von Menzelius aber mochte fich von der Gesellschaft des redegewandten Wülfing eine wünschens­werte Aufbesserung der Stimmung versprechen, und sie lud ihn deshalb aus eigener Machtvollkominenheit zum Verweilen ein. Der Verwalter hatte solche Aufforder­ungen bis dahin stets bescheiden abgelehnt; heute aber besann er sich zu Elisabeths unwilligem Erstaunen nicht, sie anzunehmen, und schon nach Verlauf weniger Minuten war er in lebhaftem' Gespräch mit dem Offizier.

Er hatte mit der Bemerkung begonnen, daß auch ihm schon allerlei Gerüchte von dem Aufenthalt bewaffneter Banden im weiteren Umkreise von Lasdehnen zu Ohren gekommen seien. Da der Leutnant dieses Thema natür­lich sehr bereitwillig aufgriff, machte er im weiteren Ver­lauf der Unterhaltung über den vermutlichen Schlupf­winkel des Majors Sixtus noch allerlei Andeutungen, die Elisabeth fast um ihre ohnedies nur mühsam behauptete Fassung brachten, da sie der Wahrheit nur zu nahe kamen. Wenn Kapnist die Fingerzeige zu nutzen wußte, die ihm hier zu teil wurden, so mußte es ihm ein leichtes sein, den Major aufzufinden und ihn, falls jener nicht vorher gewarnt worden war, mit seiner an Kopfzahl, Bewaffnung und Kampffähigkeit weitaus überlegenen Schar zu über­rumpeln. Der Leutnant sah sich denn auch im Geiste bereits am Ziel seiner ehrgeizigen Wünsche und erklärte, daß er noch vor Tagesanbruch mit seinen Kürassieren nach dem sogenannten Totendorfe ausrücken würde. Den Führer, den ihm der Verwalter zuvorkommend anbot, nahm er Mit großem Danke an und versicherte, daß er in seinem Bericht nicht unterlassen werde, die wirksame Unterstützung zu rühmen, die seinem Vorhaben hier auf Lasdehnen zu teil geworden sei.

Wissen Sie auch, meine Damen, daß man sich von diesem Major Sixtus in der Armee eine höchst romantische Geschichte erzählt?" wandte er sich jetzt wieder sehr wohlgelaunt an Elisabeth und Charlotte, um sie für die Vernachlässigung zu entschädigen, deren er sich in seinem Eifer während der letzten Minuten gegen sie schuldig gemacht hatte.Vermutlich ist es ein Märchen; aber wenn auch nur ein kleiner Teil davon auf Wahrheit beruhte, so wünschte ich dem Manne von Herzen, er fiele morgen durch eine ehrliche Pistolenkugel oder durch einen Säbelhieb, statt wie ein gemeiner Strauchdieb hängen zu müssen".

Elisabeth fühlte sich bei all ihrer Tapferkeit nicht stark genug, etwas zu erwidern, Frau von Menzelius aber fragte neugierig:Eine romantische Geschichte? Ah, die müssen Sie uns erzählen, Herr von Kapnist!"

Die Einzelheiten sind mir leider zum Teil aus dem Gedächtnis entschwunden, und der Name des jungen Edel-