Sonntag den 27. August
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Zum 150. Geburtstage Goethes.
Ein Gedenkblatt zum 28. August 1899.
Unaufhaltsam rollt das Rad der Zeit, Rastlos steigt die Sonne auf und nieder lieber Eidenlust und Erdenleid! . . Still verhallen Kampflärm, Völkerstreit, Friedensglocken, Preis- und Jubellieder/ Bald vergessen haben, die da kamen, Zu der Väter Zeit gepriesene Namen!
Lorbeer welkt, und Ruhm verrauscht im Wind! . . . Wenig Sterblichen nur ist's beschieden, Fortzuleben, ob die Zeit auch rinnt Und der Faden reißt, den Klotho spinnt,Z Mächtig ragend gleich den Pyramiden Aus dem Trümmermeer verschollner Tage, Hold umgrenzt vom Epheugrün der Sage!
Dir auch, Goethe, ward dies Götterlos! Was Du schufst, lebt fckrt in Millionen. Vor uns steht Dein Bild, titanengroß, Deine Lieder klingen uferlos Um den Erdball, wo nur Deutsche wohnen, Und es Preisen Deiner Welt Gestalten Gleich entzückt die Jungen wie die Alten!j
Jeder lauscht, wenn Egmonts Klärchen singt, Wenn Erlkönig durch den Nebel gleitet;
Wenn sein Schwert der Berltchingen schwingt, Wenn Mephisto in Faust's Zelle dringt Und den Zaubermantel um ihn breitet,- Wenn's den Fischer lockt zum Nixengrunde Und die Sehnsucht klagt aus Mignons Munde! . . .
Deutsches Volk, du ehrst dich selbst zumeist, Wenn du ihm, von Lieb' und Dank durchdrungen, Heute frische Lorbeerreiser weihst!
Denn es hat sein allgewaltger Geist Zur Bewunderung längst die Welt gezwungen, Und so lang noch deutsche Namen schallen, Wird auch «F au st" unh» „Goethe" nicht verhallen!
Alwin Römer.
Zum Mütterchen!
Erinnerungsblatt zur Goethefeier.
28. August 1749—1899.
Von I. Haydn lMannheim).
------- (Nachdruck verboten.)
„Heute vor neunzehn Jahren, — gerade um die Mittagszeit, wurde er uns geschenkt, unser Wolfgang, — wie klopfte da mein Herz voll Freude als Großmutter jubelnd rief:
„Rätin er lebt!" — Und heute — — —!"
Thränen erstickten ihre Stimme, die dunklen, leuchtenden Augen der schlanken Frau blickten traurig, um ien beredten Mund, den so oft der Schalk umspielte, zuckte es wie von verhaltenem Schmerze. —
Mit all' ihr zu Gebote stehender Selbstbeherrschung aß sie von dem Mittagsmahle, an welchem sie mit ihrem Eheherrn und Töchterchen in dem eichenholzgetäfelten Zimmer, in ihrem Hause am großen Hirschgraben zu Frankfurt a. M. saß.
Aber auch dem kaiserlichen Rat Johann Kaspar Goethe, den so leicht nichts aus der Ruhe bringen konnte, merkte .man heute an, daß ihm etwas stark zu Hexzen gegangen 'sein mußte.
„Es wird nicht so schlimm sein", tröstete die achtzehnjährige Kornelia, deren schmales Gesicht mit der hohen Stirne, aus welchem das dunkle Haar straff auffrisiert war, noch bleicher als sonst aussah.
„Unser Wolfgang ist ja noch nie ernstlich krank gewesen, — hat eine gute Natur —"
„Auf die er zu stürmen anfängt!" unterbrach sie der Vater erregt, und mit einem strengen Blick auf seine Frau setzte er hinzu:
„War ja all sein Lebtag ein Muttersöhnchen und solch ein Bürschelchen wird leicht übermütig, wenn er dem Hause entwachsen ist, — ich hätte ihm eben den Brotkorb höher hängen sollen!"
In Frau Katharina Elisabeth's geistvolles Gesicht stieg purpurne Glut, ein etwas spöttisches Lächeln lag auf ihrem schönen Munde, sie sah ihren Gatten nachdenklich an. Sie gedachte seiner strengen Erziehungsmethode, wie er sich damit das Töchterlein entfremdet und ob es nicht auch besser gewesen, wenn er den Wolfgang nicht gar so strenge von der Schule und seinen Altersgenossen fern gehalten, — wenn er auch bei ihm die väterlichen Zügel nicht gar zu straff angespannt hätte. Aber Vorwürfe zu machen, lag nicht in ihrer Art, — deshalb sagte sie begütigend: •
„Du mußt's seiner Jugend zu gut halten, Johann


