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f u find'st in dir die Ruhe nicht,

Den milden Hauch von Gottes Gnaden,

So lang' von deiner Schuld Gewicht,

Du willst ein Teil auf andre laden. Rückert.

Nachdruck verboten.

Schuldig.

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Wollen Sie sich wirklich noch die Kosten machen?" fragte der Baumeister. Der Mann erklärte jedoch mit un­verwüstlichem Gleichmut, das komme schon wieder heraus und bat gleichzeitig den Bankier im voraus um Entschuldigung, wenn er durch den von den Arbeiten unzertrennlichen Lärm gestört werden sollte.

Auf Lärm müsien wir uns ohnehin gefaßt machen, wenn die Häuser abgerissen werden, da kommt's auf mehr oder weniger nicht an," erwiderte gut gelaunt der Bankier. Er erklärte noch später seinem Geschäftspersonal, wie seinen Kindern, die sich wirklich über den im Nachbarhause ent­stehenden Lärm, beklagten, die Ursache desselben. Wahrzu­nehmen vermochte man von den Arbeiten nichts, da der Laden nach der Straße zu fest verschlossen blieb.

Unser provisorischer Nachbar ist ein sonderbares Menschenkind," bemerkte er dabei,ich fürchte, Berlin wird ihm ein teures Pflaster werden."

Die jungen Leute im Kontor erhielten Gelegenheit, sich von der Richtigkeit des Urteils ihres Chefs zu über­zeugen. Der neue Nachbar kam ein paarmal in's Geschäft, um einen Schein zu wechseln und behandelte sie nachher wie alte Freunde. Sie durften nicht an ihm vorübergehen, ohne daß er sie begrüßte und sich eifrig nach ihrem Befinden erkundigte. Man lächelte über den guten Provinzialen und suchte so rasch wie möglich von ihm loszukommen.

Wenn den Kontoristen das Benehmen des Nachbars wunderlich und unbequem vorkam, so fand es dagegen bet den beiden Dienstmädchen und dem Hausdiener des Bankiers eine um jo günstigere Aufnahme. Auch gegen sie entfaltete er die größte Freundlichkeit, ließ keine Gelegenheit vorüber­gehen, um fie in ein Gespräch zu verwickeln und überschüttete sie mit Artigkeiten. Diese wurden denn auch sehr gut aus­

genommen. Der höfliche Nachbar schien außerdordentlich nett", und alle drei standen dem lieben Manne, der so gar nicht stolz war, bereitwillig Rede.

Schäfer lud sie auch wiederholt ein, sich seine Vorräte anzusehen, wo sie zu unglaublich geringen Preisen die schönsten Sachen kaufen könnten, sobald seine Waren nur erst einmal angekommen und ausgepackt sein würden. Durch eine ganz unerhörte Nachlässigkeit des Spediteurs waren sie aber noch immer ausgeblicben und ihm dadurch, wie er klagte, ein großer Schaden zugefügt worden.

Tas ganze Ostergeschäft ist mir verdorben!" äußerte er wiederholt zu der alten Sophie und ihrer Nebendienerin. Kommen die Sachen wirklich noch am Gründonnerstag an, so lohn'ts nicht mehr, denn während der Festtage ist nichts zu machen, die sind höchstens zum Auspacken zu benutzen."

Da haben Sie recht," stimmte sie bei,-ist Ostern schönes Wetter, so bleibt niemand zu Hause. Bei uns fliegt immer das ganze Haus aus, selbst der alte Friedrich fährt dann zu seinen Kindern nach Nauen."

III.

Kommerzienrat Helldorf und Bankier Sommer waren Schulgenossen und hatten später im väterlichen Geschäft des ersteren gemeinschaftlich gelernt. Die Freundschaft zwischen ihnen hatte sich auch im späteren Leben erhalten, obwohl Helldorf zu großem Reichtum gelangt, Sommer in bescheideneren Verhältnissen geblieben war. Der Kommerzien­rat hielt mit anerkennenswerter Standhaftigkeit an dem Jugendgenossen fest und ließ sich auch darin nicht von seiner Frau beirren, welche den Verkehr mit dem kleinen Wechsler, wie sie Sommer nannte, für den Inhaber einer der ersten Firmen der Residenz als nicht standesgemäß erklärte.

Zu den zwischen den beiden Familien obwaltenden Gepflogenheiten gehörte es, daß Sommer mit Sohn und Tochter je .an. einem Tage der drei hohen Feste bei Helldorf das Mittagsmahl einnahm und den Nachmittag und Abend in dessen Hause verlebte.

Auch am zweiten Osterseiertage dieses Jahres war man diesem alten Herkommen treu geblieben.

Obwohl Ostern ziemlich früh, d. h. schon Anfang des April fiel, war es doch ein echtes Frühlingsfest. Warm und glänzend schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel, dos knospende Laub überzog die Bäume mit einem hellen grünen Schein. Froh und glücklich, als ob es gar kein Elend auf dieser Welt gäbe, sahen die Menschen aus, die