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vornehme Mädchengestalt, die in einfaches Schwarz gekleidet war, ohne Ketten und Goldumhänge. Sie unterschied sich in nichts von den andern als durch ihre rührende Schönheit und den tiefen Ernst, der auf dem jungen Gesichte lag. So ging sie an der Spitze der Mädchenschar und trat mit ihnen in die Kirche unter den brausenden Klängen der Orgel,- und glockenhell klang ihr goldener Sopran aus den Stimmen der Genossinnen heraus, wie sie einzogen unter dem Schall des Ehorals, von dem Pfarrer bis zum Altar geführt. Aller Augen lagen auf der edlen Gestalt des Fräuleins von Landring. Die Augen des Majors von Landring, ihres Vaters, der tief zurückgelehnt in seinem Wappenstuhl saß, füllten sich mit Thränen. Ein Blick voll unendlicher Liebe flog aus den Augen seines schönen Kindes hinein in seine Verborgenheit. Die Mutter war nicht mehr bei ihnen. —
Die Augen des Seeoffiziers hingen wie gebannt an der llebltchen und doch so stolzen Gestalt des Mädchens, die nun atS voll aufgeblühte Jungfrau vor ihm stand, und herzliches Erbarmen flutete durch sein Herz.
„Tu liebes, schönes, armes Kind!" zog es ihm durch den Sinn — „was hat man Dir, Du armes, Kind, gethan?"
Jetzt fiel ihr Blick auf den glänzenden, stattlichen Offizier, der, hochaufgerichtet auf den Säbel gestützt, im Stuhl des Kammerherrn stand. Tief neigte er sich vor dem Mädchen, über dessen feines Gesicht leichte Röte flog.
„Möchtest Du Dich nicht setzen?" sagte der Kammerherr leise und kühl! „Dein Stehen fällt auf!"
Der Sabel des Seeoffizieres verhallte laut auf den Fliesen, wie er dem Wunsch zornig nachkam.
Wie eine Rose unter allerhand nahrhaftem Kraut stand Hedwig von Landring da vor dem Altar. Tief neigte sie sich vor dem Segensspruch, und in ihren dunklen, leuchtenden Augen glänzten zwei Thränen, als sie den Blick wieder dorthin wandern ließ, wo der Major mit seinen weißen Haaren saß
Die Feier war zu Ende. Der Zug der jungen Christen ordnete sich. Es wurde unruhig in der Gemeinde. Die Orgel setzte ein. Wlllbrandts Augen folgten Hedwig.
„Ich wünsche nicht, daß Du dem Fräulein von Landring jetzt Deine Glückwünsche darbringst oder überhaupt das Haus aufsuchst", sagte der Kammerherr, den Pelz umhängend.
Der Offizier richtete sich hoch auf und sah dem alten Herrn ins Gesicht, ohne ein Wort zu sagen. Es war ein klarer, fester Seemannsblick aus stahlblauen, energischen Augen. Dann ging er hinter dem Kammerherrn her und draußen vor der Kirche geradeswegs auf Hedwig zu und reichte ihr die Hand vor allem Volk.
„Ich bitte um die Erlaubnis, Ihnen heute in Ihrem Hause meinen Glückwunsch abstatten zu dürfen!" sagte er laut.
Sie sah ihn mit ihren prächtigen, leuchtenden Augen an und legte ihre Hand in seine. „Sie sind uns ja immer willkommen!" Da zog er ritterlich, fest zusammengerafft, die Hand des schlanken Mädchens hoch an seine Lippen: „Auf Wiedersehen!"
In diesem Augenblicke fuhr der Wagen des Kammerherrn ad. Der Seeoffizier grüßte wie vor einer Fürstin vor Hedwig und ging, den Säbel schleppen lassend, gleichmütig hinterher.
Hedwig ging am Arm des Majors dem Hause zu, das sie bald verlassen und anderen lassen sollten. Ein heller Schein lag auf Beider Gesicht.
„Es giebt doch noch Kavaliere!" sagte der Major und sah sein schönes Kind an. —
Eme Stunde später ließ der Oberleutnant zur See von Willbrandt sich bei dem Major von Landring melden.
Bier Hände streckten sich ihm freudig entgegen, und zwei wundervolle Mädchen-Augen boten ihm den Willkomm.
„Wissen Sie aber auch, in was für ein Haus Sie treten?" fragte der Major) „in das Haus eines Verfehmten und Heimatlosen!"
„Wissen Sie denn, wen Sie aufnehmen?" fragte der
Seeosfizicr lachend zurück: „einen Hinausgeworfenen! Wollew Sie mich aufnehmen? Es ging etwas hitzig zu auf de». Schlosse, und ich habe eine Abneigung dagegen, mich schlecht behandeln zu lassen."
„Von Herzen willkommen! Nehmen Sie mit unserer Armut sürlieb!" — Liebreizend stand Hedwig neben de« Vatxr.
Ein einfaches Mahl zu Dreien. Ein geringer Trunks Aber leuchtende Augen. Und herzliches Vertrauen.
„Ich hätte nicht gedacht, daß wir s o feiern würde»!" sagte der M ajor. —
„Herr Major!" sagte der Oberleutnant am Abend zu de« alten Herrn, „der Kammerherr war eben so liebenswürdig, «ir meinen Koffer zu schicken,- wollen Sie mich wirklich behaltend So für 14 Tage?"
Der alte Soldat nickte gedankenvoll: „Wie gern!"
„Mein gnädiges Fräulein, Sie auch?"
Er war aufgestanden und vor Hedwig hingetreten und hielt ihr die Hand hin. Zaghaft legte sie die ihre hinein und sah zu ihm empor.
„Fräulein Hedwig — ich habe Sie drei Jahre lang auf See im Herzen getragen und nur um Ihretwillen kam ich her«. Hier stehe ich, ich kann nicht anders: Wollen Sie mich haben?' Es ist alles wieder in mir aufgewacht und schläft nie wieder ein. Willst Du, Hedwig, Du Holde? Stürmend wie drouße» die See, kommt meine Liebe über Dich —" zitternd stand fie vor ihm. —
Da zog er sie an sich, und ihr junges Haupt lag an seiner Schulter.
„Was sangt Ihr heut' Morgen?" „All Fehd' hat nun ein Ende!" sagte er mit unendlich weicher Stimme- und dann lachte er dröhnend auf und trat, den Arm um sie schlingend,, mit der jungen, reizenden Braut vor den Major, der überwältigt dastand: „Bloß die Fehde mit dem Kammerherrn wird nie ein Ende nehmen. Aber es geht ja auch so!"
Der Major stand in der tiefen Fensternische und blickte hinauf. Da oben stand der volle leuchtende Ostermond und alle Sterne, und Licht lag über der stillen Gotteswelt.
Und in der anderen tiefen Fensternische standen auch zwei und sahen einander in die Augen. Und blendendes Licht lag; auch über ihrer Welt. Mild ging draußen der Frühling, durchs Land. Palmsonntag-Abend I
Vermischtes.
Gesim-Heitsschädiguirgen durch Klavierspiele» vei jungen Mädchen. Wider die Gesundheit der Kinder wird im Hause von den Eltern nicht selten recht schwer gesündigt, namentlich durch das frühzeitige Klaviergeklimper.. Stundenlang müssen die Mädchen in der Schule sitzen, die häuslichen Schulaufgaben zwingen auch noch 1 bis l*/3 Stunde» zu sitzender Thätigkeit, und dann kommen noch die Klavierübungen. Kein Wunder, wenn die Mädchen unter de« Mangel an Körperbewegung leiden. Und namentlich weil die jungen Mädchen allzufrüh und allzu viel zum Klavierspielen angehalten werden, treten nach Waetzhold („Journ. d'hygiöne") bei ihnen ost Bleichsucht und Nervenstörungen auf. Nach den Beobachtungen dieses Fachmannes kom«e» Nervenstörungen weit häufiger bei Mädchen vor, die vor de« zwölften Lebensjahre zum Klavierspielen genötigt wurden, als bei solchen, die damit später beginnen- noch seltener sind sie bei solchen, die überhaupt nicht Klavier spielen. Nach der Ansicht Waetzholds sollte das Klavierspielen den Mädchen erst gestattet werden, wenn sie fünfzehn bis sechzehn Jahre alt geworden, dabei vollkommen gesund sind und besondere Neigung und Talent für Musik zeige«. — Dieser Rat ist sicher beherzigenswert- aber wie wenig Mütter werde« den Mut dazu haben, ihn zu befolgen?
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


