(Nachdruck verboten.)
Die kleine Lulu.
Seeroman von Clark Russell.
(Fortsetzung.)
„Was sollten wir nun mit unferm Schatz beginnen? Darüber hatte ich schon einen Entschluß gefaßt, noch ehe ich die Kisten gesehen hatte, die ihn enthielten. Ich sagte deshalb zu Tommy: wir wollen das Gold vergraben, und wenn wir mit dem Leben davonkommen, müssen wir fest zusammenhalten, immer auf demselben Schiffe segeln und eine Gelegenheit abwarten, es abzuholen und zu teilen. Ich holte eine Bibel aus der Kajüte des Kapitäns und wir schworen auf diese uns gegenseitig zu, das Geheimnis des Schatzes zu hüten, immer zusammenzuhalten, einander niemals untreu zu werden, einen günstigen Moment abzuwarten, wo wir auf einem kleinen Schiffe davon gehen könnten und das Geld unter dem Deckmantel irgeno welcher Fracht, die wir einnehmen könnten, nach England zn bringen. Am nächsten Morgen gingen wir aus, einen paffenden Platz zur Bergung unseres Schatzes zu suchen. Wir wählten das Ende der Buchtung, welches so ziemlich in der Mitte der Insel lag- dort gruben wir ein weites Loch an einem hervorragend großen Kokosnußbaum, welcher, wie ich rechnete, dort noch hundert Jahre stehen konnte. Mit Korallenstücken, Steinen und Felsstücken mauerten wir das Loch aus, so gut wir konnten. Hiermit wollten wir einerseits das Senken des Goldes verhindern, falls einmal eine längere Zeit der Nässe kommen sollte, andererseits ein Einstürzen der Ieitenwände verhüten. Darauf stauten wir die Barren, legten die Beutel oben darauf und füllten die Grube wieder aus. Den Baum betrachteten wir als unser Merkzeichen.
„Einige Tage, nachdem wir diese Arbeit ausgeführt
Lonntag den 14. Mai
1899.
[wirr sh
iK ffljiT
f,*Ä
-.Ä?
Immer mann.
tim alle Welt den Armen läßt Und wenn kein Herz ihm bliebe, Ani ew'gen Himmel stehst du fest, Stern heiliger Mutterliebe!
O Mutterliebe, Sorg' und Treu'! Nie ausgeschöpfte Güte!
Und immer alt und immer neu, Daß dich die Allmacht hüte!
W
hatten, blies ein starker Wind gerade aufs Ufer zu, und die dadurch erzeugte schwere See schlug das wie eingerammt im Sande liegende Schiff in Stücke. Die hierbei aus Ufer geschwemmten Wollballen bildeten an demselben einen förmlichen Wall, aber die meisten Vorräte, welche wir noch an Bord hatten, waren weggespült worden. Dies veranlaßte uns, da es auf der Insel nichts anderes als Kokosnüsse zu essen gab, nunmehr in See zu stechen, ehe unsere Lebensmittel zu Ende gingen. Wir beluden daher das Boot, rüsteten es mit Mast und Segel aus, stießen ab und steuerten nach dem Kernpaß, den wir mitgenommen, direkt nach Nordost. Dieser Kurs, rechneten wir, würde uns nach der Küste von Südamerika bringen, etwas nördlich von Patagonien. Am Abend verloren wir die Insel aus Sicht und wurden von einem Sturm nach Norden verschlagen. Wenn ich das Steuer geführt hätte, würden wir wohl hierbei unseren Untergang gefunden haben, aber Tommy war ein Manu aus Deal, verstand die Sache, und brachte uns glücklich durch,
„So," rief Deacon und that einen langen Atemzug, wobei er mit dem Rücken seiner Hand über feine Stirn fuhr, „nun ist das Geheimnis heraus. Wie es uns im Boote erging, ist für die Sache von keiner Bedeutung, doch will ich dirs's noch kurz erzählen. — Wir wurden ganze vierzehn Tage umhergeworfen, ohne jemals etwas zu erblicken, was einem Segel ähnlich gewesen wäre- das Wasser fing an knapp zu werden, und Tommy wurde krank. Er lag auf dem Boden des Boots und stöhnte eine ganze Nacht hindurch. Gott weiß, was ihm fehlte, aber am nächsten Morgen war er tot. Ich behielt seine Leiche der Gesellschaft halber, bis sie so häßlich wurde, daß ich mich entsetzte, da warf ich sie über Bord. Nun trieb ich umher, ein Spiel der Wogen, bis ich schwächer und schwächer wurde, und es mir kaum mehr gelang, bis zu dem kleinen Wasierfäßchen zu kriechen. Ich glaubte, zu sterben und legte mich nieder, um den Tod wie ein Mann zu erwarten. Das war das letzte, dessen ich mich erinnere, bis ich erwachte und mich an Bord eines Walfischfängers fand, der nach Boston segelte."
Jetzt hielt er inne und beugte sich vor, um mir ins Gesicht zu sehen und zu ersehen, welchen Eindruck seine Geschichte auf mich gemacht habe. Als er dies that, glühten seine Augen vor Aufregung derart, daß es mir ganz unheimlich wurde.
„Das ist allerdings eine merkwürdige Geschichte", sagte ich, und sie erschien mir auch nicht unwahrscheinlich. „So ist also die Skizze, welche du immer zeichnest, die Insel?"


