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«Nun — ich bin froh, daß Du die Sache so leicht nimmst," meinte er, doch der scharfe Zug um den Mund strafte seine Worte Lügen.
Sie antwortete nicht.
„Ich kam, um D-r einen Vorschlag zu machen," begann er nach einer Weile wieder. „Mir ist, wie Du weißt, die Stelle eines technischen Direktors an unserer Fabrik angeboten worden. Nach reiflicher Ueberlegung habe ich beschlossen, sie auszuschlagen. Es wird mir gelingen, anderweitig eine Stellung zu finden, die jedenfalls den Vorzug hätte, uns in eine fremde Umgebung zu versetzen, was Dir wohl auch wünschenswert erscheint."
Er hielt inne. Sie blickte nieder auf ihre verschränkten Hände und erwiderte nichts.
„Der Makel, der nun einmal an Deinem Namen haftet," fuhr er etwas zögernd mit gedämpfter Stimme fort, „läßt sich nicht wegwischen. Das einzige Mittel, ihm zu entgehen, ist, daß wir anderswo in Deutschland unser Heim gründen. Ich habe nichts in Aussicht, aber wenn wir Geduld haben und unsere Ansprüche mäßigen, werden wir bald etwas finden. Bist Du einverstanden?"
„Nein," sagte sie leise, aber bestimmt. „Ich werde die Mutter nicht verlassen und kann das Opfer von Dir nicht annehmen."
„Du mißverstehst mich," unterbrach er sie erschrocken. „Ich mache Dir keine Vorwürfe —"
//Ich weiß — ich weiß," flüsterte sie matt. „Es ist auch nicht die Antwort auf das, was Du mir mitgeteilt hast. Mein Entschluß, Dich um die Auflösung unsrer Verlobung zu bitten, war längst gefaßt. Ich suchte nur eine Passende Gelegenheit — und — es fehlten mir die Kräfte zu einer Aussprache. Ich bin noch so schwach — machen wir nicht viel Worte — gieb mich frei —"
//Nein, Martha," erwiderte er, „das möchte ich nicht. Es wäre nicht ehrenhaft gehandelt. Jedermann würde mich verdammen."
„Die meisten werden Dich ■ nur zu gut verstehen," bemerkte sie ohne Bitterkeit. „Um sich über vieles hinwegzusetzen, müßte man sich viel mehr lieben, wie wir beide es thun. Widersprich mir nicht," setzte sie, seiner Antwort zuvorkommend, schnell hinzu. „Es ist besser, wir sind vollständig aufrichtig."
In Helmuts Jnnerm stritten Großmut und der Rest von Zuneigung, die er noch für seine Braut empfand, mit der Freude, so vieler Unannehmlichkeiten und Widerwärtigkeiten mit einemmale ledig zu sein.
„Gieb mir Deine Hand, Helmut. Laß uns als gute Freunde scheiden. Besser als unser lebelang mit künstlich «ufgcwärmter Empfindung nebeneinander hergehen. Wenn ich Dich sehr liebte, wäre ich vielleicht schwach genug, Dein Opfer anzunehmen. Aber für eine so mattherzige Braut ist der Kaufpreis wahrlich zu hoch."
Er stand zögernd da, die Hand auf die Tischplatte gestützt, den Blick auf den glänzenden Goldreif an seinem Finger gehestet.
Martha streifte ihren Ring ab und legte ihn aus den Tisch.
„Hier," sagte sie sanft. „Und nun noch eine Bitte, die letzte — Was weißt Du über meinen Vater? Ich Möchte endlich klar sehen,- — und ich kann jetzt alles hören."
Er zögerte nicht lange. In der peinlichen Situation empfand er den Wechsel des Gesprächthemas als eine augenblickliche Erleichterung.
Er stimmte ihr zu/ es sei besser, daß sie die volle Wahrheit wisse. Aber sie in Worte zu fügen, war nicht so leicht.
„Dein Vater hat, ehe er sich das--ehe er aus
dem Leben schied, das Vermögen des jungen Schweden durchge — verausgabt."
„Olaf!" schrie Martha. „Und er? Und dann?"
„Und dann?" wiederholte Helmut befremdet. Er verstand die Frage nicht.
„Was that Olaf? Was wurde aus ihm?"
„Ziel gab ihm die Mittel zur Beendigung seiner Studien, und nun steht er auf eigenen Füßen — soviel ich weiß —"
Martha faßte sich an den Kopf. In ihr wogten Gedanken und Gefühle, die sich wie schäumende Wellen überstürzten. Jetzt wurde ihr alles klar: Olafs abschiedsloses Verschwinden. Alles, was er zu ihr gesagt bei dem letzten Wiedersehen. Olaf hatte sie geliebt,- sie hätte glücklich werden können! wenn nicht ihr Vater — wieder ihr Vater — —
Olaf war nicht schlecht, Olaf war edel. Alles was sie zu ihm gesagt, waren Ungerechtigkeiten, zu denen er geschwiegen, großmütig geschwiegen.
Und auch Konrad hatte geschwiegen und hatte gehandelt für sie alle. Aber lieber wäre es ihr gewesen, sie hätte alles früher gewußt, dann wäre die ganze Episode, die jetzt ihren Abschluß fand, ungelebt geblieben.
So wirr stürmten ihr die Gedanken durchs Gehirn, daß sie nur wie im Traume sah, daß Helmut seinen Ring in ihre Hand zurücklegte und langsamen Schrittes aus dem Zimmer ging. (Fortsetzung folgt.)
Vom Monat August.
August 1899.
Der Erntemonat August bringt für Wildbretfreunde eine größere Bereicherung des Speisezettels. Wildenten und Wildgänse, deren Saison bereits im Juli begann, erlangen ihre eigentliche Güte erst nach der Ernte, nachdem sie sich auf den Stoppeln der abgeernteten Felder gütlich gethan und gemästet haben. Das Ende des Monats bringt uns das geschätzteste Federwild, das Feld- oder Rebhuhn. Dieses zierliche, muntere Tierchen hat sich allenthalben die Achtung der Feinschmecker und Wtldliebhaber erworben. Klein aber ausgiebig, zart und doch kräftig, ist sein Fleisch saftig aber nicht fett, besitzt einen eigentümlich balsamtsch bitterlichen Geschmack und ist nicht nur ein köstlicher Bissen für die Tafel der Feinschmecker, sondern auch eine gute und zuträgliche Abwechslung für den Kranken- und Rekonvaleszententisch. Die jungen Rebhühner werden für die Tafel kunstgerecht gespickt, oder mit Speck umwunden, in Weinblatthülle gebraten, auch gedämpft mit Rotkohl oder mit Reis gegeben. In höherem Alter finden sie noch zu Suppen oder Salmt Verwendung. Da das für die Tafel mit Speck und andern pikanten Beigaben zubereitete Rebhuhn für den Magen eines Rekonvaleszenten unzuträglich ist, so wird das junge Huhn gerupft und gesäubert, mit feinem Salz eingerieben, in reichlich heiße Butter gelegt, zuerst auf der Brust und dann auf dem Rücken, unter fleißigem Begießen mit heißer Butter, gebraten. Während des Bratens gieße man nach und nach etwas heißes Wasser an. Sobald es gar ist, entfettet man die Sauce, macht sie mit etwas Kartoffelmehl bündig, kocht eine Messerspitze Liebig's Fleisch-Extrakt, die der Sauce einen köstlichen Wohlgeschmack verleiht, damit durch und giebt diese dazu. Mit Reh-, Rot- und Damwild ist der Markt gut versorgt, da durch das Abernten der Felder, den Schutz des hoben Getreides entbehrend, der Abschuß des heraustretenden Wildes erleichtert ist.
Auf dem Fischmarkt herrscht Sommerstille. Lebende Hechte, sowie Zander und Schleien sind knapp, dagegen sind Forellen für dieses Jahr sehr reichlich. Mit Seefischen werden wir durch unsere Großhandlungen aufs beste versorgt, Krebse bleiben nach wie vor gut und preiswert.
Vorzüglich ist jetzt das junge Geflügel, das sich von den reichen Ernte-Abfällen gut genährt hat. Enten werden im Preise hochgehalten,- Gänse sind aus dem Junggeflügelstadtum heraus, und man findet schon recht gut befleischte feiste Tierchen.


