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plaudert, weun er sich nur den geringsten Vorteil davon verspricht, das Geheimnis aus, wie er seine Genossin damit geängstigt und gehetzt hat. Wir werden Sorge tragen müssen, ihm zuvorzukommen."

Der Kommerzienrat gab nur durch Nicken seine Zu­stimmung zu erkennen,- seine Kraft war erschöpft, er vermochte sich kaum noch aufrecht zu erhalten. Hans reichte ihm den Arm und führte ihn mit liebevoller Sorgfalt aus dem Zimmer, in welchem beide die schwerste Stunde, die einem Menschen beschieden sein kann, durchlebt hatten.

XVI.

Dr. Corbus hatte schon um Mitternacht, mit einem kleinen Handkoffer versehen, vor der Villa des Kommerzien­rates auf der Lauer gestanden. Er hatte seiner Wirtin gesagt, daß er wieder eine kleine Reise vorhabe, was bei der Häufigkeit dieser Vorfälle keine Verwunderung verursachte, nnd war der Meinung gewesen, es sei ihm gelungen, sich unbemerkt zu entfernen. In Wirklichkeit hatte sich dies jedoch anders verhalten. Schon sein Besuch bei der Kommer- zienrätin am Nachmittage war beobachtet worden, und von da an hatte sich, ohne daß er es gewahrt, ein Beamter an seine Fersen geheftet und folgte ihm wie sein Schatten.

Während er unter dem Vordach des Helldorfschen Hauses, gedeckt von den die Gaslaternen tragenden Karyatiden wartend stand, hatte der Kriminalbeamte in dem Säulengange des auf der anderen Seite der Straße gelegenen Hauses Posto gefaßt und beobachtete jede seiner Bewegungen. Seinem scharfen Auge entging es nicht, daß Corbus, je weiter die Zeit vorcückte, immer unruhiger ward.

Und nun bemerkten beide eine Bewegung im Helldorf­schen Hause/ hinter den herabgelassenen Vorhängen wurde Lichtschein wahrnehmbar, Schatten bewegten sich hin und her. Corbus vermochte bald nicht mehr daran zu zweifeln, was diese Erscheinung für ihn zu bedeuten habe.

Verdammt! Sie ist abgefaßt worden!" murmelte er. Nun heißt es für mich so schleunig wie möglich Fersengeld geben,- der nächste Morgen darf mich in Berlin nicht mehr treffen. Schnell nach dem Potsdamer Bahnhof, das ist mir der nächste/ zu einem Fahrschein reicht es ja noch, gleichviel wohin!"

Er wandte sich um und wollte die Bellevuestraße hin­unter nach dem Potsdamer Bahnhof gehen, da vernahm er Schritte hinter sich/ eine Hand legte sich auf seine Schulter, und eine scharfe Stimme raunte ihm leise, aber sehr ver­nehmlich ins Ohr:

Sie find mein Gefangener, folgen Sie mir ohne Auf­sehen." (Fortsetzung folgt.)

Die Hefe.

Von Dr. A. Neuburger.

------- (Nachdruck verboten.)

Kleine Ursachen, große Wirkungen. Ein mikroskopisch kleiner Pilz ist die Hefe, aus einer einzigen Zelle besteht jedes Individuum derselben, und doch, welch große An­zahl von gewerblichen Betrieben, wieviele Zweige der Groß­industrie und der Technik bauen sich anf der Lebensthätig- keit desselben auf! Tausenden und abertausenden von Men­schen gewähren diese Industriezweige eine Existenz, ein Feld der Thätigkeit, und es ist keine Phrase, wenn wir behaupten, daß die Produkte, welche aus dem Lebensprozeß der Hefe sich ergeben, im Leben eines jeden einzelnen Menschen eine Rolle spielen.

Trotzdem die mit diesem Lebensprozeß verbundenen Erscheinungen schon seit undenklichen Zeiten bekannt waren, ist man doch erst im Anfänge dieses Jahrhunderts dazu gelangt, sich über das Wesen der Hefe selbst eine richtige Vorstellung zu bilden. Zwar hatte bereits im Jahre 1680 Leuwenhoek beobachtet, daß die Hefe aus rundlichen Körn­chen bestehe, und Erxleben hatte 1818 der Vermutung Raum

gegeben, die Hefe gehöre zu den Organismen, doch erst 1838 erkannte Cagniard de la Tour, daß dieselbe ein Pilz sei. Seitdem wurde unsere Kenntnis über diesen insbeson­dere durch die Forschungen Liebigs, Pasteurs, Nägelis und Hansens mächtig gefördert.

Heute bezeichnet das WortHefe" einen Gattungs­begriff, unter dem man eine ganze Anzahl von Arten und Rassen zusammenfaßt. Die Hefe, die zur Bereitung des Braunbieres dient, zeigt andere Rassenmerkmale, als die zur Herstellung des Weißbieres verwendete; es gibt ver­schiedene Sorten von Weinhesen,' kurzum, fast jeder Industriezweig, der sich der Hefe bedient, hat auch seine besondere Hefenart. Ihrer Stellung im Reiche der Natur nach gehört die Hefe, wie schon eingangs erwähnt, zu den niedersten Pflanzen: zu den Pilzen, und zwar zu den Sproßpilzen, da sie sich durch Sprossung fortpflanzt. Dies geschieht in der Weise, daß aus einer Hefenzelle, welche ein einfaches, ovales Gebilde ohne jede Organe darstellt, eine zweite kleine Zelle hervorsproßt, die allmählich wächst nnd sich dann von der Mutterzelle loslöst. Aus ihr schießen wieder Sprößlinge hervor, und diese Art der Fortpflanzung ist eine so rasche, daß bei dem Verfahren der Hefereinzucht, auf welches wir noch zurückkommen werden, aus einer ein­zigen Zelle innerhalb weniger Tage Kilogramme von Hefe gewonnen werden können. Die wichtigste und für Industrie und Technik bedeutsamste Eigenschaft der Hefe ist die, daß sie während ihres Lebens- und Fortpslanzungsprozesses Zuckerarten zu zersetzen vermag; die Produkte dieser Zer­setzung sind Alkohol und Kohlensäure, und der Vorgang dieser Zersetzung selbst ist unter dem Namen derGärung" bekannt.

Nur unter ganz besonders günstigen Bedingungen ver­mag die Hefe Zucker zu zersetzen. Hierzu gehört in erster Linie eine geeignete Temperatur, welche je nach der Hefen­art zwischen 15° und 270 C. liegt, sowie eine bestimmte Konzentration der Zuckerlösung, welche nicht zu verdünnt, vor allem aber auch nicht zu konzentriert sein darf. Um unbeabsichtigte Gärungen zu vermeiden, werden deshalb z. B. Konservenfrüchte in ganz starken Zuckerlösungen ein­gekocht. Sind alle Bedingungen gegeben, dann beginnt alsbald die Hefe ihre Thätigkeit. Sie nimmt den Zucker in sich auf, zersetzt ihn in ihren Zellen, und ein lebhaftes Schäumen der Lösung gibt Kunde von der reichlichen Kohlensäure-Entwicklung; damit Hand in Hand geht die Produktion von Alkohol, der ja das berauschende Prinzip allergeistigen" Getränke ist, während die Kohlensäure den angenehmen, prickelnden Geschmack derselben hervor­bringt. Fast sichtbar rasch vermehrt sich hierbei die Hefe selbst, und zwar so lange, bis der wachsende Alkoholgehalt der Flüssigkeit ihrer Fortpflanzung und damit der Zersetzung des Zuckers Einhalt thut; in dem Zeitpunkt, wo ein gewisser Prozentsatz von Alkohol erreicht ist, hört die Gärung von selbst auf.

Es sind vor allem die Bierbrauerei und die Wein­kelterei, welche in ausgedehntestem Maßstabe Hefe verarbeiten. Ich kann auf diese Prozesse hier nicht näher eingehen und nur erwähnen, daß beim Brauereiprozeß der Malzzucker, bei der Bereitung des Weines hingegen der Traubenzucker dem Gärungsprozeß unterliegt. Die entstehende Kohlen­säure entweicht bei beiden zum größten Teile in die Luft, nur ein geringer Anteil derselben bleibt int erzielten Pro­dukte, mit Ausnahme der Schaumweine, die ja sehr reich an Kohlensäure sind. Der Alkoholgehalt schwankt beim Biere zwischen 21/, bis 4*/2 Gewichtsprozenten, beim Weine zwischen 6 und 12 Prozent. Welch ungeheure nationalökonomische Bedeutung der Hefe zukommt, läßt sich schon aus dem Um­stande ermessen, daß im Jahre 1894, dem letzten, von welchem eine amtliche Statistik über diesen Gegenstand vor­liegt, die Bierproduktion in Deutschland 55 Millionen Hektoliter betrug, die Weltproduktion aber belief sich auf 205 Millionen Hektoliter!