83
zu finden verstand. Ihre Worte waren hastig, überstürzt herausgekommen, als ob ihr Geist nicht teil an ihnen hätte, sondern durch anderes beschäftigt sei.
Baron Jobst sah streng und verwundert drein. Die Eindrücke, welche er hier empfing, waren nicht nach seinem Sinn.
Aber seine Verwunderung stieg noch um ein Bedeutendes, als dieser von ihm noch nicht offiziell anerkannte Neffe vorrrat und mit etwas verschleierter Stimme sagte:
„Herr Baron von Trott, Ihr Mündel, Gräfin Hertha zur Lipp-, hat sich mir verlobt, und ich werbe hiermit in aller Form bei Ihnen um die Hand der jungen Dame."
Der alte Herr stand da steif und starr, wie ein Bild von Stein.
Hertha erlangte jetzt ihre Fassung wieder. „Vor allen Dingen setze Dich erst, Onkelchen," rief sie, „ich wußte es wohl, welch ein Schreck Dich packen würde —" sie schob dem alten Herrn einen Sessel hin, nahm ihm Hut und Stock ab, er ließ es schweigend geschehen.
„Mr. White, sagt mir, daß Du ihn kennst," fuhr sie fort, „ich weiß nur, daß er nicht seinen wahren Namen trägt, den sollst Du mir erst nennen. Aber ich liebe Mr. White, so wie er ist, und sein Name ist mir gleichgültig, ob er nun in einer Arbeiterhütte oder einem Fürstenschloß geboren ist. Ich kenne seine Seele, jede Falte darin, und das ist die Hauptsache."
„Du bist eine Enthusiastin, Hertha." Die Worte kamen sehr kalt von den Lippen des Alten und klangen nüchtern in die Hochflut, ihrer Gefühle hinein. „Wie kannst Du Dich einem Fremdling, dessen Geburt, dessen Vergangenheit Du nicht kennst, verbinden wollen?"
Hertha war im Begriff, zu antworten, ihr Verlobter aber faßte fest ihre Hand und bedeutete ihr durch einen Druck, zu schweigen.
„Herr Baron," sagte er in stolzem Ton, „ich würde nie die Liebe eines Weibes annehmen, das ich nicht über mein Vorleben genau unterrichtet hätte. Meine Geburt verschwieg ich ihr, weil — ich Ihnen überlassen wollte, sie. ihr aufzuklären. Wollen Sie das nicht, nun, so bleibe ich Mr. White, und Hertha begnügt sich mit dem Namen und folgt mir, wohin ich sie führe. Soweit meine Kraft reicht, gelobe ich, sie zu schützen, in Liebe und Treue zu ihr zu stehen und für ihr Wohl und Glück mein Leben einzusetzen."
Hertha stand da in atemloser Spannung, ihren Arm fest in den ihres Verlobten geschlungen.
Baron Jobst sah mit einem merkwürdigen Blick auf bie beiden. Dann erhob er sich und stand kerzengerade vor -em Paar.
„Hans von Trott," sagte er feierlich, und seine Stimme zitterte merklich, „Du hast Dir Großes errungen. Ich hätte nicht geglaubt, daß ein Weib so lieben, so blind vertrauen könnte."
„Hans! Hans von Trott!" schrie Hertha auf, und es klang heller Jubel aus ihrem Ton.
(Schluß folgt.)
Vom Monat Februar.
Februar 1899.
Das Wtldgeflügel des deutschen Waldes ist durch die Einbürgerung einer prächtigen chinesischen Fasanenart vermehrt worden. Die Einbürgerung ist zunächst versucht worden in den ausgedehnten Waldmassen, welche der Graf Bal le st rem, unser derzeitiger Reichstags-Präsident, im Kreise Tost-Gleiwitz in Oberschlesien besitzt. In Schlesien, wo der wunderschöne Vogel schon 1897 in einzelnen Exemplaren auf den Markt gebracht wurde, hat sich bereits der Name Ballestrem-Fas an für ihn eingebürgert. Diese .neue Fasanenart, die etwas größer als der bekannte Edel
fasan ist, ähnelt diesem in Körperform und Gefiederschönheit, trägt sich aber stolzer und ist ausgezeichnet durch einen über anderthalb Meter langen, steifen Schweif braunschwarz und weiß gezeichneter Federn, deren Unterseite stellenweise ein eigenartiges Braunrot zeigt. Auch die Henne des Ballestrem- Fasans zeigt sehr kräftigen steiffedrigen Schweifbau in der erwähnten aparten Zeichnung. Brehm, der den nach dem Engländer Reeves wissenschaftlich Phasianus Reevesit getauften Fasan flüchtig skizziert, schlägt für ihn den Namen Königsfasan" vor,- es wäre aber jedenfalls richtiger, den Namen des ersten deutschen Züchters, des Grafen Ballestrem, mit dem ebenso schönen als nützlichen Vogel zu verbinden. Oer Abschuß von Edelfasanen in den schlesischen ifttb böhmischen Fasanerien, in denen der ursprünglich am astatischen Ufer des schwarzen Meeres heimische Edelfasan, der Name stammt von dem Flußnamen „Phasis" her, gezüchtet wird, ergiebt so bedeutende Mengen, daß die Fasanenpreise dauernd niedrig bleiben. Wie vor fünfzig Jahren zahlt man gegenwärtig für den Fasan etwa vier Mark, während der Preis der Hafen, der 1847 auf 12«/a Silbergroschen stand, fich in diesem halben Jahrhundert verdoppelt bis verdreifacht hat. Der Hasenabschuß im verflossenen milden Winter hat für ganz Preußen noch nicht zwei Millionen Stück betragen: 20 pCt. weniger als im Vorjahren.
Für die kalten Büffets der Ball- und Gesellschaftsabende giebt das neue Kochbuch von Elise Hannemann eine vorzügliche Vorschrift zu „Gefülltem Fasan". Dem gut gereinigten Fasan macht man in den Rücken einen Längsschnitt, entknöchelt den Vogel vorsichtig und salzt ihn. 100 Gramm Gänseleber werden dann feingehackt, mit zwei Gelbei und 50 Gramm feingehackten Trüffeln gut gemengt und in den Fasan gefüllt, der dann gut vernäht wird. Der Vogel wird dann in Speckplatten gebunden und mit 50 Gramm Butter in */4 Liter Liebig's Fleischextrakrbrühe gar gebraten. Inzwischen werden vier Blatt weiße Gelatine in 7g Liter Liebig's Fleischextrakrbrühe gelöst und die Lösung in die Bratensauce gegossen. Diese wird, nachdem der Fasan herausgenommen, aufgekocht, mit Citronensaft und Madeira abgeschmeckt und nach dem Erkalten gut entfettet. Der Falan wird auf einer gerösteten Brotscheibe angerichtet und zierlich mit der zu Aspik erstarrten Sauce garniert. Der ungerupfte Kopf und der Schwanz des Fasans werden, von feinem Spitzenpapier umgeben, zum Ausputz verwandt. Kann man den Prachtschwanz eines Ballestrem Fasanen als Garnierung erlangen, so wirkt dieser Ausputz Aufsehen erregend. Uebrigens soll das Fleisch des Ballestrem-Fasanen zarter als das des Edelfasanen sein.
Der Februar zählt zu den Monaten, in denen die Güte des Mastgeflügels am höchsten steht. Besonders gilt das von dem jungen Mastgeflügel der deutschen Zuchtanstalten. Die deutsch- Landwirtschaft zieht leider immer noch aus alter Bequemlichkeit die alten minderwertigen Sorten und überläßt dem Auslände die Zucht von Fleischgeflügel. England liefert riesige Puten, Südfrankreich kolossale Enten, Italien die hühnergroßen Strazza-Tauben usw., nur große Gänse beginnt man im Nordostcn Deutschlands für den Markt zu züchten.
Kehrt der Februar zu der milden Weise des Januar zurück, fo wird er uns schon Suppengrün und die kräftigen salalkräuter der Brunnenkresse und der Bitterkrefle aus dem Freien bescheren. In den Frühbeeten der deutschen Gärtnerei wird der Salat schon feste Köpfe bilden, und die allerersten Frühgemüse werden unsere Tafel zieren- freilich nur wenig billiger als Pariser Treibware, aber durch die Frische weitaus wertvoller.
An Fischen ist der Februar ein guter Monat. Die Bienengewässer liefern die köstliche Aalraupe, Aalmutter oder Quappe, die den unerfahrenen Köchen im Topfe zu Mus zerkocht, unter geschickter Zubereitung aber derFo-elle gleichwertig ist. Ein guter Februarfisch ist der Wels, besonders in Stücken von 4—10 Pfund, und sehr reichlich pflegen


