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des geliebten Kindes sorgend, so wie sie sich ihr im Momente selbst darstellte. Sie raffte von den Geldstücken, die vor ihr auf dem Tische lagen, zusammen, was sie zu greifen vermochte und eilte dem Sohne nach. Im Vorsaale war inzwischen Las Gas verlöscht und die Thür geschloffen worden,- und so stand Leonhard noch immer vor dem Ausgang und suchte nach dem Schlüssel.

Hier, Leonhard, hier!" flüsterte sie, ihm das Geld hinhaltend,und einen anderen Anzug, einen warmen Mantel"

Leonhard begriff nicht gleich.

Nimm, nimm!" drängte sie.Du kannst doch nicht ohne Geld"

Ja," antwortete er wie geistesabwesend.Ich kann doch nicht ohne Geld"

Sie versuchte Licht zu machen, aber die Hände zitterten ihr so stark, daß sie die Zündhölzchen nicht zum brennen brachte. Nun öffnete sie den Kletderschrank, der im Vorsaal stand. Sie hielt gut Ordnung und wußte auch im Dunkeln das Richtige zu finden. Sie packte zusammen, was ihr gerade in die Hände fiel und wickelte alles in eine Reisedecke.

(Fortsetzung folgt.)

Fraumaugen trügen nicht.

Novellette von Dagobert von Gerhardt-Amyntor.

~ (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Hohenstein tritt in einen geschmackvoll eingerichteten Junggesellen-Salon und sieht sich einem mittelgroßen, schlanken Herrn gegenüber, der einen bürgerlichen Hausanzug trägt. Gott sei Dank! denkt er unwillkürlich bei sich, ich bin um eines Hauptes Länge größer als dieser Offizier/ an Körper- krast bin ich ihm zweifellos überlegen.

Habe ich die Ehre, Herrn Grafen von Meerburg . . ?" Der bin ich. Was verschafft mir die Ehre?"

Ich bin der RegierungSrat Dr. von Hohenstein" Der Sprechende hält einen Augenblick inne und prüft den andern mit forschendem Blick/ er glaubt ein Zusammen­schrecken des Grafen bemerkt zu haben, nun fährt er mit schneidender Schärfe fort:und gestatte mir die Frage, wer war die Dame, die Sie vorhin verlassen hat?"

Der Graf erbleicht über die herausfordernde Anmaßung und den Ton der Frage.

Vorhin?" wiederholt er,welche Zeit meinen Sie denn?"

Nun, es ist jetzt bald sechs/ ich möchte also wiffen, wer um fünf Uhr bei Ihnen war".

Um fünf Uhr . . . allerdings ... da habe ich die Ehre eines Damenbesuchs gehabt . . . aber, mein Herr, mit welchem Rechte kümmern Sie sich um meine Privatangelegen­heiten?"

Es hat scharf und gereizt geklungen. Aber gerade aus diesem Klange glaubt Hohenstein die Bestätigung seines furcht- baren Verdachtes, das volle Geständnis des überführten Don Juans herauszuhören.

Mit dem Rechte des . . ." er wollteEhegatten" sagen, über heiße Scham und Empörung ließ ihn dies Wort nicht -über die Zunge bringen/ so zischte er nur die Umkleidung des Wortes hervor:mit dem Rechte des berufensten Ver­treters jener Dame. Wie hieß sie?"

Ich werde Ihnen nie den Namen nennen, mein Wort darauf! UebrigenS verbitte ich mir den Ton, den Sie anzu­schlagen belieben!

Das Blut drang dem Hitzigen zu Kopf. Er war seiner selbst nicht mächtig und knirschte das verhängnisvolle Wort durch die Zähne:

Sie haben sich gar nichts zu verbitten. Wenn Sie Mir Annas Namen nicht nennen wollen, so sind Sie ein . ."

Das Unglück war geschehen. Der unwillkürlich ausge­stoßene NameAnna" bethätigte dem Grafen die Ver­mutung, daß Hohenstein um den Besuch der Gräfin Streit­feld wußte, mit der er, der Herr Ministerialrat, in irgend welcher Weise verwandt sein mochte. Noch wäre eine Auf­klärung möglich gewesen, aber der unvollendete Satzso sind Sie ein . . ." raubte nun auch dem Grafen jede Ueber- legung. Er riß einen an der Wand hängenden Säbel vom Nagel und fragte zitternd:Was bin ich? Vollenden Sie, wenn Sie den Mut dazu haben!"

Mit raschem Griffe hatte Herr von Hohenstein den Säbel des Gegners gefaßt und dem vergeblich Widerstreben­den entwunden.

Ein Feigling sind Sie, wenn Sie mir den Namen der Dame nicht nennen!"

Der Graf Meerburg war leichenfahl geworden.

Den Namen nenne ich nicht, ich gab mein Wort darauf. Für den Feigling werve ich mir blutige Genug- thuung fordern . . ."

Die auch ich mir nehmen werde", fiel ihm Hohenstein ins Wort.Aber glauben Sie nicht, daß ich mich auf ein gewöhnliches Duell einlaffen und den Ruf jener Dame der Oeffentlichkeit preisgeben werde. WaS wir miteinander abzu­machen haben, das soll im geheimen abgemacht werden und der klatschenden Gesellschaft für immer ein Rätsel bleiben. Hier halte ich zwei ungleiche Papterstreifen", er hatte einen Zettel aus der Tasche hervorgeholt und zerriffen wenn Sie den kürzeren ziehen, so haben Sie bis morgen früh um 8 Uhr diese Welt zu verlassen/ ziehen Sie den längeren, so ist es an mir, Platz zu machen. Einer von uns ist zu viel".

Ein amerikanisches Duell", sagte naserümpfend der Graf.

Nennen Sie es, wie Sie wollen", stieß Hohenstein, noch immer sinnlos vor Wut, hervor,ich nenne es ein deutsches. Hier, ziehen Sie, wenn Sie Mut haben!"

Er hielt ihm die geschlossene Faust hin, aus der zwei Papierenden hervorguckten.

Verächtlich lächelte der Graf, indem er seine Hand zu diesem ungewöhnlichen Lotto gelassen ausstreckte.

Ich ziehe, und wenn das Schicksal gerecht waltet, wird es den Wahnsinnigen, der mich ohne jeden Grund hier über­fallen hat, züchtigen".

Er zog den kürzeren Streifen.

Sie sehen, Graf Meerburg, das Schicksal verdammt den Frevler. Sie werden nie wieder den Ruf einer Dame bloßstellen. Morgen früh stehen Sie vor dem ewigen Richter."

Hohenstein wandte sich und verließ ohne weiteren Gruß das Zimmer des Grafen.

* *

*

Am Abende dieses Tages fitzt Herr von Hohenstein seiner jungen Gemahlin am Theetisch gegenüber. Diese reicht ihm die Taffe mit dem heißen, goldgelben Getränk. Ihre Hand zittert leicht.

Was fehlt Dir, Anna? Deine Hand zittert".

Anna hebt das Angesicht und steht ihren Gatten mit besorgt forschendem Blicke an.

Nichts, mein Liebling. Aber Du ... Du bist so ganz anders ... so zerstreut, so in Dich versunken . . an was denkst Du denn? was quält Dich?"

Sie ist aufgestanden und hat sich auf sein Knie gesetzt, indem ihre Hand zärtlich seine Stirn streichelt.

Dem Herrn Gemahl wird ganz seltsam zu Mute.

Anna, steh mir einmal in die Augen".

Gern, mein Liebling. Was haft Du?"

Sie hält seinen bohrenden Blick unbefangen aus.

Warum hat er bisher diese Augen nicht schärfer ge­prüft? Er hat ihre Mienen, ihre Gebärden und Bewegungen belauert, ihre Gedanken zu erraten gesucht, aber nie diese Augensterne studiert.