Sonntag den 8. Januar.
1899.
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MA nd sei die Woche noch so grau;
Von einer Sonntagsfeierstunde
Bleibt wie ein Stückchen Himmelsblau Ein Abglanz dir im Herzensgründe.
Rich. Zoozmann.
Nachdruck verboten.
Gesühnte Schuld.
Roman von Alexander Römer.
(Fortsetzung.)
Unterdessen saß der Majoratsherr auf Trautdorf, Herr Jobst von Trott, der einsame Junggeselle, in seinem geräumigen Studierzimmer, das von seinen hohen Fenstern aus den Ausblick in eine grüne Wald- und Bergeinsamkeit bot.
Das Schloß lag hoch, man schaute auf die Wipfel der kräftigen, schlanken Tannen hinab. Der dichte Wald zog sich die Berglehnen hinan, von grünen Matten, auch Kornfeldern unterbrochen. Jetzt war es Winter, auf Matten und Feldern lag noch die Schneedecke, schwärzlich dunkel stach der Wald dagegen ab.
An das Studierzimmer stieß die Bibliothek. Die schwere eichene, mit schönen Holzschnitzereien versehene Thür zu derselben stand geöffnet, in dem großen, altdeutschen, grünen Kachelofen praffelte ein Holzfeuer.
Der hagere, angehende Sechziger, hatte ein strenges, eingefallenes Gesicht. Er hielt einen Brief in der Hand, den er heute morgen schon zum drittenmale las. Das war etwas sehr Merkwürdiges. Ter Schloßherr lebte einsiedlerisch, er verwaltete sein reiches Besitztum ganz allein und führte eine rege geschäftliche Korrespondenz, die er sehr rasch und gewandt zu erledigen Pflegte. Man nannte ihn den Aktienbaron, denn er besaß ein ungewöhnliches Spekulationsgenie. Er hatte auf seinem großen Besitztum große Fabriken eingerichtet und beteiligte sich auch noch an anderen industriellen Unternehmungen.
Sein Verkehr mit den Standesgenoffen beschränkte sich auf wenige gegenseitige Besuche, einige üppige Herrendiners während der Jagdzeit und ein größeres, dann überaus glanzvoll ausgestatletes Fest im Jahr, zu dem auch die Damen der Aristokratie aus der Umgegend und der benachbarten Garnisonstadt eingeladen wurden.
Was enthielt denn dieser Brief so Besonderes? Er war unterzeichnet: Herbert, Graf zur Lippe, und kam aus Florenz.
Herbert — Graf zur Lippe — der einsame Mann mit dem stark gebleichten Haar hielt den Kopf in die Hand gestützt — der Träger dieses Namens hatte ihm einst schweres Leid zugefügt. Seine ihm anverlobte Braut hatte ihm um jenes willen die Treue gebrochen und war die Gattin dieses Herbert geworden.
Nun war er alt und grau, die Stimmen der Leidenschaften waren verstummt, die Herzen kalt geworden, die Gluten alle erloschen. Sie ruhte lange im kühlen Erdenschoß und er, sein gehaßter Nebenbuhler, lebte seit Jahren mit seinem einzigen Kinde im Ausland.
„Zürnen Sie noch, Jobst?" stand in dem Briefe. „Sahen Sie, der tiefe Denker und grüblerische Philosoph, als welchen Ihre Schriften Sie der Welt darstellen, nicht längst ein, daß Liebe Naturgewalt ist, und daß wir armen Menschen keine Macht über Naturgewalten haben? Hertha liebte mich und wir waren glücklich, Ihrer gedachten wir als eines uns teuren, bedeutenden Menschen, dem nahe zu bleiben, das Schicksal uns verwehrte. Sie standen über uns, was Geist und Charakter anlangte, aber wir waren glücklich und Sie nicht. Mir ist Hertha nie gestorben, sie lebt neben mir in ihrem Kinde fort. Die jetzt achtzehnjährige Hertha ist ihr Ebenbild geworden, äußerlich und innerlich. Ich bin ein kranker Mann, das südliche Klima, in dem ich seit Jahren lebe, heilt meine kranke Lunge nicht, und ich sehe mich um nach einem Schutz sür meine, für Herthas Tochter, wenn ich nicht mehr bin. Dürfen wir zu Ihnen kommen? Wollen Sie uns sehen? Vielleicht erwärmt sich Ihr Herz sür dieses junge, reine Wesen.
„Während ich dies schreibe, ich, der Schwärmer und Idealist, der ich geblieben bin bis heute, stockt meine Feder. Dem nüchternen Gelehrten, dem einsamen Philosophen sage ich das — und doch sende ich die Zeilen ab."
Und über diesem Brief saß der kühle Denker. Es war totenstill um ihn her, niemand sah, niemand störte ihn. Auf einmal erhob er sich, strich das noch volle, graue Haar aus der niedrigen Stirn und trat ans Fenster. In seinen stahlgrauen Augen, deren durchdringender Blick von seinen Untergebenen gesürchtet war, blinkte ein fremder Strahl.
Der Wind rauschte draußen durch die hohen Tanncn- wipsel, von denen es schwer herabtropste. Aus den Drachenköpfen, den Wafferspeiern an den Vorsprüngen der Gesimse, rieselte eintönig das Wasser und floß zu Thal. T eS Schloß-


