1898.
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könnt' ich doch den Streit In der Natur versöhnen, Und zur Verträglichkeit Die Menschen auch gewöhnen!
Daß, wenn ich still versank Und mich in Frieden strecke, Nicht bald ein lauter Zank Und bald ein Sturm mich wecke!
So selten ist der Brust Ein reines Glück beschieden, Und immer stört mit Lust Die Welt den kurzen Frieden.
Rückert.
Felsgarten.
Roman von Clara Bucker.
(Fortsetzung.)
Heinrich wurde das Herz weit bei diesem Anblick.
Die Anderen merkten es nicht. Sie gingen alle Drei zusammen, sprachen von der Gegend und den Ernten, der Aussicht und dem Rundblick, Hilde allein schritt still vorwärts. Aber, wie sie über das Grün sah, wie sie die Stämme hinauf durch die Wipfel blickte, den Horizont abmaß, in ihrem tiefen Ernst seine Wolkenbildung wie Färbung verfolgte, dann sich zu den Vieren umwandte und hell sagte: „Hübsch, nicht wahr?" das blieb ihm unnachahmlich und einzig.
Durch dichten Laubwald ging es bergauf, ein Weg, den Tauchlitz seinen Herzmesser nannte. Er verschmähte die Stufen, die in der Pfadmitte das Steigen erleichtern sollten, während zu ihren beiden Seiten der natürliche, schlüpferige Abhang den Kraxelern geblieben war. Diesen hinauf stieg er stetig, ohne inne zu halten und langte in kaum merklicher Athemnoth oben an.
Ein Wirthshaus nebst Garten lagen dort, und da besonders Hilde rothglühende Bäckchen davongetragen hatte, setzte man sich in eine vom Hause geschützte Halle. Doch erst nachdem die Höhenzüge des Gebirgs, heute in weißlichen Dunst gehüllt, studirt waren, wobei Irmgard alle Namen zu nennen wußte, bis ihr Mann sie in ein warmes Tuch und in die Halle zwang.
Hilde ging neben Wulffen, als sie dem Ehepaare folgten.
„Die Gebirgskämme drüben zu ersteigen und ihre Gipfel erreicht zu. haben, ist fast nichts gegen den Genuß des Abstiegs," plauderte sie zu ihm. „Von Zeit zu Zeit sich umwenden nach den trotzigen Höhen — gerade das giebt unvergleichliche Eindrücke. Jetzt liegt die Sonne hell und gleißend darauf, danach hüllt eine graue, dann eine schwarze Wolke sie in düster erhabene Schatten."
Heinrich hörte nur halb. Die sanfte Dämmerung, die sammetdunklen Wälder um ihn her und neben ihm das holdeste Wesen zu ihm geneigt, störten ihn auf, daß es heiß und zitternd aus seiner Brust in die glühenden Augen, die bebenden Lippen, die hastigen Finger stieg.
„Nur dies, ich bitte," flehte er, den kleinen Schleier fassend, der ihr abgeglitten war.
Hilde wich zurück, griff danach und hörte noch einmal das flehentliche „bitte", daß sie das dünne Gewebe in seiner Hand ließ, aber auch eiligst nach der Halle lief, indeß Heinrich das Ding festhielt, es küßte und verbarg, als sei es die Urkunde über Hildes Besitz selbst.
In der Halle toste es laut und lustig. Eine Gesellschaft von Damen und Herren hatte sich eingefunden und mit ihnen ein lustiges Gewäsch, das Heinrich noch einmal an die eben genossene Stille denken ließ. Hilde saß am Tisch beim Vater, noch rosig vor ihrer Gluth vorher, doch so vertieft in das lebhafte Treiben, daß sie nicht Auge und Ohr zu haben schien für die eigene Gesellschaft. Wie es sich bald merken ließ, verjubelten die Leutchen die Vergnügungskasse ihres Gesangvereins/ aus einer benachbarten kleinen Stadt unternahmen sie im Sommer eine Partie in das naheliegende Gebirge oder wie diesmal nach G. und der Landeskrone.
„Im Winter wirds jedenfalls ein Ball," lächelte Hilde zu Irmgard, die sofort einige Worte über die obskuren Krähwinkler fallen ließ.
„Der Dirigent gefällt mir mit seinen Haaren nach Liszt," gab Tauchlitz hinzu.
„Die schwarzlockige Dame mit den Gluthaugen scheint der Stern ihres Vereins zu sein," sagte Wulffen.
„Möchte sie singen hören," spottete Irmgard.
„Wünsch' es Dir lieber nicht," meinte Hollmann lächelnd, „die Art kennt kein Erbarmen. Uebrigens machen die Ehrenmütter es sich leicht — einzelne Hühnchen schwärmen bereits aus."
„Das abendliche Futter bringt sie wieder zusammen," tröstete Tauchlitz.


