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E>ieb einst entdeckt zu sehen. Erft dann durfte er hoffen, wieder völlig rehabilitirt zu werden, gesellschaftlich und geschäftlich, erst dann würde der furchtbare Alb, der ihm jedes freiere Aufathmen und Regen wehrte, der ihm jede Lebensfreude verkümmerte, von ihm weichen und er durfte wieder zu Jedem die Augen aufschlagen und unter ehrlichen Menschen sich frei bewegen, als ehrlicher Mann. Leider konnte er nichts, gar nichts thun, um diese Hoffnung zu verwirklichen, um dieses Glück, nach dem er sich mit allen Fibern seiner Seele sehnte, herbeizurufen. Geduldig mußte er abwarten, bis Zeit und Zufall es ihm bescheerten.
(Fortsetzung folgt.)
Electrische Fische.
Von Dr. W. Ebing.
------- (Nachdruck verboten.)
KO. Ein sogenannter Weltenbummler erregte vor einiger Zeit bei Sichen in Berlin durch seine Erzählungen über Südamerika nicht geringes Aufsehen bei seiner Tischgesell- schäft. Eines Tages, so erzählte der Vielgereiste, nahm ich mit einem Freunde ein Bad in einem kleinen Nebenflüsse des Amazonenstromes. Wir befanden uns noch in der Nähe des Ufers, hatten noch festen Boden unter den Füßen, da Plötzlich sank mein Freund lautlos unter. Erschrocken eilte ich zu der Stelle, wo er so jäh verschwunden war und holte mit vieler Mühe den anscheinend Leblosen an die Oberfläche und schleppte ihn an das zum Glück nahe Ufer. Im Glauben, daß ihn ein Schlagfluß getroffen habe, begann ich in Ermangelung von andern Mitteln, über die Schenkel über den Kniren fest zu umbinden, als er sich bewegte, die Augen aufschlug und dann nach kurzer Frist sich aufrichlete mit den Worten: „Der Teufel hole das verfl .... Thier!"
Mein Erstaunen legte sich auch dann noch nicht, als er mir erklärte, daß er mit einem mächtigen Zitteraal in Berührung gekommen wäre und dieser ihn durch einen mächtigen Schlag betäubt hätte. Ich muß gestehen, daß Naturgeschichte und zumal die der Fische eine schwache Seite bei mir war. Ich ruhte aber nicht eher, als bis ich über diese Art von Fischen das Nöthige in Erfahrung gebracht hatte und ich genau wußte, daß es drei Arten von electrischen Fischen gebe, von denen der Zitteraal der größte und gefährlichste sei, und daß die Furcht der Eingebornen vor diesem Fische groß und wohlbegründet sei, indem sie oft genug die unheimlich wirkende Kraft derselben empfinden. Kann doch, fuhr der Erzähler fort, in manchen Gewässern wegen der Häufigkeit dieser Thiere gar nicht gebadet werden, und es ist sogar schon vorgekommen, daß man eine Straße, welche das seichte Bett eines Flusses durchquerte, verlegen mußte, weil in dem Flusse die Zitteraale sich so vermehrt hatten, daß alljährlich Viele der durchwatenden Maulthiere durch electrische Schläge getödtet wurden. Jetzt erhob sich von verschiedenen Seiten Murren des Zweifels, selbst des Empörtseins.
Lassen wir den Streit am Biertische auf sich beruhen, und sehen wir zu, was die Wissenschaft sagt, und zwar einer derselben: Alexander von Humboldt. Dieser große Gelehrte schreibt über den Zitteraal wörtlich: „Die Amerikaner hassen den Zitteraal, weil er bei weiten mehr Fische tödtet, als verzehrt. Das Merkwürdigste an ihm ist das Organ, vermittelst dessen er electrische Schläge nach seinem Belieben austheilt. Dasselbe erstreckt sich längs der ganzen Unterseite des Schwanzes und enthält eine Menge kleiner häutiger Zellen, die mit Protoplasma angefüllt sind. Es wäre verwegen, sich den ersten Schlägen eines ungeschwächten und gereizten Zitteraals auszusetzen. Erhält man einen solchen ersten Schlag, so erfolgen furchtbare Betäubungen und Schmerzen. Ich erinnere mich nicht, durch Entladungen einer Leidener Flasche je eine so furchtbare Erschütterung
erlitten zu haben, als die war, da ich unvorsichtiger Weise einst beide Füße über einen Zitteraal legte, der eben aus dem Wasser gezogen war." Die Eingeborenen haben also Recht, wenn sie diesen oft anderthalb Meter langen Feind fürchten und ihn tödten, wo sie nur eben können. Sehr oft wird daher Jagd auf denselben gemacht, und A. von Humboldt beschreibt eine solche in nachfolgender, hochinteressanter Weise: „Die Indianer sagten mir eines Tages, sie wollten den fürchterlichen Aal mittels Pferden fangen. Darauf liefen sie eiligst davon und kamen in kurzer Zeit aus der Steppe zurück, wovon sie ungezähmte Pferde und Maulthiere zusammen getrieben hatten, brachten ihrer etwa dreißig und jagten sie ins Wasser. Der ungewohnte Lärm vom Stampfen der Rosse trieb die Fische aus dem Schlamm hervor und reizte sie zum Angriff. Der Kampf zwischen den so verschiedenen Thieren gab ein höchst malerisches Bild. Die Indianer mit Wurfspeeren und langen, dünnen Rohrstäben stellten sich in dichter Reihe um den Teich, einige bestiegen die Bäume, deren Zweige sich wagerecht über die Wasserfläche breiteten. Durch ihr wildes Geschrei und mit ihren langen Rohren scheuchten sie die Rosse ins Wasser zurück, wenn sie sich ans User flüchten wollten. Die Zitteraale, betäubt vom Lärm, vertheidigten sich durch wiederholte Schläge. Lange schien es, als sollte ihnen der Sieg verbleiben. Mehrere Pferde erlagen den unsichtbaren Streichen, von denen die wesentlichsten Organe allerwärts getroffen wurden. Betäubt von den unaufhörlichen Schlägen, sanken sie unter. Andere, schnaubend, mit gesträubter Mähne, wilde Angst im starren Auge, rafften sich wieder auf und suchten dem um sie tobenden Ungewitter zu entkommen, wurden aber von den Indianern wieder ins Wasser zurückgetrieben.
Einige aber entgingen der Wachsamkeit der Fischer, gewannen das Ufer, strauchelten jedoch bei jedem Schritt und warfen sich in den Sand, zu Tode erschöpft und mit erstarrten Gliedern. Ehe fünf Minuten verflossen, waren drei Pferde ertrunken. Der anderthalb Merer lange Aal drängt sich dem Pferde an den Bauch und giebt ihm nach der Länge seines electrischen Organes einen Schlag, von dem das Herz, die Eingeweide und die Bauchnerven besonders betroffen werden. Derselbe Fisch wirkt so weit stärker auf ein Pferd als auf den Menschen, wenn dieser ihn nur mit der Hand oder dem Fuße berührt. Die Pferde wurden ohne Zweifel nicht todtgeschlagen, sondern nur betäubt, sie ertranken, weil sie sich nicht aufraffen konnten, solange der Kampf zwischen den andern Pferden und den Zitteraalen fortdauerte. Aber allmählig nahm die H>tze des ungleichen Kampfes ab, und die erschöpften Aale zerstreuten sich. Sie bedurften jetzt langer Ruhe und reichlicher Nahrung, um den erlittenen Verlust an galvanischer Kraft wieder zu ersetzen.
Die Indianer versicherten, wenn man Pferde zwei Tage hintereinander in die Lache laufen lasse, welche sehr viele Zitteraale beherbergt, ginge am zweiten Tage kein Pferd mehr zu Grunde. Maulthiere und Pferde verriethen dann weniger Angst, ihre Mähne sträubte sich dann nicht mehr, und ihr Auge blickte ruhiger. Die Aale kamen scheu ans Ufer geschwommen, und hier fing man sie mit kleinen, an langen Stricken befestigten Wurfspeeren. In wenigen Minuten hatten wir fünf große Aale gefangen, die meisten waren nur leicht verletzt."
Soweit Alexander von Humbold. Es ist wunderbar, daß nur Fische mit dieser Art von Waffe ausgerüstet sind und kein anderes Thier der Schöpfung, auch der Mensch nicht. Es ist dieses um so auffallender, als die Fische in einer Flüssigkeit leben, welche der Erregung der künstlichen Electricität so sehr entgegen ist. Und unter den zahlreichen Arten von Fischen kennen wir drei, welche mit dieser Waffe versehen sind. Nach dem Zitteraal ist der Zitterrochen der bekannteste electrische Fisch, der schon den alten Griechen und Römern bekannt war, und welche sich seiner zur Heilung von


