Donnerstag den 7. April
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er Mensch hat nichts so eigen, ’M? So wohl steht ihm nichts an, Als daß er Treu' erzeigen Und Freundschaft halten kann;
Wann er mit seinesgleichen Soll treten in ein Band, Verspricht sich, nicht zu weichen, Mit Herzen, Mund und Hand.
Simon Dach.
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
Frau Göbener lag, als die Kinder und Schwiegersöhne | in das Sterbezimmer traten und sich um das Lager reihten, mit geschlossenen Augen, die auf der Decke ruhenden wachsbleichen Hände bewegten sich leise,- ihr Geist schien, der armen Hülle entrückt, schon in schöneren Gefilden zu weilen xnb ihr einen Strahl des ahnungsvoll erschauten Glückes zuzusenden, denn Angst und Pein waren aus dem Antlitz wie weggewischt, ein stiller Friede breitete sich darauf aus, der immer wahrnehmbarer ward je schwächer ihre Athemzüge wurden, je länger sie aussetzen.
„Mutter, hörst Du uns noch?" fragte Adolf und schob seinen Arm unter den Nacken der Sterbenden. Ein schwaches Lächeln umspielte ihre Lippen, es schien, als wolle sie das Auge noch einmal aufschlagen. Es gelang ihr nicht mehr. Tiefer sank das Haupt, leiser, immer leiser wurden ihre Athemzüge,- endlich vernahm man nichts mehr.
Die müde Dulderin hatte ausgelitten.
Und nun trat doch die Klage in das Recht, das sie an jedem Sterbelager behauptet- die Umstehenden brachen in Thränen aus.
„Weint nicht!" gebot Adolf, der die Augenlider der Todten mit sicherer Hand noch fester zugedrückt hatte. „Weint nicht um die Gestorbene, sondern um die, welche verurtheilt sind, dieses Leben noch weiter zu schleppen."
Am Nachmittag desselben Tages hatte man die Todte aus dem Bette gebracht und bis zur Aufbahrung auf einem mit Tüchern behangenen Lager von Brettern in dem neben dem Sterbezimmer befindlichen Gemach auf den Fußboden gelegt. Abwechselnd hielt einer der Schwiegersöhne Wache
bei ihr, während die Anderen sich zurückgezogen hatten, um, soweit ihnen dies möglich, einen Theil der versäumten Nachtruhe nachzuholen.
„Lege Du Dich jetzt auch nieder," sagte Adolf in's Zimmer tretend zu dem auf einem Lehnstuhl am Fenster sitzenden Büttner- „ich werde Deinen Platz einnehmen."
„Nicht doch, Adolf," entgegnete der etwas beleibte Mann, obwohl er sich nur mit Mühe aufrecht erhielt- „Du bedarfst der Ruhe mehr als ich."
Wäre Bürtner nicht sehr arglos und stark von Müdigkeit umfangen gewesen, so hätte der Ton, in welchem diese Aeußerung gethan wurde, ihm auffallen müssen.
Adolf ergriff ihn bei den Schultern, zog ihn vom Lehnstuhl auf und schob ihn zur Thür hinaus, die er hinter ihm ins Schloß warf. Er blreb stehen bis die schwerfälligen Schritte des die Treppe hinabsteigenden Schwagers verhallt waren, dann schob er den Riegel vor und verwahrte in gleicher Weise die zweite Thür. —
Wenige Minuten später dröhnte ein Knall durch das jetzt todtenstille Haus, dem nach Verlauf einer ganz kurzen Zeit ein zweiter folgte. Unmittelbar darauf wurde es lebendig, Thüren öffneten sich, Stimmen riefen und fragten:
„Was war das?" „Hast Du es auch gehört?" „Es klang wie Donner!" „Nein, wie ein Schuß!"
Der letzten Aeußerung folgte ein lauter Schreckensschrei. Frau Büttner hatte ihn ausgestoßen. „Adolf! Adolf!" rief sie.
„Was willst Du von ihm?" fragte hinzutretend ihr Gatte. „Er hat mich soeben erst hinuntergeschickt und ist bei der Mutter geblieben, er sagte —"
Das blühende Gesicht des Mannes ward aschfahl- Adolfs Worte, die ihm vorher so gleichgiltig ins Ohr geklungen hatten, fielen ihm ein und erhielten eine besondere Bedeutung. Ihm war, als sei plötzlich ein Blitz niedergefahren und habe ihm einen im Dunklen vor ihm gähnenden Abgrund gezeigt.
„Was sagte er?" fragte seine Schwägerin, er antwortete jedoch nicht, sondern lief die Treppe hinan, den Anderen zurufend: „Kommt, kommt, wir müssen sehen, was der Unglückliche angerichtet hat."
Die Thüren waren versperrt und wichen auch nicht den vereinten Anstrengungen der beiden kräftigen Männer. Es mußte eine Axt herbeigeholt werden und es bedurfte einiger recht wuchtiger Hiebe, bevor die schwere Thür aus den Angeln gehoben werden konnte.
Die bange Befürchtung der Harrenden war inzwischen


