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die in irgend einer Abhängigkeit leben, Hinwegsetzen. Sie verstehen mich?"
„Ja, gnädige Frau — meine Trauer ist auch genügend innerlich." ~ _r
Ein großer Porzellanmops war der Fußspitze Ebbas erreichbar, sie strich über den Kopf desselben hin.
„Wegen der Folie! — daß Sie das nicht kränkend zu nehmen haben, sagt Ihnen ja Ihr eigener Spiegel — ich glaube ohnedies keiner einzigen Frau die Behauptung, daß sie nicht eitel wäre. Also, ich hasse Farbendisharmonieen und solche der Gesichter — ich mag nichts Unschönes. Auf diese ernste Regelmäßigkeit Ihrer Züge hin habe ich Sie ja engagirt."
Line Arabin fühlte sich interessirt.
Dies in Reichthum und Lebensgenuß steckende Geschöpf ist von einer Eigenart, die nur aus dem Unbesriedigtsein hervorschießt — glückliche Menschen wachsen sich leicht in die Schablone hinein, dachte sie.
„Und noch eins — ich habe der Dienerschaft strengen Befehl gegeben, Sie Fräulein von Arabin anzureden — halten Sie darauf?"
„Ich gebe nichts auf das „von", mit dem ich in die Dienstbarkeit gezwungen bin, gnädige Frau!"
Ebba warf den Kopf zurück. Sie hatte eine Empfindung, als könne dies schwarze Mädchen ihre Gedanken lesen — und gedacht hatte sie eben, daß es sie amüsiren würde, der geborenen Gräfin Borstrick die Abkömmlingin einer Emigrantenfamilie im Dienste des Hauses Lund zu zeigen.
Ebba trug einen weißseidenen, buntgeblümten Schlafrock mit einer Watteaufalte, die wundervollen Haare hingen, nur von einem Bande zusammengehalten, ihr über die Schulter.
„Ebba," sagte eine Stimme aus dem Nebenzimmer, während die Thür nur wenig geöffnet wurde, „Herr von Wiesenau fragt, ob Du heute reiten willst?"
„Nein."
Eine andere Stimme fuhr fort: „Ja, und Wiesenau bittet, der arme Wiesenau, daß er Ihnen dann wenigstens die Hand küssen darf."
„Kann nicht gestattet werden!"
Ein schmerzliches Ah, nach welchem sich die erste Stimme wieder vernehmen ließ: „Du hast doch aber Jemanden bei Dir, ich hörte sprechen?"
„Das neue Fräulein!"
„Ah!"
Dann trat Herr Conrad Lund ein, die Thür rasch hinter sich zuziehend. Er küßte seiner Frau die Hand, fragte, wie sie geschlafen, und sah dabet nach Jacqueline mit einem fast beleidigenden Erstaunen hinüber — sie erkannte in ihm den Herrn, welcher ihr vorhin begegnet war.
Ebba zeigte ihm eine winzige Taffe, die sie gestern erstanden.
„Deine Acquisitionen sind immer bewunderungswürdig," sagte er, und seine Blicke suchten wieder die schlanke Mädchengestalt.
„Ja, die Kinder," meinte er, „ich habe sie lange nicht gesehen — wie geht es Ihnen eigentlich?"
„Sie sind natürlich unfreundlich gegen Fräulein von Arabin!"
Sie betonte den Namen auffallend, er verzog den Mund ein wenig.
„Das — darf doch nicht geduldet werden — die alte Fischer -"
„Ist unentbehrlich, ganz unentbehrlich," fiel die Hausfrau ein, „sie sorgt für das leibliche Wohl, wie es keine Andere thun würde —"
Er lachte. „Ich weiß."
„Im Uebrigen," mit einer Bewegung nach dem Nebenzimmer, „kann ich Dir die Versicherung geben, daß Du nie schöner, als heute ausgesehen hast, unter Deinen Raritäten," sagte er galant.
„Was soll ?" fragte sie über die Achsel hin.
„Nun, beweisen, daß ich kein Egoist bin — darf der arme Bursche Dir nicht wenigstens sagen —"
„Ich meine, ich war deutlich genug," antwortete die hübsche Frau.
Line glaubte, sie sei nun überflüssig, und da sie kerne hinwelkenden Blumen sehen konnte, fragte sie, die Maienglöckchen ergreifend, ob sie nicht für dieselben sorgen dürfe.
Ebba nickte. Als jene schon an der Thür war, fügte sie hinzu: ,
„So liebe ich es, ich glaube, Sie paffen gut hierher — zur rechten Zeit kommen und gehen, das ist die Hauptsache. Und so wenig Menschen verstehen das!"
„Na, wo hast Du denn die aufgefunden?" fragte der Hausherr, die Tasse zwischen den langen Fingern hin und her schwenkend.
Ebba befreite ihn gelassen von dem Spielzeug.
„Ein Zufall hat sie mir in den Weg geführt."
„Zufall? ohne Erkundigungen? Und warum ist sie in Trauer?"
Ihr war das Gefragtwerden schon lästig. „Mein Gott, damit es vielleicht mehr Eindruck macht — und glaubst Du wirklich, daß diese alleinstehende Mädchen absolut einen Pact mit der Tugend abgeschlossen haben werden? oder daß sie bei den Referenzen Beichte abgelegt haben?"
„Es ist doch nicht einerlei, wem man seine Kioder anvertraut," meinte er, die Lippen spitzend, als wolle er pfeifen.
„Laß das meine Sorge sein — ja? Bisher hast Du noch nie über die Personalien eines Fräuleins so lange gesprochen, als heute."
Ihre seidene Schleppe rauschte über den Teppich auf ihn zu. t .
Mit einem lachenden Gesicht trat Conrad Lund ui den Nebenraum, sein Arbeitszimmer. Eine Zeitung in der Hand haltend, lehnte dort in einem Schaukelstuhl Herr Bodo von Wiesenau, der flotteste Reiter der Residenz.
„Ein Abfall natürlich — aber komme mit!" tröstete Lund gutmüthig. Der Andere machte eine leichte Grimasse.
„Wenn man sich auf einen Morgenritt mit der picantesten Frau Berlins gefreut und dann mit ihrem Manne bon gre mal gre fürlieb nehmen muß, das gehört gerade nicht zu den angenehmsten Dingen," sprach der schöne Bodo innerlich vor sich hin und drehte seinen kühnen Schnurrbart zur feinsten Spitze. Und heute war er in seinem neuen Reitanzug — von Jureit in Frankfurt gebaut, und von dem er absolut noch nicht wußte, wann er bezahlt werden würde — aber der ihn kolossal gut kleidete, was vorerst doch die Hauptsache war. Und den Mann mit der allzeit offenen Börse, welcher die opulentesten Diners hier in dem Bijou von einem Hause gab, und die lustigsten in den fashionablen Restaurants der Stadt, den konnte man nicht schlechter Laune machen.
„All right, dearest fellow,“ gab er zuruck. „Ste sollen einmal sehen, wie meine Queen Nelly jetzt geht! — Capital — überstürzen Sie sich nicht — ich will einstweilen hier in die hohe Politik tauchen, zu der man ja verteufelt selten kommt!" Und er gab sich eine bequeme Lage und begann den Artikel vom Neuen.
Als Conrad Lund in sein Ankleidezimmer trat, wo ihn der Diener erwartete, lächelte er noch. Sie hatte Recht, Ebba! Seine eigene Bequemlichkeit würde leiden, wenn seine Frau gestattete, daß man ihr eifrig den Hof machte. Darin unterschied sie sich von allen Weltdamen, sie behandelte die Männer mit einer geradezu eisigen Kälte. Sie trieb einen großen Cultus mit ihrer Schönheit, sie ließ das blanke Gold mit kindischer Lust wie Waffertropfen durch die kleinen Finger rinnen — aber, sie gab der Medisance nichts zu reden.
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Frau Ebba Lund war sehr schlechter Laune,- ihr Geburtstag war nahe, und sie wußte wirklich nicht, was sie sich


