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auf. „Meiner Treu, Mercy!" rief er, „Robert Greylock ist gestern nicht mehr zurückgekommen."
Mercy, ine ihre Aermel bis über die Ellbogen aufgestülpt hatte und eine große Arbeitsschürze trug, war eben damir beschäftigt, den Schenktisch zu reinigen und die äußerst sauberen Gläser auf ihm zu ordnen. Ohne von ihrer Arbeit nufzublicken, sagte sie: „Hast Du dies jetzt erst wahrgenom- men, Vater? Was frage ich aber auch, Du warst ja gestern Abend, als Du in Dein Zimmer hinauf taumeltest, so schwer im Kopfe, daß Du nicht wußtest, wer im Hause war oder
„Ich gestehe, ich habe meine Schwächen, Mercy," sagte der alte Jke kleinlaut- „allein Du, meine eigene Tochter, solltest nicht so hart gegen mich sein. Es freut mich herzlich, daß Robert in seines Vaters Haus cm Unterkommen gefunden hat. Dort fährt der Alte hin, stolz wie ein Lord und steil wie eine Tonne. Die Leute von Blackport konnten ihn nie leiden und werden es auch nie. Nun, es ist gut, daß er sich doch endlich mit seinem Sohne ausgesöhnt hat. Junge Leute sehen nicht mit den Augen der Alten und was mich anbclangt, so sage ich rund heraus, daß jeder junge Mann in diesem f eien Lande das Recht hat, sich nach eigenem Geschmack ein Wcib zu wählen."
Mercy verließ ihre Gläser- sie trat zu ihrem Vater heran und blickte über seine Schulter der davonrollcnden Equipage nach. „Ja," sagte sic, „sie müssen sich ausgesöhnt haben, sonst wäre er schon lauge wieder hier gewesen.
„Hast Du gestern Nacht auf ihn gewartet, Merey?"
„Ich habe auf ihn gewartet."
„Du hast große Stücke auf Robert gehalten und er auf Dich," sagte Jkc- „ich hoffe, er wird sein Weib und sein Kind nach den Woods kommen lassen und diese einsame Gegend etwas lebendiger machen- er versteht es ja, Geld unter die Leute zu bringen!"
Das dunkle Gesicht des Mädchens wurde aschgrau. „Du sprichst thöricht!" rief sie, indem sie von ihrem Vater weg trat. Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: „Natürlich wird er sein Weib und sein Kind hierher bringen, warum
nicht? Meinst Du, daß mir etwas daran gelegen sei? Ich
hätte indessen nicht gedacht, daß es so kommen würde- ich hätte nicht geglaubt, daß sein Vater so schnell bereit gewesen
wäre, ihm zu vergeben- man hält den Alten für einen hart
herzigen Mann."
„Deiner Rede nach sollte man meinen, daß es Dir leid wäre, daß das Herz des Alten sich von den Bitten des Sohnes erweichen ließ,"
Mereys Wangen färbten sich mit tiefer Röthe- sie legte ihre Hand auf seine Schulter und sagte: „Ich glaube an die Aussöhnung nicht recht, denn hätte er seinen Sohn wieder zu Gnaden aufgenommen, so hätte er ihn diesen Morgen mit ausfahren lassen - er hätte dadurch am besten den Leuten von Blackport zeigen können, daß die Versöhnung zwischen Vater und Kind vollständig sei."
„Das ist wahr," gab der alte Jke nachdenklich - zu - „wenn nur nicht etwas schief gegangen ist! Wie, wenn Robert gestern Nacht hierher gekommen wäre, das Haus verschlossen gefunden hat und sich anderswo einquartiert hätte?"
Merey wandte sich um und kehrte zu ihrer Arbeit am Schenktisch zurück. Die Beiden waren an diesem Morgen allein. Der große Ofen glühte wie gewöhnlich und das helle Sonnenlicht spielte auf dem sauberen Fußboden.
Wo Mercy Poole schaltete und waltete, pflegte die äußerste Reinlichkeit zu herrschen. „Schon wieder drei Gläser entzwei!" sagte sie, indem sie die beschädigten Gegenstände gegen das Licht hielt. „Ich wollte, ich könnte sie an den Köpfen der Trinker zerschlagen, die ihre Zeit hier verschwenden, besonders au Caleb Browns Kopf. Was Deine Bemerkung betrifft, so muß ich sagen, daß das Haus gestern Nacht gar nicht verschlossen war. Ich blieb auf und wartete auf Robert Greylock- ich kann darauf schwören, daß er nicht hierher kam, ich habe die ganze Nacht kein Auge zugethan."
Jke Poole war von Natur nicht sehr klug, das viele Trinken hatte seinen Verstand nicht geschärft- allein es lag etwas in dem Tone seiner Tochter, was ihm auffiel. „Meiner Treu!" rief er, „das war recht freundlich gegen Robcrt, Du mußt ihn sehr in Dein Herz geschlossen haben- aber er ist ja jetzt doch für Dich verloren. Wie kommt es, Mercy, daß Dn nicht daran denkst, Dich zu verheiratheu? Ich wollte Du brächtest mir einen Mann hierher, um mir bei der Führung des Gasthofes an die Hand zu gehen. So viele unge Burschen von Blackport, die als Gäste hier verkehren, haben nur Augen für Dich - wähle Dir doch einen davon aus. Du bist hübsch und klug- ein Mädchen wie Du wird doch keine alte Jungfer werden wollen!"
Merey unterbrach ihren Vater mit kurzem höhnischem Lächeln. „Laß die Burschen von Blackport hierher kommen und Augen machen, so viel sie wollen, Vater- ich wünsche ihnen viel Vergnügen dazn. Bevor Du mich verheirathet iehst, werden Schiffe über die Salzwiesen segeln, und Du wirst aufgehört haben, mit Deinen alten Cumpaueu Grog zu trinken. Ich bin die Einzige, die Dir je bei der Besorgung des Gasthofes an die Hand gehen wird. Heirathen? Sprich nicht wieder über diesen Gegenstand mit mir!"
Es lag etwas so Entschiedenes in dem Tone des hübschen Mädchens, daß der alte Jke es für geraden fand, sich hinter den Schenktisch zu begeben und zur Beruhigung seiner Nerven einen Schluck Rum zu trinken.
Der Besitzer von Greylock Woods fuhr gegen Mittag wieder an dem Gasthof vorbei- er kehrte von seiner Spazierfahrt zurück, und auch an den folgenden Tagen sah man ihn durch die Straßen von Blackport fahren, nie aber den Sohn an seiner Seite.
Tag um Tag verging. Zwischen der Villa und der schläfrigen Stadt am Strande herrschte wenig Verkehr. Die Leute von Pooles Inn hörten nichts mehr von dem zurückgekehrten Sohn- ihre Neugierde blieb unbefriedigt. Ungünstiges Wetter trat ein, in Folge dessen Niemand den Pfad über die Marschen und an den Salzgruben vorbei einschlug. Die alte Stadt lebte in dem gewohnten Schlendrian fort, bis sich endlich nach Verlaus einer Woche etwas Ungewöhnliches zutrug.
Es war an einem bitterkalten Morgen, da kam ein Mann in vollem Galopp die sestgesrorene Tannen-Allee herauf nach Greylock Woods geritten. Es war Doctor Jarvis, der Arzt von Blackport, der einzige Mensch in der Stadt, der einigermaßen vertrauten Umgang mit dem Besitzer der Villa hatte'. „Wo ist Mr. Greylock?" fragte er den Diener, der ihm auf sein Klingeln öffnete.
„Beim Frühstück, Doctor?"
„Ich muß ihn auf der Stelle sehen - ich habe wichtige Nachrichten für ihn."
Nach kurzen Worten wurde der Doetor in ein reizendes Frühstückszimmer geleitet, wo ein offenes Holzscuer im Kamin brannte, und wo Godfrey Greylock mit seiner Schwester Pamela beim Frühstück saß. Der kleine, runde Tisch war mit feinem Damast bedeckt, und mit Sövres - Porzellan, massivem Silber und einer großen Vase mit Treibhausblumen beladen. Der Duft der Rosen und Lilien vermengte sich mit dem heißer Waffeln und französischer Chocolade.
Als der Doctor eintrat, saß Mr. Godfrey Greylock, in seinen sammetnen Schlafrock gehüllt, in einen reich geschnitzten eichenen Stuhl zurückgelehnt und streichelte eine» sibirischen Bluthund, der auf einer Matte neben ihm lag.
„Ich bedauere," begann der Doetor, nachdem er ein tiefe Verbeugung vor Miß Pamela gemacht hatte, „daß > > als Ueberbriuger einer schlimmen Botschaft hierher gesa» wurde."
Miß Pamela Greylock war äußerlich das weiv Seitenstück zu ihrem Bruder, den sie mehr fürchtete als ne, hiermit aber hatte die Aehnlichkeit eine Ende. An und Herz waren die beiden Geschwister durchaus berfdjie • I Miß Pamela war eine sanfte, schüchterne alte Dame,
ihrem Neffe, Sobald der flogen ihre jungen Man Stuhle auf.
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