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Das Kind der Tänzerin.
Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.
(Fortsetzung.)
Robert eilte jetzt auf die Pforte zu- er blickte umher und lauschte, sah und hörte aber nichts. „Sonderbar!" sagte er mit einem Achselzucken. „Sicher haben meine Augen mich nicht getäuscht. Wer mochte wohl der späte Wanderer sein, der um diese Stunde der Nacht am Eingang des Parkes aus der Lauer stand? Vielleicht ein Anbeter der Küchcn- mägde." Er trat auf die Landstraße hinaus; sie war einsam und menschenleer.
Ein Wind erhob sich, und es wurde von Minute zu Minute kälter. Das tiefe Schweigen, das auf der Landstraße herrschte, trug nicht wenig dazu bei, die Niedergeichlagenheit des nächtlichen Wanderers zu vermehren; er griff mit der Hand nach der Brusttasche und überzeugte sich, daß sie noch da waren, die fünfhundert Dollars, das letzte Geschenk seines Vaters.
Ohne auch nur noch einen einzigen Blick nach der Hci- math seiner Kindheit und Jugend zurückzuwerfen, schlug er den Weg nach dem Gasthof ' ein. Die Aussicht, wiederum mit Mercy zusammenzukommen, war ihm unangenehm; allein er mußte sich darauf gefaßt machen- vielleicht hatte sic sich schon zur Rude begeben, ehe er den Gasthof erreichte. Jetzt derließ er die Landstraße, um den Weg eiiizuschlageu, der an den Salzgruben vorbei und über die Marschen führte. Plötzlich vernahm er gedämpfte Fußtritte hinter sich.
Zu jeder Zeit und an jedem Orte har der Gedanke, mnen Verfolger im Rücken zu habe«, etwas überaus Unangenehmes- in dieser Stunde der Nacht aber und in seinem gegenwärtigen aufgeregten Zustande fand Robert diesen Argwohn doppelt unerträglich- er drehte sich daher rasch um und rief abermals mit lauter Stimme: „Wer da?"
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as Du gewähren kannst, gewähre gleich," Denn Aufschub mindert jeder Gabe Werth.
Raupach.
Proben giebt es zwei, darinnen Sich der Mann bewähren muß Bei der Arbeit recht Beginnen, Beim Genießen rechter Schluß.
Geibel.
Kein Laut ließ sich vernehmen. Was war mit dem sonst so muthigen und unverzagten Robert vorgegangen, daß er sich auf seinem mitternächtlichen Wege über das wohlbekannte Terrain so vielen trüben Gedanken und Ahnungen hingab? In der Ferne flackerte das Leuchtfeuer von Bird- Jsland, hin und wieder drang der dumpfe Wellenschlag des Meeres an sein Ohr. Jetzt hatte er einen alten, verfallenen Schuppen erreicht. Er mußte mit Vorsicht seinen Weg durch den Schutt der verlassenen Salzgruben suchen.
Wiederum vernahm er Fußtritte hinter sich — oder war es nur das Echo seiner eigenen Tritte? Indem er sich umwandte, glitt sein Fuß auf einem gefrorenen Salztümpel aus und ehe er sich wieder völlig erhoben hatte, trat eine menschliche Gestalt aus dem Schatten des verfallenen Schuppens hervor und versperrte ihm den Weg.
„Halt!" rief ihm der Fremde mit leiser Stimme zu.
Da das Licht hier ziemlich günstig war und die Entfernung zwischen ihm und dem Anderen nur einige Fuß betrug, so vermochte Robert das Gesicht seines Verfolgers deutlich zu sehen. Mit größter Bestürzung erkannte er die Züge, die der Schlapphut nur halb verhüllte- er trat einen Schritt zurück. „Um Gotteswillen!" rief er aus.
Allein er vermochte den Satz nicht zu vollenden- ein Blitz, ein Knall — Robert Greylock stürzte nieder und fiel mit dem Gesicht auf die Erde.
Lauter ertönte der Wellenschlag des Meeres an dem Strande- lauter stöhnte der Wind über die Salzwiesen. Die Lichter in der Villa von Greylock Woods waren ins- gesammt erloschen- sämmtliche Mitglieder der Familie hatten sich zur Ruhe begeben, der Vollmond erkämpfte einen Sieg über die Wolkenmassen. Er schien nun hell und glänzend auf die schweigende Landschaft hinab. Er schien hernieder aus dcn schmalen Fußpfad, auf die Marschen, auf die alten Salzgrnben rind auf Robert Greylock, der tobt auf dem gefrorenen Grunde im Schatten eines verfallenen Schuppens lag. —
6. Capitcl.
Mord oder Selbstmord?
Jke Poole stand im Morgensoniierrscheine am Fenster seines Wirthszimmers und blickte auf die langweilige Hauptstraße von Blackport hinaus. Plötzlich rollte eine prächtige Kutsche am Gasthofe vorüber, ein farbiger Kutscher in Livree saß auf dem Bock und ein bleicher, eleganter Herr, in kostbare Pelze eingehüllt, ruhte auf den üppigen Polstern. Beim Anblick dieses Mannes dämmerte ein Gedanke in Jkes Geist


