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nicht so ruhig hin. Mit zornigem Aufleuchten in ihren ausdrucksvollen Augen stand sie plötzlich vor Fritz Malten, und ihn und seinen Freund abwechselnd ansehend, kam es heftig von ihren Lippen:Nun ist es aber genug, jetzt lassen Sie mich in Ruhe mit Ihren Redensarten! Wenn Ihnen und Ihrem Freunde meine Ausdrucksweise nicht ge­fällt, so ist mir das höchst gleichgültig. Ich sehe wirklich nicht ein, warum die Herren das Vorrecht haben sollen, sich durch ein kräftiges, gesundes Donnerwetter das Herz zu erleichtern. Und wer mich um das bischen Fluchen nicht leiden mag, nun, der läßt es eben bleiben. Und nun komm Ursel, wir wollen vorausgehen." Damit ergriff sie den Arm der Freundin und kehrte den beiden Herren energisch den Rücken.

Sie haben vergessen mit den Füßen zn trampeln, Fräulein Cläre," rief lachend Fritz Malten der Davon­eilenden nach. Als aber sein Ruf unbeachtet blieb, wandte er sich zu seinem Freund mit den Worten:Ein famoses Mädel, nicht wahr?"--

Der Gefragte zögerte eine Weile mit der Antwort. Mit einem merkwürdig ernsten, fast traurigen Ausdruck in seinen ehrlichen Augen blickte er den beiden Mädchengestalten nach. Erst als sie um die nächste Ecke verschwunden, ent­gegnete er langsam:Geschmackssache, ich liebe es nicht, wenn ein Mädchen wie ein Kerl flucht. Schrecklich unweib­lich so etwas!"

Na, alter Junge, hab' Dich bloß nicht so" fast mitleidig klang des Lieutenants Stimmeich kann Dir sagen, es giebt unter den sogenannten sanften, echt weiblichen Frauenzimmern schauerliche Ungethüme. Alle guten Geister mögen mich vor der Art schützen. Bei denen liegt oft in einem einzigen Blick mehr Unweiblichkeit, als in all den kräftigen Donnerwettern, die Fräulein Cläre in ihrem ganzen Leben zusammenfluchen wird."

Carl Forken war indessen nicht so schnell zu überzeugen: Na, laß' nur, Fritz, Du weißt ja, über den Geschmack läßt sich nicht streiten. Uebrigens jetzt kann ich mir erklären, weshalb Dich die Cousine so kalt gelassen." Diesmal war es der Lieutenant, der gleich eine Antwort fand. Verlegen drehte er seinen Schnurrbart und schwieg.

Ja, ja, gegen solch eine Walkürengestalt kommt freilich Dein Cousinchen nicht auf," fuhr Forken langsam fort. Uebrigens, ich war ganz überrascht, so viel Lieblichkeit habe ich noch nie bei einem jungen Mädchen vereint gesehen- ein richtiges Waldröschen, so frisch, so unberührt, so"

So! so! so! Na, was nun wohl noch Alles kommt. Bitte, höre blos auf!" unterbrach ihn jetzt in ärgerlichem Ton Fritz Malten.Potz Blitz! wer sagt Dir denn, daß ich die Cläre liebe? Blos, weil sie groß ist und den nöthigen Umfang hat und ich einmal gesagt habe, daß so etwas nach meinem Geschmack sei? Na, da irrest Du Dich aber gewaltig, das fällt mir gar nicht ein!" Und plötzlich, beide Hände des Freundes ergreifend, fuhr er leidenschaftlich fort:Ich habe die Ursel ja so unsagbar lieb! So lieb, o, so lieb! Aber glaubst Du mir wohl, erst in diesem Augenblick, wo Du mir, so zu sagen, die Liebe zu einer Anderen in die Schuhe schieben willst, erst jetzt werde ich mir über meine Gefühle zu Cousine Ursel klar."

Nun, dann ist ja Alles gut, alter Junge! Dann heirathe sie doch." Merkwürdig, Forkens Stimme klang plötzlich um Vieles heiterer, ja man möchte sagen, glücklicher. Und fröhlich auflachend, fügte er noch hinzu:Aber schnell! wer weiß, sonst nehme ich sie Dir am Ende noch fort."

Doch der Lieutenant ging nicht ein auf den Scherz. Schweigend schaute er eine Weile vor sich nieder. Dann hob er mit einem Ruck den Kopf, und dem Freund gerade in die Augen sehend, entgegnete er tief ernst:Nein, Carl, ich kann sie nicht heirathen! Wenn ich sie weniger lieb hätte, dann ja, dann könnte sie meinetwegen die Ehre haben, meine Schulden zu bezahlen Deine eigenen Worte und dafür meine Frau werden. Aber so, nie und nimmer!

Es ist mir ein schrecklicher Gedanke, daß sie glauben könne, ich habe sie des Geldes wegen genommen. Ich könnte ihr ja niemals wieder in die Augen sehen, in die süßen, süßen Augen! Ach, Mensch, Du ahnst ja nicht, was sie für süße Augen hat!"

Lächelnd sah Carl Forken auf den Freund:Na, na, erzähle mir nur nicht zuviel davon. Ich könnte sonst auch Lust bekommen, zu tief hineinzuschauen. Aber, nicht heirathen können, das ist ja der reine Unsinn, ja, ja, der reine Unsinn, sage ich! Weißt Du, ich werde Fräulein Ursula ganz genau beobachten, und komme ich zu der festen Ueber- zeugung, daß sie Deine Gefühle erwidert, dann marsch, vorwärts, ohne Gnade und Barmherzigkeit! Und nun marsch, vorwärts, den Damen nach!"

Die beiden jungen Mädchen waren währenddessen Arm in Arm dem Hause zugewandert. Anfangs schweigend, aber dann hatte Cläre noch einmal ihrem Zorn durch die Worte Luft gemacht:

Ist dieser Forken aber ein unausstehlicher Mensch! Ob er damals dachte, ich solle mich noch schönstens bedanken, daß er sich so ohne Weiteres auf meine Mappe gesetzt? Und er merkte nicht einmal wie ick an derselben zog und zerrte. Na, da war doch wohl ein Donnerwetter sehr am Platze."

Lächelnd blickte Ursula in die blitzenden Augen der Freundin. Sie hatte es gar zu gerne, wenn ihre Cläre so ins Feuer gcrieth. Aber heute konnte sie sich doch nicht so recht darüber freuen, ihr lag etwas Anderes auf dem Herzen:Du, sag mal Cläre," begann sie ein wenig zaghaft, dieser Forken ist wohl der Herr, von dem Du mir vorigen Sommer so viel erzähltest, nicht wahr?"

Ja, ja!" kam es ein klein wenig ungeduldig von Clärens Lippen, und während ein leichtes Roth langsam in ihr Gesicht stieg, fügte sie schnell hinzu,aber ich hatte ja noch nie mit ihm gesprochen, ich hatte ihn mir ganz anders vorgestellt."

Nun, ich finde, es ist ein sehr netter Mensch! So ruhig und ernst! Schade nur, daß er den einen Fuß etwas nachzieht."

Meinetwegen könnte er den anderen auch noch nach­ziehen," war die schnelle Antwort.Uebrigens finde ich gar nicht, daß er es thut! Aber er ist mir ein unangenehmer Mensch, ich hasse solche Pedanten! Da lobe ich mir Deinen Vetter, der ist ein reizender, lieber Kerl, ganz nach meinem Geschmack!"

Betrübt senkte Ursula das Köpfchen! Ja, ja, im Grunde genommen, konnte sie es Cläre auch nicht verdenken, wenn sie Vetter Fritz lieber mochte, aber weiter kam sie nicht mit ihren Gedanken. Ganz, ganz heimlich zerdrückte sie eine verrätherische Thräne im Auge, dann trat sie mit der Freundin ins Haus.

Carl Forken wollte noch an demselben Tage wieder fort, aber Herr und Frau Linde, Fritz und auch Ursula baten ihn so herzlich, einige Tage zu bleiben, daß er schließ­lich einwilligte.Nur Fritzens wegen," redete er sich ein, denn wenn ich gleich wieder abreise, wird aus ihm und der Cousine im Leben nichts." Daß es in Wirklichkeit ganz allein zwei blaue Augen waren, die ihn hielten, gestand er sich nicht zu.

In Ursulas kleinem Herzen wuchs an diesem Abend noch einmal der Muth. Vielleicht würden sich Forken und Cläre doch noch wieder für einander interessiren, und dann merkte am Ende ein Anderer, daß die kleine Cousine auch noch da war.

Aber es kam Alles ganz anders. Herr Forken, der gegen Ursula stets die Güte und Freundlichkeit selbst war, nahm, wenn er sich mit Cläre Brandt unterhielt, ein so steifes, förmliches Wesen an und brachte Alles in einem so ironischen, spöttischen Ton vor, daß Ursel oft ordentlich er­schrak. Na, und Cläre erst, die nahm so etwas schon lange nicht ruhig hin. Sie gab Forken so ungezogene, ja oft