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Unterdrückter Aufregung zitterte und jeden Augenblick die Farbe wechselte.

Sie kommt, meine Taube, meine Liebe, Sie kommt, mein Leben, mein Glück!"

Welcher Triumph aus diesen Versen sprach! Ethel schauderte zusammen und erschrak. Wankte ihr Muth, zögerte sie, Rang, Reichthum, Heimath und Freunde ihrer Liebe zum Opfer zu bringen? Nein, so feige konnte sie nicht sein- wo wahre Lrebe herrscht, ist kein Raum sür die Furcht.

Das Lied 'war zu Ende- hundertstimmiger Beifallruf und lautes Händeklatschen belohnten den Sänger. Kaum war der Applaus verhallt, als Sir Gervase einen Schrei der Ueberraschung ausstieß und Iris zu Hülfe eilte, die ohnmächtig in ihrem Sitz zurückgesunken war.

Sie wurde in's Freie hinausgetragen, und die Gesell­schaft aus dem Herrenhaus folgte ihr. Fächer und Riech­fläschchen brachten die Dame bald wieder zum Bewußtsein zurück.

Sobald sie die Augen öffnete, sagte sie zum Baronet: Haben Sie die Güte, Sir Gervase, meine Equipage hierher zu beordern- sie wartet irgendwo in der Nähe."

Der Baronet beeilte sich, ihrem Wunsche nachzukommen.

Ethel beugte sich besorgt über ihre Mutter.Mama, Mama, was fehlt Dir? Du bist unwohl, laß mich mit Dir nach Hause gehen!"

Iris schaute ihre Tochter mit durchbohrendem Blick an- ein dämonisches Lächeln spielte nm ihren Mund, während sie erwiderte:Es ist kein Raum für Dich in der Equipage. Bleibe, ich brauche Dich nicht. Ich fühle mich wieder ganz wohl, es war nur die Wirkung der schrecklichen Hitze in der Halle, mein Kind. Noch ein Wort, Ethel!" Sie zog ihre Tochter näher zu sich heran und flüsterte ihr boshaft in's Ohr:Du falsche Katze! So hintergehst Du Deinen Groß­vater? Ein falsches Spiel treibst Du mit Deinem adeligen Freier? Regnault, Dein Gesanglehrer im Pensionat, scheint sehr in Dich verliebt zu sein. Pfui! Pfui!"

Bald darauf fuhr sie mit Hannah Johnson nach Hause.

Godfrey Greylock, der mit Ethel und Sir Gervase zuriickblieb, blickte seine Enkelin unwillig an und sagte: Wollen wir nach der Halle zurück, oder hast Du genug von diesem Vergnügen?"

Für Ethel bedeutete diese Frage:Soll ich Regnaults Gesicht nochmals erblicken? Soll ich seine Stimme nochmals hören? Soll ich auf eine Gelegenheit warten, mit ihm zu reden? Sie antwortete indessen rasch entschlossen:Ich bin bereit, Mama zu folgen- es ist wirklich erstickend heiß in dem Saale."

So stiegen die drei denn in ihre Equipage und fuhren vvch dem Herrenhause zurück. Als Regnault abermals auf der Bühne erschien, erblickte er zu seinem nicht geringen Verdrösse nur leere Sitze statt der Gruppe von Gesichtern, von denen eines vor seinen feurigen Blicken tief erröthet, während das andere vor Schrecken erblaßt war.

Schon seit Monaten war es ihm bekannt, daß Ethel die Tochter Iris Greylocks war die junge Erbin hatte ihm oft von ihren Verwandten erzählt doch erst, als er an diesem Abend die Ohnmacht der Dame gewahrte, wurde ihm die ganze Bedeutung dieses Umstandes klar, und er erkannte, auf wie gefährlichem Grund er sich befand. Nur ein Zusammenwirken glücklicher Umstände konnte ihn m den Besitz des schönen Mädchens setzen. Eines war gewiß er hatte keine Zeit zu verlieren, rasches Handeln allein ver­mochte zum Erfolg zu führen.. Zögerte er, so mußte er sicherlich allen seinen Hoffnungen entsagen.

Nachdem das Concert zu Ende war, begab er sich mit den übrigen Mitgliedern der Truppe nach derKatzen- Herberge", um auf seinen Lorbeeren auszuruhen und an der Mahlzeit Theil zu nehmen, die Mercy Poole für die //Orpheus-Compagnie" vorbereitet hatte.

Im Hausflur begegnete er Polly, die eben die Treppe hinauf eilen wollte, um einen Auftrag ihrer Herrin zu be­

sorgen. In seiner übermüthigen Laune ergriff er sie beim Arm, starrte ihr frech in's Gesicht und rief:Halloh! Ein Paar Rehaugen! Meiner Treu', man könnte Sie beinahe hübsch nennen, liebes Kind. Bringen Sie mir ein Glas Branntwein!"

Polly antwortete, indem sie sich von ihm loszumachen suchte:In diesem Gasthofe werden keine Spirituosen gehalten."

Nicht? Nun, so geben Sie mir statt des Branntweins einen Kuß."

In diesem Augenblick trat Jemand von der Straße in den Gasthof herein. Eine starke Hand befreite Polly ans den Händen des Sängers und schleuderte diesen so heftig zurück, daß er gegen die Wand taumelte.

Nehmen Sie sich in Acht, Bursche!" rief Doctor Vandine denn dieser war der unvermuthete Beschützer Pollys heftig.Dieses Mädchen ist meine Freundin?"

Sie warf ihrem Befreier einen dankbaren Blick zu und eilte dann fort, um sich eines Auftrages zu entledigen.

Regnault hatte sich rasch wieder ermannt und trat auf Doctor Vandine zu.Diese kleine Stubenmagd ist Ihre Freundin?" fragte er höhnend.Sie haben wirklich einen famosen Geschmack! Bitte, wer sind Sie denn eigentlich?"

Ein Mann, der Frauen zu vertheidigen und die Frechheit eines Schurken zu züchtigen versteht," erwiderte Dick, vor Zorn erglühend.

Beim Himmel, Sie sind freigebig mit ihren Compli- menten!" brauste der Andere jetzt auf-wenn Sie mir jetzt nicht aus dem Wege gehen, so werde ich mir die Frei­heit nehmen, Sie ohne Weiteres auf die Straße hinauszu­werfen."

Mercy Poole, welche die zornigen Stimmen vernommen hatte, erschien jetzt im Hausflur.Keinen Streit, meine Herren," rief sie, indem sie zwischen die Beiden trat, worauf Vandine achselzuckend sich die Treppe hinaufbegab, während Regnault den übrigen Mitgliedern der Truppe ins Speisezimmer folgte.

Zu später Stunde erst zogen sich die Mitglieder der Orpheus-Truppe" zur Nachtruhe zurück. Regnault allein verweilte noch einige Minuten im Speisezimmer. Eine Melodie vor sich hinsummend, schritt er einige Mal auf und nieder - dann begab er sich in das anstoßende Gemach, in welchem Mercy Poole und Polly saßen.

(Fortsetzung folgt.)

Im v-Zog.

Von Willy Weber.

(Schluß.)

Wenn gnädiges Fräulein mir gestatten wollten, für Ihr leibliches Wohl und Wehe Sorge tragen zu dürfen . . .". Ein aufmunternder Blick traf ihn und er fuhr ermuthigt fort: Menn ich die Damen zu einem kleinen Frühstück im Speisewagen einladen dürfte, würden Gnädigstes mir die Ehre erweisen?"

Yes, nickte die zurück.Aber wann wird der Zug in Bitterfeld halten?"

Ach," meinte der Assessor,das dauert gerade noch so lange, bis wir mit unserem Frühstück zu Ende sind."

Na, denn rinn in's Vergnügen," platzte die Blonde heraus, um sich sofort das Taschentuch vor den Mund zu halten und nach einer Verlegenheitspause hinzuzufügen:Wenn Sie uns unter Ihren Schutz stellen wollen ... im Speise­wagen . . . yes, yes"

Und es gab ein sehr animirtes Frühstück. Die Damen entwickelten einen kräftig gearteten Appetit und dem Wein sprachen sie mit einem Eifer zu . . . der Assessor kam aus demNachkommen" gar nicht heraus.

Noch Spargel?" fragte er, schon recht vertraulich.