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Der Majoratsherr.
Roman von Natal? ». Eschstruth.
(Fortsetzung.)
„Mama, wäre es nicht gemein, wenn ich anders handelte? — Wulff-Dietrich ist mein Freund, — und Pia habe ich lieb!"
„Darum eben! — grade darum!" seufzte Frau Johanna schmerzlich, dann aber erhob sie sich hastig, breitete mit strahlenden Augen die Arme aus und zog Fränzchen an die Brust. „Mein braves, edles, hochherziges Kind! wie bin ich so stolz auf Dich, ich sehe es selber ein, Du handelst recht, und auf eine Aenderung in der Lage der Dinge zu warten, halte ich jetzt, nach Allem, was wir an Pia erlebt, auch für nutzlos! Also an Papas Geburtstag!--je nun, wie
Du willst, Gott wird Dich segnen dafür!"
Fränzchen grub die Zähne in die Lippen, um nicht ihre innere Erregung zu verrathen. Sie lachte sogar und zuckte die Achseln.
„Ich bitte Dich, Mütterchen, lobe mich nicht für Selbstverständliches, ich thue meine Pflicht- weiter nichts."
„Ich weiß aber, was es Dich kostet, um diese Pflicht zu thun, — ich kenne das Opfer, welches Du bringst!"
„Ein Opfer?"
„Du opferst nicht nur das Herz, sondern gewissermaßen so, wie die Dinge liegen, auch das Majorat!"
„Und wollte Wulff-Dietrich nicht dasselbe thun? Ich will mich nicht von ihm beschämen lassen, — ich will ihm zeigen, daß auch ich den Namen Niedeck mit Ehren trage! und ich will ihn auch noch übertrumpfen an Großmuth! — Er opferte das Majorat, um selber glücklich zu werden, — ich thue es, um Andere glücklich zu machen! — und dieser Gedanke ist meine Belohnung. So- das wäre erledigt,
Samstag dm 18. Deeember
M i NI
ur Muth erkämpft das Leben, Muth die Freiheit!
Nur Muth erkämpft das Glück, die Welt, das RechtI
Höchstes Glück ist kurzes Blitzen, Fühl's und sprich: Auf Wiederkehr! Ließ es dauernd sich besitzen, Wär' es höchstes Glück nicht mehr.
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Emanuel (Beißet.
Mama, und nun wollen wir von etwas Anderem reden!" — Fränzchen strich sich noch einmal über die Stirn, als wolle sie Alles wegwischen, was soeben noch dahinter revoltirt, warf sich in eine Sophaecke, schlug das Bein über und steckte sich eine Cigarrette an.
Und von Stund an ward Fränzchen wieder ganz die alte. Lustig, urwüchsig in Wort und Gesten, voll toller Einfälle und von freien, burschikosen Manieren, welche Pia seit jeher entsetzt hatten. Nur eines fiel der Gräfin auf, — sie küßte die Cousine nicht mehr, höchstens, daß sie die kleine, weiße Hand mehr respektvoll wie zärtlich an die Lippen zog.
Nun war Fräulein von Nördlingen wieder genesen, und vorgestern erst hatte Tante Johanna an den Bruder geschrieben und ihm über die Erkrankung der Tochter berichtet, jetzt, da alle Gefahr vorüber, hoffte sie die Eltern nicht mehr durch die Nachricht aufzuregen.
Die Rheinreise sei für kurze Zeit unterbrochen worden - — Willibald und Fränzchen würden morgen noch per Schiff nach Köln fahren und nach drei Tagen zurückkehren, um alsdann gemeinsam mit ihr und Pia nach Niedeck heimzureisen.
Dort in der herrlichen Luft und ländlichen Stille werde sich die geliebte Patientin am schnellsten erholen, und erlaube sie, Tante Johanna, sich auch im Namen ihres Mannes die herzliche Bitte auszusprechen, ebenfalls nach Niedeck zu kommen, die Tochter pflegen zu helfen! Das Wiedersehen mit den Eltern werde die beste Arznei sein! ... —--
Nach Niedeck!
Pias Wangen schimmerten in feinem Roth, als sie voll inniger Dankbarkeit die Hände der Tante küßte! Ja, nach der Einsamkeit von Niedeck sehnte sie sich mit der ganzen Inbrunst ihres ruhebedürftigen Herzens!
Sie liebte es um dessentwillen, der es einst als Herr besitzen wird, den man schon jetzt im ganzen Land um diese Erbschaft beneidet und der ihr dennoch lächelnd entsagen wollte — um seiner Liebe willen!
Fränzchen hat sich einen kleinen Schemel herzugetragen und sitzt zu Pias Füßen.
Es beginnt zu dämmern- das letzte Abendroth weht wie zarte Duftschleier über den Himmel und erlischt. Graue Schatten sinken nieder, und die dichtlaubigen Baumkronen vor dem Fenster verdunkeln sich mehr und mehr.
Bon fern her schallt der Straßenlärm- einzelne Gaslichter flammen auf, die kleinen irdischen Sterne, welche früher zur Stelle sind, wie ihre himmlischen Genossen im klaren Aether. Das zarte Profil Pias hebt sich grell von


