540 -
also schädlich. Der Mensch erwacht von selbst aus seinem Schlafe, wenn die Sauerstoffansammlung den höchsten Punkt erreicht hat, die Natur selbst treibt ihn wieder zur Thätlg- keit. Deshalb soll man, wenn man Morgens erwacht, das Bett sofort verlassen, denn ein waches Liegen ist gegen die gesunde Natur und kann nur schädliche Folgen haben, und ein nochmaliges Einschlafen nach genügendem Schlaf erschlafft geradezu Geist und Körper, verursacht Unlust, Trägheit, Kopfschmerzen, erzeugt auf die Dauer Krankheit und Verkürzung des Lebens, denn nur bei energischem Stoffwechiel bleibt der Mensch gesund. .
Es liegt auf der Hand, daß der Nachmittagsschlaf bei erwachsenen und gesunden Personen nach dem Gesagten nur schädlich sein kann, denn er unterbricht zu ungelegener Zeit den Stoffwechsel, er zwingt das Gehirn zu, einer Ruhepause, die es noch gar nicht verlangt, welche ihm gar nicht willkommen ist, denn es geht eine gewaltige Umänderung tn dem Gehirn vor.
Die neuere Wissenschaft hat nämlich festgestellt, daß der Schlaf durch eine Aenderung im Blutlaufe des Gehirns hervor- gebracht wird, indem während des Schlafens das Gehirn blutärmer wird, welcher Umstand eben den Schlaf bedingt, hervorrust.
Man hat bei Trepanirten wahrgenommen, daß das Gehirn während des Schlafens in ganz auffallender Weise zulammengefallen und blutleer geworden war.
Indem das Gehirn blutärmer wird, beschränkt es seine eigene Ernährung, es stimmt also seine Kraftäußerung herab und damit aber auch als Centralorgan zu gleicher Zeit die Thätigkeit des gesummten Organismus.
Bei jedem normal gesunden Menschen kommt also der Schlaf von selbst, wo dieses nicht der Fall ist, da sind die Gehirnnerven krankhaft gereizt. Jede Erregung des Gehirns bei Nacht bedeutet daher Schlaflosigkeit oder wenigstens unruhiges Träumen, der Sch'af wirkt aber nur dann stärkend und heilsam, wenn er ruhig ist.
Wie lange man schlafen soll, das ist individuell, doch sieben bis acht Stunden sind für jeden gesunden Menschen völlig genügend.
Mangel an Schlaf wirkt wie das Uebermaß desselben. Leider ist in unserer nervösen Zeit Schlaflosigkeit ein sehr verbreitetes Nebel. Nichts ist quälender und erschöpfender, als wenn man den nächtigen Schlaf als dringendes Bedürfniß sucht und ihn nicht findet. Es entsteht dann eine fieberhafte Aufregung, eine unangenehme Hitze und ein wüstes Jagen der Phantasie.
Diesen höchst peinlichen Zustand verschaffen sich in der Nacht viele Personen, indem sie dem Nachmittagsschlafs zu lange fröhnen.
Der Ausgleich zwischen Verbrauch und Aufnahme des Sauerstoffes ist am energischsten in den ersten zwei bis drei Stunden des Schlafes, folglich ist dieser dann auch am tiefsten. Ob diese zwei Stunden vor oder nach Mitternacht liegen, das ist ganz gleichgiltig.
Je länger der Schlaf dauert, desto leiser wird er und geht dann schließlich in ein Halbwachen über. Beim normalen langsamen Erwachen wird zuerst das Gehör, dann das Auge und später erst die Bewegungskraft rege.
So angenehm und stärkend ein ruhiger, gesunder Schlaf ist, so peinlich und schwächend ist die Schlaflosigkeit. Die Ursachen der letzteren können sehr verschieden sein, aber immer wirken sie auf das Gehirn ein, diese Thatsache ist bei der Heilung dieses Nebels nie außer Acht zu lassen.
Chronische Schlaflosigkeit ist ein modernes Nebel, sie ist e n Privilegium der gebildeten Stände, denn wer nur körperlich arbeitet, der hat in der Regel einen gesunden Schlaf, denn seine Kraft wird durch Muskelarbeit verbraucht und für die Denkfähigkeit bleibt nicht genug Kraft übrig, daß sie aufregend oder gar schlafraubend wirken könnte.
Wenn ein geistig Arbeitender durch Ueberanstrengung an Schlaflosigkeit leidet, weil seine Pflicht und sein Dienst ihn allzuoft bis tief in die Nacht hinein in Thätigkeit halten, so ist das bedauerlich, jedoch unverzeihlich ist es, wenn geistige Arbeiter sich freiwillig eine überlange tägliche Arbeitszeit auferlegen, denn sie werden vor der Zeit stumpf und alt. Wenn der Handarbeiter sogar die achtstündige Arbeitszeit verlangt, so müßte der geistig Arbeitende dieselbe erst recht inne halten. Wer es haben'kann, der benutze folgende Eintheilung: acht Stunden Arbeit, acht Stunden Erholung und acht Stunden Schlaf.
Schlaflosigkeit, welche durch Gram, Sorge oder tiefe Trauer entstanden ist, kann nur durch Willenskraft und Ge- müthserheiterung geheilt werden. Die schönste, edelste und gesundeste Gemütsbewegung aber ist die Freude, sie ist das höchste Daseinsgefühl des Wohlseins, sie giebt Heiterkeit, Behaglichkeit und Schaffenslust.
Ein durch Schlaflosigkeit bereits Geschwächter muß unbedingt seine Lebensweise ändern. Ein Wechsel des Ortes, andere Menschen, andere Luft wirken oft schon beruhigend und heilsam. Ist der Patient bereits vollständig heruntergekommen, dann bedarf es neben völliger körperlicher und geistiger Ruhe auch noch einer sorgsamen Pflege und einer guten Ernährung, indem man dem Kranken in Zwischenräumen von zwei bis drei Stunden immer größere Mengen von leicht verdaulichen Nahrungsmitteln zuführt.
In leichten wie in schweren Fällen von Schlaflosigkeit sollen Schlafmittel vermieden werden. Leider aber greifen die meisten Patienten lieber nach solchen Gewaltmitteln, als daß sie auf natürlichem Wege durch Diät im weitesten Sinne sich von ihren Leiden befreien.
Viele Menschen greifen zu Morphium oder Choralhydrat, wo ein einfaches H msmittel, wie kalte Umschläge auf die Stirn, Trinken von kaltem Baldrianthee oder kühlendem Fruchtsaft, schon schlafbringend wirken würde. Wenn Schlafmittel absolut nicht mehr zu vermeiden sind, so dürfen sie nwmals ohne ärztliche Verordnung angewandt werden. An Schlafmittel sich zu gewöhnen ist höchst schädlich, schon weil der Schlaf, den sie Hervorrufen, niemals so erquickend und stärkend ist wie der natürliche und weil die Gaben dieser Beruhigungsmittel immer mehr und mehr gesteigert werden müssen, wenn sie wirksam bleiben sollen. Vollständige Zerrüttung des Nervensystems aber ist die schreckliche und unausbleibliche Folge des Mißbrauches von Schlafmitteln.
Humoristisches.
Zweideutig. Theaterdirector: „Sie haben nun noch immer nicht den neuen Schwank geliefert, den Sie uns schon so lange in Aussicht gestellt. Es fehlt Ihnen wohl an der nöthigen Sammlung?" * *
Die Professors-Köchin. „Also, Marie, Sie wollen uns verlassen?" — „Ja, Herr Professor — will einem Rufe nach Berlin Folge leisten!" * * *
Mah nung. Junge Frau: „Was soll ich denn morgen kochen, lieber Oskar?" — Gatte: „Weißt Du was, liebes Weiberl, koche morgen einmal ausnahmsweise etwas zum essen!" * *
*
S o g e h t' s. Ich bat die Kleine um ihre Hand, Das war das End' vom Getändelt Und nun in meinem Unverstand Hab' Handel ich und — Händel! Carl Kock.
Nedactivn: 8L Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ließen


