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sorgt. W nn die Familie zahlreich ist, wird oft noch eine Frau beim Waschen zu Hülfe genommen- wo das nicht ge­schieht, Pflegen sich die Frau oder erwachsene Töchter der übrigen Hausarbeit anzunehmen. Es kommt aber auch vor, daß sämmtliches Geschirr nach den Mahlzeiten ungewaschen stehen bleibt und das ermüdete Mädchen am Abend noch Alles spülen und wegräumen muß. Sehr verschieden ist die Be­handlung der Mädchen in Bezug auf die ihnen zum Schlafen angewiesenen Räumlichkeiten, auf das für sie bestimmte Essen, und auf die Beanspruchung von außergewöhnlichen Dienst­leistungen. Ueber den letzteren Punkt gibt es oft bedeutende Gegensätze der Ansichten. Wwd das Mädchen ost von der Arbeit abgerufen, um den Kindern oder der Madame ein Glas Wasser zu bringen, den Mantel zu holen, und Anderes, so pflegen die Verdrießlichkeiten nicht auszublelben. Ein deutsches Mädchen gab lieber auf der Stelle einen guten Platz auf, als daß cs sich bequemt hätte, einer besuchenden Dame die Schuhe und Kleider zu rein'gen.Das brauche ich nicht zu !h n hier", sagte sie,Amerika ist ein freies Land."

Diese Abneigung gegen Dienste, die im Geringsten an die hiesigen Zustände der früheren Sklaverei oder der feudalen Zeiten in Europa erinnern, ist wohl anch ein Hauptgrund, daß die eingeborene Amerikanerin sich fast niemals zur Haus­und Küchenarbeit bei fremden Leuten entschließt. Aber auch die unwissendsten Eingewanderten empfinden bald einen An hauch von dem Geiste der Unabhängigkeit- sobald die Haus­frau einen hochfahrenden Ton anschlägt, hat sie es mit ihren Dienstboten verdorben. In der Regel geschieht dies auch nicht. Der befehlende Ton wird selten gebraucht, und auch die Kinder werden angehalten, den Dienstboten gegenüber das Please (bitte) und thank you (danke Ihnen) nicht zu ver­gessen. Keine Hausfrau darf von ihrer Bedienung das voll­ständige Unterordnen, die Verehrung gegen Höhergestellte er­warten. Das liegt hier nicht in der Luft. Eltern, Lehrern, Predigern und anderen Vorgesetzten wird dies nicht zu Theil, wie sollte es gerade von der Dienstmagd ihrer Herrin ent­gegengebracht werden? Selbst unser oberster Beamter muß sich ja das vertrauliche Handschntteln von Tausenden ihm un­bekannten Menschen, seiner Mitbürger, gefallen lassen.

Was die Hausfrauen über die Fehler und Mängel ihrer Dienstmädchen zu klagen haben, das hört man in allen Ton­arten, und bekommt es außerdem noch oft genug gedruckt zu lesen. Die Mädchen verstehen nichts, die Frauen müssen sie belehren, ihnen das Material liefern, woran sie ihre so oft mißlingenden Versuche machen, und sie dazu noch theuer be­zahlen. Dabei zeigen sie sich ungeschickt, unaufmerksam, störrisch, denken nur an ihre eigenen Wünsche, ihren oft so unpassenden und lächerlichen Aufputz, möchten lieber alles Andere thun als Hausarbeit, und sind immer auf der Wanderung von einer Stelle zur andern. Gelegentlich hört man dann auch wohl die andere Seite, daß die Hausfrauen nur bedacht wären, möglichst viel Arbeit von den Mädchen zu erlangen, sie als Maschinen behandelten, die nie ermüdeten, und für welche Alles gut genug wäre. Gewiß sehen auch

oft die Mädchen es wohl ein, daß sehr viel für den Schein

geschieht, was überflüssige Mühe macht, und daß die Ein­richtungen der Frau nicht immer die besten sind, da sie gar

oft selbst nicht sehr weitgehende Kenntnisse von der Haus­

haltung besitzt.

Wie die Sachen jetzt stehen, herrscht eine weitgehende Unzufriedenheit, eine Währung, aus welcher vielleicht mit der Zeit bessere Zustände hervorgehen mögen. Immer mehr junge Mädchen, die ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, wenden sich den großen und kleinen Handelsgeschäften als Verkäuferinnen, den Fabriken als Arbeiterinnen oder einem sonstigen Gewerbe zu, wobei sie ihre Wohnung bei der Familie behalten, ihre Abende frei haben und täglich Neues sehen und hören im Verkehr mit so vielen Anderen. Sie halten selbst ihre Stellung für geachteter, ihre Aussichten für besser,

als wenn sie sich als Hausmädchen vermietheten. Und sicher ist, daß wohl nur selten ein gebildeter junger Mann sich die Lebensgefährtin aus der Küche holen wird, wo sie im Dienste für Andere beschäftigt ist.

Die Frauen haben ihrerseits Verbesserungspläne, deren Ausführung wohl noch ziemlich in der Weite liegt, und besten­falls in engen Grenzen bleiben würde. Sie wünschen die Hausarbeit als Gewerbe gelehrt zu haben, und sind bereit, sich zur Gründung solcher Schulen Opfer aufzulegen, um dann später unter geübten, verständnißvollen Dienstmädchen ihre Auswahl treffen zu können Sie wollen auch selbst noch lerne», was sie vielleicht früher versäumt haben, und unter den Zielen der vielen Frauenclubs fehlt gewiß auch nicht eine Abtheilung für dieHaushaltung als Wissenschaft." Die moderne Amerikanerin ist ja fast übertrieben ehrgeizig und wißbegierig. Es fehlt ihr aber oft an der körperlichen Kraft, Alles auszuführen, was sie gern möchte, und eilte weise Be­schränkung würde ihr sehr dienlich sein. Andere Pläne, sich von der Dienstmädchenplage zu befreien, betreffen radicalc Aenderungen in den Einrichtungen, das Wohnen in den neuerenFlat-Häusern", wo die Hauptmahlzeit gemeinschaft­lich im großen Speisesaale eingenommen wird, sonst aber die Familie für sich in ihren Zimmern bleibt, wodurch ein Mittel­ding zwischen dem eigenen Hauswesen und dem Hotelleben geschaffen wird. Auch mit Cooperativküchen sind schon in unserer Nähe Versuche gemacht, aber bis jetzt nicht zufrieden­stellend ausgefallen- sie waren jedenfalls interessant und lehrreich.

Am besten wäre es wohl, wenn von beiden betreffenden Klassen Zugeständnisse gemacht würden, die auch sonst mit den Zeitverhältnissen in Einklang ständen: wenn die Haus­frauen ihre Lebensweise vereinfachten und die Mädchen mehr die Verpflichtung fühlten, für den guten Lohn, den sie er­halten, 3725 Doll, die Woche, auch etwas Ordentliches zu leisten. Rechtthun, Freundlichkeit, Geduld und gegenseitige Theilnahme (der Hausfrau oft ebenso nothwendig als dem Dienstmädchen) würden den Verkehr und die Lasten leichter machen. Eine geschickte, flinke, fähige und verständige Person, eine wirkliche Hilfe im Hause, würde überall gute Aufnahme finden, und es gibt ja viele solche, es gibt zufriedene Haus­frauen, zufriedene Mädchen in Menge, nur hört man weniger von ihnen als von den Unzufriedenen.

Im Grunde genommen ist es doch eine verhältnißmäßig kleine Zahl, die von den vielbesprochenen Uebelständen be­troffen wird. Gar viele Hausfrauen in Amerika in ganz guten Verhältnissen behelfen sich ohne Mädchen, weil sie cs selbst so angenehmer finden. Leute mit geringer Einnahme können schon gar nicht an solchen (oft zweifelhaften) Luxus denken, und Jeder weiß ja, wie groß bereit Zahl ist int Ver- hältniß zu den Bessergestellten.

Chicago, April 1897.

Hedwig V v ß.

GenreiMNÄtziges.

Jetzt ist die Zeit der Picknicks; welches Vergnügen gewährt es, unter Waldesdom oder auf grüner Flur am Wasscrsaum aus dem Rasen zu lagern und im Freien die Mahlzeit einzunehmen! Aber ausschließlich kalte Speisen, so delicat sie auch sein mögen, genügen doch dem an warme Kost gewöhnten Magen nicht recht. Also her mit der Casse- rolle, Feuer angemacht, Wasser zum Kochen gebracht und rasch bereitet man mittelst des echten Liebigs Fleisch-Extracts nebst Salz, Ei, ein wenig Butter oder Brodstückchen eilte vortreffliche Bouillonsuppe, die dem ermüdeten Touristen köstlich mundet und als warmes Gericht die Mahlzeit ebenso erquickend einleitet, wie wohlbekommen läßt.

Redactivn: ®. Scheyda. Druck und 8erlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.