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aber bescheiden ausgestattet, geeignet zu einem trauten Nestchen ; aber — man muß doch Gesellschaften geben, man muß also einen Salon, etwa mit Lüster, größere, besser ausg-putzte und vor allen Dingen mehr Zimmer haben, vielleicht auch einen Balkon, Glaserker oder Veranda. Um dieses, schon an sich theure Logis auszumöbliren, bedarf es auch einer größeren, eigentlich überflüssigen Anzahl von Möbelstücken, und daß diese fein, geschnitzt u. s. w., dabei weniger dauerhaft sind, versteht sich ganz von selbst, da man doch damit Ehre einlegen, prunken will, weil Bekannte und Fremde sie sehen, sich darüber wundern und — man höre und staune — neidisch werden sollen.
Die größere Wohnung erfordert auch eine größere Menge oder wenigstens gewandtere und daher kostspieligere Dienstboten. Rechnet man hierzu nun noch die Extraausgaben für Gesellschaftskleider und die Herrichtung des verhältniß- maßig luxuriös ausgestatteten Tisches oder Büffets, so kann man sich allerdings nicht wundern, daß die Einnahmen über Gebühr in Anspruch genommen werden, ja, nicht reichen. Wachsen die Kinder heran, so entwickeln sich naturgemäß bei ihnen in dieser Umgebung — in diesem Milieu, um mich künstlerisch auszudrücken — auch die Ansprüche, die sie an's Leben stellen, ungebührlich, selbst unvernünftig,- nicht zu gedenken des nie zu rechtfertigenden Uebels, daß ihre Erziehung von Seiten der Eltern, die zu viel mit ihrem Amt, ihren Geschäften, Gesellschaften und Vergnügungen zu thun haben, in den Grundbedingungen vernachlässigt wird. Auch sie gewöhnen sich an, heimlich oder offen Ausgaben zur Befriedigung ihrer Eitelkeit und ihrer Launen zu machen, so daß man sich nicht wundern kann, wenn die Eltern in Schulden gerathen und bei ihrem Tode ihren verwöhnten, verzogenen Kindern nichts hinterlassen, oft nicht einmal einen unbescholtenen Namen.
Besonders empfindlich werden hierdurch dann die unversorgten Töchter betroffen; als traurige Beispiele könnte ich verschiedene meiner Haushälterinnen anführen, die, zum Theil aus besseren Beamtenfamilien stammend, als Waisen vollständig mittellos in der Welt standen. Wie oft sind die Töchter von Beamten, Offizieren und aus sonstigen angesehenen Familien gezwungen, ihr Brod in dienender Stellung oder durch schlechtlohnende Arbeit kümmerlich zu erwerben, was ihnen bei ihrer mangelhaften Erziehung, die nur auf den äußeren Schein berechnet war, und bet ihren früheren Gepflogenheiten doppelt schwer fällt.
Manch stolzes, schönes und auch gesellschaftlich feingebildetes Wesen geht unter und verkommt in Elend und Schande, nur weil seine Eltern nichtrechtzeitig für dieZukunftsorgten. Welch' schwere Verantwortung laden sich doch die Eltern aus, die weder für einen, wenn auch kleinen Sparpfennig sorgen, noch auch so viel ihre Ausgaben für Luxus und Großthun beschränken können, um ihre Kinder sich Kenntnisse aneignen zu lassen, die ihnen im Falle der Roth die Möglichkeit bieten, auf eigenen Füßen zu stehen, sich eine auskömmliche, ehren- werthe Existenz zu gründen!
Viele Familien suchen dadurch ein Gegengewicht gegen jene, aus gesellschaftlichen Rücksichten, wenn man sie so nennen soll, zu machende Ausgaben herzustellen, daß sie ihre täglichen häuslichen Ausgaben möglichst, oft unvernünftig, beschränken. Sie begnügen sich mit den geringsten und billigsten Speisen, werden oft nur aus diesem Grunde Vegetarianer, wozu sie sonst gar keine Lust verspürten, oder genießen nur selten Fleischspeisen. Mit der Unterkleidung, die man ja äußerlich doch nicht sehen kann, ist es sehr, sehr schlecht bestellt. Daß durch ein derartiges schlechtes Leben und mangelhafte, nicht vor den Witterungseinflüssen schützende Kleidung die Gesundheit tiefeingreifend geschädigt wird, kommt bei solch' unvernünftigen und leichtsinnigen Menschen gar nicht in Betracht- ebensowenig, daß bei einer Theilung zwischen
Redaction: 8. Scheyda. — Druck und
Gesellschaften, die in das ganze Hauswesen für Tage störend eingreifen, und Nahrungssorgen kein zufriedenes und gemütliches, wahrhaft Herz und Geist erfrischendes Familienleben erblühen kann. Mir fällt dabei immer das drastische Wort einer klugen, scharfblickenden Bauersfrau ein: Außen „hm» und innen „pfui"!
Als triftige, so behauptet man wenigstens, Gründe für das Abhalten von Gesellschaften werden nun folgende angegeben: Untere Stellung als Beamte, Vorgesetzte u. s. m, erfordert es, oder wir müssen die an uns ergangenen Einladungen doch erwidern, oder dadurch hat man Verkehr mit Andern, die Sitte erfordert es, oder — man kann sich doch nicht von Allem zurückziehen bezw. ausschließen. Besonders offenherzige und mittheilsame Gastgeber führen vielleicht auch im vertrauten Freundeskreise noch an: Unser Credit wird durch Gesellschaftgeben, d. h. durch reichscheimndes Auftreten, erhöht und wir bringen unsere Töchter dadurch an denManu- denn wer nichts aus sich macht, der gilt auch nichts!
Inwiefern d ese Gründe Berechtigung haben und ob sie den gerügten übergroßen Uebelständen die Waagschale halten, will ich hier nicht erörtern, glaube cs aber mit Grund bezweifeln zu dürfen,- übrigens weiß ich auch, daß man Leute, die ihre persönlichen Gründe haben und daher nicht überzeugt werden wollen, nicht überzeugen kann, man würde da that- sächlich gegen Windmühlen ankämpfen. Selbstverständlich habe ich auch nichts gegen den ungezwungenen, gemiithlicheu und nicht zu großen Depensen verleitenden Familienverkehr mit intimeren Bekannten und einem engeren Freundeskreise einzuwenden, welche schöne Sitte tief in der menschlichen Natur, besonders in dem Wesen der Deutschen, begründet ist. Ich will gegen das Uebermaß, die Auswüchse reden, ich will nur Denjenigen, weiche die oft wirklich ungeheure Last des Gesellschastgebens schmerzlich empfinden, ohne sie glauben abschütteln zu fönn.n, einen Ausweg angeben, der mit einigem festen Willen und kräftigem, zielbewußtem Zusammenwirken leicht auszuführen ist.
Mehrere gleichgesinnte Familien einer Stadt müssen sich vereinigen und sogenannte Zusammenkunfts-Nachmittage ober Abende in einem Gasthofe ober Restaurant veranstalten, an welchen sich die befreundeten Familien — Gäste dürften natürlich eingeführt werden —, wie es ihre Zeit erlaubt, ungezwungen einfinden würden, um bei Unterhaltung, Musik u. s. w. die Geselligkeit zu Pflegen. Hierbei hätte natürlich Jeder für seine leiblichen Bedürfnisse selbst Sorge zu tragen. Da hierdurch der Wirth regelmäßige Gäste hätte, würde er wohl auch in den meisten Fällen gerne bereit sein, ein besonderes Zimmer oder einen Saal unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Einladungen und Absagen fielen somit ganz weg- wer kommt, ist da, und Jeder kann gehen, wenn ihn seine Geschäfte oder seine Lebensgewohnheiten abrufen, während durch keinen Zwang die Geselligkeit gestört wird. Eine solche Pflege des Verbhrs würde sich schnell, wie ich zu beobachten schon Gelegenheit hatte, einbürgern und nach und nach würden in unserer immerhin praetischen Zeit selbst die begeistertsten Anhänger von „Gesellschaften zu Hause" das Bequeme und Annehmliche desselben einsehen und — nachahmen.
Es wende mir nur Niemand wegwerfend ein: Gesellschaften im Wirthshaus! Ja, wissen die verehrten Leserinnen denn nicht, wie sich schon allerorts der Usus eingebürgert hat — den ich allerdings nicht vertheidigen möchte —, größere Hochzeiten, Kindtaufen u. s. w. in öffentlichen Localen abzuhalten, ohne daß man daran Anstoß nimmt- man findet es einfach praetisch und darum nachahmenswerth. Wenn nun solche, tief in Gemüth und Leben der Menschen eingreifende Festlichkeiten nicht absolut des Schutzes der heimischen Penaten bedürfen, können wir uns sicherlich mit dem Abhalten lediglich geselliger Zusammenkünfte außerhalb unseres Hauses aussöhnen und befreunden.
Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindrnckcrei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


