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ich, daß er ihr etwas in den Kopf setzte- das Zeug hat er ganz genau dazu mit seinem sanften, einschmeichelnden Wesen.

Und Du glaubst, Du kannst so etwas für möglich halten?"

Langsam schlug er die grauen, etwas schwermüthigen Augen zu ihr auf.

Das ist wohl der erste Sonnenstrahl, der in ihr Leben fällt, willst Du sie verurtheilen, daß sie danach hascht, mit geschloffenen Augen an einem Abgrund wandelt, den sie voll blühender Rosen wähnt. Die Liebe ist das Beste vom Leben, Niemand wehrt sich gegen ihren Zauber, am wenigsten wohl ein unberührtes Mädchenherz, das bereits an der Grenze der Jugend steht."

So faßt Du also diese Sache auf," seufzte sie,aber bedenke, Therese ist vorläufig noch gefesselt."

Denke nicht so weit, Glück entsprießt ihr nicht aus diesem verspäteten Traum, ist ihr wohl auf Erden nicht be- schieden. Senglin scheint mir nicht der Mann, der die Aebesfülle dieses großen, heißen Herzens zu würdigen ver­steht. Ein moderner Mensch, der die Blumen bricht, wo er sie findet."

Und so gut wie versprochen ist er lange schon mit Alma."

Der Doetor nickte.Ich weiß, eine Studentenliebelei, die Bürgermeisters von Anfang an sehr ernst nahmen. Augenblicklich verdankt er dem Vater hier seine ganze Existenz, auch für das Staatsexamen und was drum und dran hängt, ist gesorgt worden. Ein moderner Schwiegersohnsang, den wir in unserer Jugend auch noch nicht kannten."

Fräulein Minchen faltete ihre runden, fleischigen Hände über der schwarzseidenen Ausgeh -Mantille, die sie noch immer trug.Und die arme Therese weiß von nichts," jammerte sie. Man sollte ihr die Augen öffnen, ihr Alles sagen."

Der alte Doetor hob die Hand mit der Pfeife und sah dabei ordentlich gebieterisch aus.Nicht daran rühren, gebot er, noch kennt sie selbst die Gefahr nicht, die ihr droht. Vielleicht ist die Liebe zu einer Therese auch stark genug, ihn der gedankenlosen Lebensführung zu entreißen. Vielleicht begeistert sie ihn die Ketten"

Er brach ab, die Hoffnung, die er aussprechen wollte, wohnte nicht in seinem Herzen.

Inzwischen saßen die Beiden, die solch einen Sturm heraufbeschworen, im Schloßgarten unter der blühenden Linde.

Der junge Doetor schob den Strohhut zurück auf das lockige Blondhaar. Auf seinen Knieen lag geöffnet: Waldmeisters Brautfahrt", aber er hielt mit dem Vorlesen inne und versenkte sich in den Anblick seiner schonen, gedanken­vollen Nachbarin.

Thereses Hände waren nachlässig in den Schooß ge­fallen und wie verzaubert, halb lächelnd, halb träumerisch, blickte sie in das flüchtig dahinziehende, rothgraue Abendgewölk.

War sie wirklich noch dieselbe? War dieses derselbe Platz, auf welchem sie lange Jahre in finsterem Grübeln einsam gesessen, bis die Pflicht sie herauf an das Leidensbett des Onkels gerufen, um die ermüdete Wärterin dort stunden­weise abzulösen? Und dieses Herz, das plötzlich so freudig und angstvoll zugleich hatte klopfen gelernt, war es dasselbe, das bisher so kalt und schwer wie ein Stein ihr in der Brust gelegen?

An die Zukunft, die wie eine schwere Gewitterwolke unheilbrütend am Himmel stand, dachte sie nicht, sie wußte nur, daß der junge Gefährte Licht und Freude in ihr dunkles Leben getragen.

Noch ist die blühende, goldene Zeit, noch sind die Tage der Rosen," wiederholte Senglin die zuletzt gelesenen Worte.

Ich mag die Rosen nicht, sie verblühen so schnell," meinte Therese,ein einziger, heißer Tag bringt sie zum Welken."

Und Sie sind nicht selbst eine Rose, wenn auch nur ^ne bleiche," flüsterte er.Lassen Sie Ihre prunkenden Schwestern unter dem feurigen Sonnenkuß sterben, Glück

»nd Schönheit hat nur kurze Dauer auf Erden. Sie schweigen, Sie wenden sich ab. Süße Theerose, zürnen Sie mir nicht."

Theerose. Wohl tausendmal war sie vom Onkel Doetor io gerufen worden, doch noch niemals hatte ihr dieser Name o berauschend geklungen, wie aus dem Munde Desjenigen, der sie eben so genannt.

Tief athmend drückte sie die Hand aus's Herz, als ob ie fliehen wolle, war ihr zu Muth.

Senglin hatte sich mit ihr zusammen erhoben und nun waren der blonde und der dunkle Kopf in gleicher Höhe.

Gleich alt, gleich groß, das will nicht recht paffen," fuhr es ihr durch den Sinn, schnell, als könne er ihr diese Gedanken von der Stirn lesen, bückte sie sich, um einen Stein in den Teich zu werfen, den Schnfterle heraufholen sollte.

Schufterle fand diese Wafferpartie ganz nach seinem Geschmack, laut bellend und sich die Nässe aus dem Pelz schüttelnd, animirte er die Herrin stets zu neuem Spiel.

Nun ist es aber genug, Du Wildfang, kannst Einen außer Athem bringen."

Daß gerade Ihnen dieses ungeberdige Thier ange­nehm ist."

Dieses wilde Temperament, dieser Ueberschuß an Kraft, die ausgetobt werden muß, muthete mich stets wie etwas aus einer unbekannten Welt lau. Auch dem Onkel Doetor schien es so zu gehen- so lange er noch zu uns herauS- kommen konnte, spielte und amüsirte er sich immer mit dem Taugenichts. Gern umgebe er sich wohl selbst mit solch einem munteren, vierfüßigen Freund, doch Tante Minchen fürchtet für ihre weißen Dielen."

Absichtlich in ihrem Gespräch nur allerlei Fernliegendes berührend, ging sie neben ihm her durch den schweigenden Park. Die Sonne hatte ihr heißes Tagewerk beendet, gierig schien der See ihre letzten Flammenstrahlen zu trinken, langsam trat die bleiche Mondsichel am wolkenlosen Himmel hervor- es wurde Abend.

Nun hatten sie die Lindenlaube, in welcher Inge an dem letzten Abend ihres Lebens mit den Freunden geweilt, erreicht. Dachte Therese jener Stunden? Ueberkam sie die Sehnsucht nach Mutterliebe, nach treuem Rath? Leise weinend senkte sie plötzlich den Kopf.

Thränen?" fragte er erstaunt.Thränen jetzt, wo die Nachtigall flötet und die Rosen blühen?"

Sanft hielt er die widerstrebende Hand und blickte ihr mit seinen lachenden, blauen Augen ins Gesicht.

Thränen?" wiederholte er.

Ich habe so lange nicht geweint," flüsterte sie,in mir war Alles zu Eis erstarrt."

Daun ist es Himmelsthau, der bringt der Seele den Frühling wieder."

Frühling ist es immer, wenn man liebt," rief er feurig. Herzen altern nicht, haben die Kraft, wie der Phönix aus der Asche, sich stets zu neuem, jungem Glück emporzufchwingen. Du schweigst, geliebte, blaffe Theerose- aber Deine Augen sind beredter als der Mund."

Stürmisch hatte er sie umschlungen, sie unter heißen Küssen an seine Brust gezogen, während er tausend zärtliche Kosenamen ihr ins Ohr flüsterte. Wie berauscht von Himmels­wonne lag sie in seinen Armen, wie Sphärenmusik fiel jedes seiner Worte in ihr Herz.

Nur nicht vorwärts, nicht rückwärts denken," wünschte sie.Nur nicht erwachen aus dieser Seligkeit!" Doch langsam erhob die Wirklichkeit ihr kaltes, nüchternes Gesicht.

Hastig entwand sie sich seinen Armen und erschrak Über ihr blasses, verstörtes Aussehen.

Bist Du nicht glücklich, liebst Du mich nicht?" fragte er, von Neuem sie an sich ziehend.

Und das fragst Du noch," rief sie in leidenschaftliches Weinen ausbrechend.Wir hatten ja vergessen, wer ich eigentlich bin. Nur, wenn ein theuereS Leben erlischt, kommt für uns das Glück."

(Fortsetzung folgt.)