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die Erde, bückte sich, hob das Ringlein auf und überreichte es mit einer tiefen, ironischen Verbeugung seiner Besitzerin.
„Im Namen meines ganzen, Ihnen verhaßten Geschlechts acceptire ich Ihre Feindschaft, schöne Brunhilde!" rief er pathetisch. „Eine Athene will ich in Ihnen verehren, wie eine opferfordernde Nixe Sie fürchten, so lange — nun, bis eines Tages der ganze unhaltbare Bau zusammenbricht, bis Sie Ihre Schwäche und unsere —" hier klopfte er sich wie im Vorgefühl stolzer Siegesfreude die Brust, — „unsere Stärke, Ihre Unzulänglichkeit und die männliche Energie und Geistesgegenwart eingestehen und anerkennen müssen!"
Wieder eine tiefe, malitiöse Verneigung und stolz wie ein Spanier schritt er davon.
Helma hatte nicht einmal Zeit gefunden, ihrer Empörung anders als durch zornfunkelnde Blicke Ausdruck zu verleihen. Diese schienen aber eine ganz entgegengesetzte, belustigende Wirkung zu üben und die Erkenntniß darüber brachte sie noch mehr auf.
Von Margots frischen Lippen scholl dem „Weißen" ein silb rhelles Lachen nach. Sie hatte sich köstlich bei der kleinen Secne amüsirt
Beide Freundinnen zugleich näherten ihre Hände schweigen- gebietend dem Munde der kleinen Naiven.
„Empörend, er hat uns belauscht!" stieß Helma hervor. „Benimm Dich nicht kindisch, Margot!"
„Jatal," bemerkte Lola kleinlaut, „der Weiße wird schwatzen und die Männer werden sich an uns rächen, Helma, uns in Acht und Bann erklären! Die Aussicht, während der Saison als Mauerblümchen die Saalwände zu beleben, ist nicht gerade verlockend —"
„Vor allen Dingen scheint Deine Selbständigkeit auf sehr schwanken Füßen zu stehen!" rief Helma mit sprühenden Augen. „Mich mögen diese heuchlerischen Egoisten unbeachtet lassen, ich habe dann nicht nöthig, Lästige zurückzuweisen. Dir aber scheint es dieser naseweise Hans Dampf bereits an- gethan zu haben!"
„Ach nein, Helma, nein! Aber wie Du in Harnisch geräthst, man könnte sich fürchten vor Dir!" —
Vier Wochen später.
In einer (Sabine, in der sich gerade ein ausgewachsener Mensch bequem umdrehen kann, hockt das Nixenkleeblatt, damit beschäftigt, so gut oder so schlecht es eben geht, Badetoilette anzulegen.
„Du, Helma, mir erscheint es so, als hätte der Schornsteingraf —"
Der „Weiße" hatte sich längst den Eltern des Nixenkleeblattes als Fabrikbesitzer Staeger vorgestellt.
„Was Du Dir für burschikose Ausdrücke angewöhnst," unterbricht Helma tadelnd, „wenn man sich auch von der althergebrachten Besangeuheit und Unterwürfigkeit den Männern gegenüber emanzipirt —"
„Erröthen macht die Häßlichen so schön —" citirt Lola mit gutmüthigrm Spott, „höre, Helma, über das Wort Emau- zipatwn scheinst Du Dir doch wohl nicht klar zu sein, denn Du geräthst ja förmlich in Aufruhr über Alles, was die Person Staegers auch nur entfernt betrifft, und im Verkehr mit ihm kommst Du aus dem Roth- und Blaßwerden nicht heraus, man könnte glauben, Du seiest durch ihn hhpnotisirt — reizend steht Dir die scheue Demuth und danach der flammende Zorn, aber ich finde auch nur eine Erklärung dafür: es ist die Liebe, es ist die Liebe —"
„Und ich finde, daß ich das Beobachtungsobjeet einer hinterlistigen, heuchlerischen Freundin bin, aber beruhige Dich: ich hasse ihn, von ganzer Seele — ich will es Dir beweisen."
Damit war sie zur (Sabine hinaus und warf sich ungestüm in die schimmernde Fluth, die wie kosend ihren schlanken, wundervollen Körper umspülte.
„Was wolltest Du erzählen von dem Schornsteingraf?" fragte Margot die noch zurückbleibende Lola.
„Ich möchte gar zu gern wissest, ob oder was er damals von dem Erlauschten ausgeplaudert hat. Man nennt uns allgemein das Nixenkleeblatt und die Männer beobachten uns gegenüber entschieden eine besondere Taktik. Ich habe immer das Gefühl, als wage man sich nicht zu uns heran, trotzdem aber werden wir sichtlich ausgezeichnet. Mich ängstigt nachgerade die Ausnahmestellung, die wir unter den jungen Mädchen einnehmen — ich möchte den Schlangenring am liebsten versenken dort, wo das Meer am tiefsten ist." —
(Schluß folgt.)
Gemeinnütziges.
Hasen Ragout nach englischer Methode. Einen kleinen Hasen schneidet man in Stücke und läßt dieselben mit etwas Butter und 125 Gramm Speck in einer Kasserole über lebhaftem Feuer sich bräunen. Dann fügt man Pfeffer, Salz und die nöthigen Gewürze hinzu, streut unter fortwährendem Umrühren mit einem hölzernen Löffel etwas Mehl darüber, rührt ein Glas Weißwein und einige Löffel aufgelösten Liebigs Fleisch-Extraet darunter und fügt endlich noch Petersilie, Zwiebel und gehackte Champignons bei. Sobald das Fleisch gar ist, servirt man es auf einer warmen Schüssel und gießt alsdann die Sauee darüber, der man vorher noch etwas Butter und Citroneusast beigefügt hat.
* * *
Morcheln. Zeit der Bereitung anderthalb Stunden. 5 Personen. Morcheln müssen besonders gut gereinigt werden. Man entfernt die Stiele von zwei Liter Morcheln, schneidet die Pilze zurecht, bürstet sie mit warmem Wasser, setzt sie in kaltem Wasser aufs Feuer und läßt sie heiß werden. Dann rührt man sie um, legt sie auf ein Sieb, stellt dies in kaltes Wasser und wäscht die Pilze gut. Man wiederholt oies mehrere Male, drückt die Morcheln aus, dünstet sie in 40 Gr. Butter, thut etwas Wasser, ein halbes Glas Roth- toein, 10 Gr. Liebigs Fleisch-Extraet, Salz, Pfeffer und wenig Museatnuß an und dünstet sie weich. Mau bindet die entstandene Brühe mit einem in Mehl gerollten Stück Butter und schärft sie mit etwas Citronensaft. Besonders passend zu Tauben und jungen Hühnern.
Humoristisches.
Aus „Lustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Abonnement 1,30 Mk. vierteljährlich. Einzelnummer 10 Pfg. — Verniedlich. Herr (der vom Barbierlehrling geschnitten wurde, zum Barbier): „Här'u Sc, mci’ Gudesder, Ihr Lehrling mißde als Bieeolo bei den Schdamm- gäsden sehr beliebd sein." Barbier: „Wieso?" Herr: „Er machd Se nämlich so scheene Schnidde!" — Wer hat recht? Schaffner: „Hier ist die Nothleine gezogen worden!" Fräulein (entrüstet auf einen ihr gegenüberfitzenden Cadetten weisend): „Ja, dieser Herr hat mich küssen wollen!" Cadett (weinerlich): „Im Gegentheil- sie mich ... ich habe die Nothleine gezogen!" — Modern. Köchin (zur Kleidermacherin) : „Jotte, so 'ne Fahne soll ick anziehen? Für die würde sich ja selbst meine Madame bebauten!" — Abgewimmelt. A.: „Du hast mir aber diesen Morgen eine nette Cigarre verehrt!" B.: „So, hat sie nichts getaugt? Na, ich dachte es mir schon . . . ich habe sie nämlich selbst geschenkt bekommen!"
Redaktion: 8. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


