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in Gießen.

Donnerstag den 4. Februar.

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-WWer Dich zu Dank im Unglück zwingt, Wer Deinen Schmerz als Scherz belacht Und chn Dir in Erinnerung bringt, Wer im Gespräch Dich stocken macht, An wen ein Brief Dir nicht gelingt

Vor dem sei sorgsam auf der Wacht. Dr. Hslr.

Das Haus der Schatten.

Roman von Robert Kohlrausch.

(Fortsetzung.)

Im unerschütterten Glauben, daß es ihm unmöglich sein müsse, im Ernst an ihr zu zweifeln, achtete sie nicht auf die bange Frage in seinen Augen, sondern fuhr fort zu reden. Ich will Dir nun genau erzählen, wie Alles war. Vier Tage vor dem Tode meines Mannes hatte der Arzt ihn aufgegeben und mir gesagt, es würde in der Nacht mit ihm zu Ende gehen. Ich saß die langen Stunden an seinem Bett in Angst und Verzweiflung. Er lag im Fieber, wenn auch nicht ohne Besinnung; er hatte meine Hand umklammert, und seine furchtbare Unruhe nahm zu, wenn ich sie ihm einmal zu entziehen versuchte. Endlich, es war gegen Mitter­nacht, richtete er sich im Bette auf, zog mich ganz dicht zu sich heran und sagte:Ina, ich sterbe. Aber Du sollst mir gehören, auch wenn ich gestorben bin. Versprich mir, daß Du mir immer treu bleiben willst, daß Du keinem anderen Mann nach mir gehören wirst. Versprich mir das !" In meinem Herzen zögerte ich keinen Augenblick, ihm Alles das zu versprechen- es erschien mir als eine Unmöglichkeit, jemals auch nur in Gedanken mit einem anderen mich zu beschäftigen. Aber ich war so erschrocken und ergriffen, daß ich ihm nicht gleich antworten konnte, und das muß er wohl für ein Zaudern und Ueberlegen gehalten haben. Denn nun faßte er mich fester mit seinen beiden Händen und flüsterte mir zu:Wenn Du mich jemals vergißt, wenn Du jemals eines anderen Mannes Frau werden kannst, dann komme ich wieder aus meinem Grabe und trete zwischen Euch!" Da fand ich Worte und versprach ihm Alles. Und von diesem Augenblick an wurde er ruhiger, schlief ein und schien in kurzer Zeit genesen. Ein Versprechen also habe ich ihm gegeben, einen Eid habe ich nicht geschworen."

Ein tiefes Schweigen entstand- Georg wagte es nicht, der Geliebten in die Augen zu sehen.Deine Rede sei ja, ja und nein, nein," sagte er dann leise, der Worte des tobten Vaters gedenkend.

Ina nickte ein paar Mal stumm vor sich hin.Du hast recht," sagte sie,ein festes Versprechen ist zwischen ehrlichen Menschen so gut wie ein Eid, und lange Zeit ist mir auch kein Gedanke an die Möglichkeit gekommen, es zu brechen. Und als dann ganz allmälig ein Bedürfniß nach Liebe und neuem Glück sich in mir regte, als ich Dich sah und so bald empfand, wie lieb ich Dich haben mußte, sieh, Du sollst mich nicht für gewissenlos halten. Ich habe gerungen und mit mir gekämpft viele Tage und Wochen lang- Nächte habe ich wachend gelegen und mich immer wieder dasselbe gefragt. Und wenn Du es mir nicht angemerkt hast, so war das nur, weil Deine Gegenwart allein schon genügte, all' meinen Zweifel und Kummer zu verscheuchen. So bin ich denn langsam zur Klarheit gekommen, und so steht es unerschütterlich fest bei mir: ein Versprechen, in solcher Stunde und unter solchen Umständen gegeben, hat nicht die Kraft eines bindenden Wortes. Mein Mann lag im Sterben, in Fieberphantasien, und ich war krank, sinnlos aus Noth und Verzweiflung. Die Worte, in solchem Zustand gesprochen, werden nicht gewogen wie andere Worte, und wenn eine ewige Gerechtigkeit über unsere Thaten urtheilt, den Bruch eines solchen Versprechens wird sie nicht als Sünde anrechnen."

Ein Wort ist ein Wort, und Versprechen ist Versprechen," sagte Georg und sah mit einem festen, fast kalten Ausdruck zu ihr hinüber. Gleich aber verschwand die energische Spannung aus seinen Zügen wieder, er versank abermals in finsteres Grübeln, und nach einer Weile fragte er halblaut, mit stocken­der Stimme:Wenn er nun käme?"

Wer?"

Wenn er zurückkäme, wie er es gesagt hat?"

Sie antwortete nicht, blickte ihn an und schüttelte den Kopf.

Er aber ließ nicht nach.Wenn es nun geschähe?" fragte er mit erhöhtem, beinahe leidenschaftlichem Nachdruck.

Es ist ja unmöglich!"

Er hat es gelobt. Und es gießt mehr Dinge zwischen Erd' und Himmel, als unsere Schulweisheit sich träumt. Würdest Du auch ihm gegenüber Deine Sophistereien mit Versprechen und Versprechen aufrecht erhalten?"

Das würde ich."

Wenn Du ihn vor Dir sähest?" Er fragte es mit