Ausgabe 
22.10.1896
 
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UnterlMungsbLatt pim Gießener Anzeiger (General-Anzeiger),

KermerStag den 22 Oetober

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Falsches Spiel.

Roman von E. v. Linden.

(Fortsetzung.)

Er stand auf und deckte ein feingesticktes Tuch, bar auf dem Teppich lag, über das starre Gesicht. Das Tuch, dem ein feines Parfüm entströmte, gehörte der Lady, wie Joe mit einer Anwandlung von Thetlnahme dachte.

Diese Beiden hätten doch so vortrefflich für einander gepaßt I

Joe Catton seufzte und setzte sich jetzt in einen bequemen Lehnsessel, um sich wieder mit seinem eigenenIch" zu be- fettigen, wozu nur der Lebende bekanntlich ein Recht hat.

17. Capitel.

In der Falle.

Mittlerweile saß Melwig bei seiner Nichte, die noch immer angekleidet auf ihrem Ruhebett lag und jetzt eine merkwürdige Fassung zeigte-

Du hast also diesem Herrn vom Adel gegenüber eine Niederlage gehabt, Onkel I" bemerkte sie, als er seine Mit­theilung beendet hatte, etwas ungeduldig.Wozu die Sache umschreiben? Dergleichen ist bei mir doch unnöthig."

Nenne er, wie Du willst, Ebba Regina I" murrte er» ich konnte nicht anders handeln, weil ich mit den Gerichten nun einmal nicht» zu schaffen haben will. Glaubst Du vielleicht, die Sache hätte mir Spaß gemacht? Wie hatte ich mich auf das Gaudium gespitzt, die Hand de« Gesetze» auf den Stolz des Römhild'schen Hause» zu legen, den adligen Namen mit Schanden zu bedecken."

Du hättest die Drohung nicht beachten, e» darauf an­kommen lassen sollen, Onkel, nun ist der Schimpf auf uns zurückgefallen. Bedenke nur, daß wir mit einem Schlage gerächt worden wären an diesem hochmüthigen Adel."

Melwig wiegte den Kopf.

Was hätten wir davon gehabt, mein Kind ? Nichts als Widerwärtigkeiten ohne Ende, vielleicht den Bettelstab."

Ebba Regina sah ihn betroffen an.

Nun ja, es wäre eine Kette geworden, die mich in'»

Gefängniß, oder gar ins Zuchthaus gebracht, vielleicht mein Verwögen gekostet hätte. Als der alte Herr von Römhild von dem Haftbefehl gegen feinen Sohn erfuhr Gott mag wissen, «er ihm einen Wink davon gegeben hatte"

Wahrscheinlich Dein Advocat fiel Ebba Regina et«.

Nein, der nicht, aber sein erster Schreiber, wie ich glaube, der Bursche ist nämlich der Sohn eines armen Adeligen, da» hängt wie Pech und Schwefel zusammen. Genug, daß der Alte Wind davon bekommen und sich hinter den Alting'schen Notar gesteckt hat, der ein ganz durchtriebener Fuchs ist. Obschon er nicht viel Zeit hatte, weil er verreisen wollte, so brachte er's doch in der Geschwindigkeit fertig, meinen Advocaten lahm zu legen, und zwar mit Wurst wider Wurst! Haust Du meinen Juden, so hau' ich Deinen Juden! Dem Betrug wurde das Hazardspiel in Lindenhagen, da» alle Junker bezeugen sollten, entgegengestellt, und dann wurde auch noch herauSgetiftelt, daß kein Betrug abseits« des Ulanen-Lieutenants erwiesen werden könnte, daß aber die Verhaftung mir theurer zu stehen kommen solle, weil man mir in den hohen Wechselsummen einen Betrug nachweisen und mich gerichtlich belangen werde. Was sollte ich thun, als klein beigeben?"

So verzichtest Du also auch auf die Einlösung der Wechsel?" fragte Ebba Regina spöttisch.

Nein, sie werden übermorgen zum vollen Werthe einge­löst. Dagegen habe ich mich leider verpflichten müssen"

Melwig hielt zögernd inne und strich sich mit der Rechte« über die Stirn. Eine Art wie Furcht schien über ihn zu kommen, Ebba Regina hatte es verstanden, selbst dem reichen Onkel, von dem sie doch gänzlich abhing, Respect einzuflößen.

Nun?" fragte sie kurz, als er noch immer schwieg.

Ja, liebes Kind, wenn ich die Sache recht überlege," fuhr er entschlossen fort,so haben wir hier in dieser Gegend, umgeben von ausgesprochenen Feinden, ja eigentlich gar keinen festen Boden mehr, besonder» seit unser Freund Alting so schnell von uns gerissen worden ist. Ltndenhagen wird Dir also auch nicht mehr so sehr am Herzen liegen"

Ebba Regina hatte sich rasch aufgerichtet.

Sprich nur grad heraus, Onkel," unterbrach sie ihn finster.Du hast Dich verpflichten müssen, Ltndenhagen