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Lind wir gesunder und kräftiger als unsere Vorfahren.

Von Dr. Otto Gotthilf.

------- (Nachdruck verboten.)

Obgleich die Gesundheitspflege erst seit wenigen Jahr­zehnten von der medicinischen Wiflenschast und von den staat­lichen Organen wirklich gefördert und practisch ausgeübt wird, erstehen doch schon hier und da Schwarzseher, welche dem Menschengeschlechte eine allmähliche körperliche Entartung, eine stetig zunehmende Degeneration prophezeien, weil durch die Thätigkeit der Gesundheitspfleger eine große Menge schwäch­licher und kränklicher Existenzen am Leben erhalten werde, die dann nach dem Gesetze der Vererbung ihre körperlich un- günstigen Eigenschaften auf ihre Nachkommen übertrage. Da­durch müsse unsere Rasse, wenn auch langsam, so doch sicher degeneriren und die Menschheit von Generation zu Gene­ration immer ungesunder und schwächer werden. Als Ideal schwebt diesen Unheil verkündenden Propheten der alte sparta­nische Staat mit seiner Auslese der kräftigsten Individuen vor. Bekanntlich gehörte gemäß der Lykurgischen Gesetzgebung jeder Spartaner sofort nach der Geburt dem Staate an, der darüber entschied, ob der Neugeborene gesund und kräftig war und daher zu der Hoffnung berechtigte, ein nützliches Mitglied der Gemeinde zu werden, oder ob er, weil er schwächlich und kränk­lich, dem Staatswesen mehr zur Last als zum Nutzen gereichen würde, in welchem Falle dann sein Leben durch Aussetzen in eine Schlucht des Berges Taygetos zerstört wurde. Aber die Weltgeschichte hat zur Genüge bewiesen, daß die Lykurgische Gesetzgebung den Spartanischen Staat keineswegs vor dem Untergange bewahren konnte, und daß dieser auserlesene Volks­stamm .weder körperlich noch geistig solche ruhmreiche und herrliche Thaten vollbracht hat, wie sein ganz ohne Zuchtwahl dahinlebender Rivale, das alte Athen.

Was nun die Degeneration unserer Rasse betrifft, so mag wohl zugegeben werden, daß bisweilen dann allmählich eine Entartung sich bemerkbar machen kann, wenn nur Heirathen in streng abgeschlossenen Familien oder Gemeinden stattfinden und nie eine Aufnahme von frischem gesundem Blute aus andern Kreisen eintritt. Dann häufen und vermehren sich immer wieder dieselben angeborenen kleinen Erbfehler zu wirk­lichen großen Leiden, wenn nicht durchMesallianzen" dem Nebel bei Zeiten abgeholfen wird. Man trifft dies in ein­zelnen streng aristrokratischen Familien, in wohlhabenden unter ärmeren Leuten lebenden Bauerngeschlechtern oder bei Kolonisten, welche mitten zwischen uneivtlistrten Völkern leben. Das sind aber nur sehr seltene Ausnahmen; im allgemeinen rege- nerirt sich das Menschengeschlecht dank dem unberechenbaren Schalk Amor stets wieder durch Heirathen von Personen der verschiedensten Constitutionen und Anlagen. Ja, unsere Gene­ration ist sogar gerade mit Hilfe der Göttin Hygiea gesunder und kräftiger geworden, als unsere Vorfahren waren. Der große Münchener Hygieniker, Professor von Pettenkofer, hat dies wiederholt hervorgehoben. So waren nach den Schilde­rungen Homers die damaligen Helden viel kleiner und schwächer als wir. Wenn man in Burgen und Museen die Rüstungen der Ritter des Mittelalters sieht, so erscheinen diese aus ihren Consolen zwar sehr imposant und riesig, aber in Wirklichkeit passen unsere Reiter und Soldaten nicht mehr in diese Rüstungen. Als bei der Hochzeitsreise der jetzigen Königin Victoria von England die schottischen Edelleute ihr ein nationales Fest geben wollten und dazu, um die Sache mögachstecht" zu machen, die alten, in den Schlössern ver­wahrten Kleidungsstücke und Rüstungen hervorsuchten, zeigte es sich zur allgemeinen Ueberraschung, daß die Nachkommen viel größer und stärker waren als ihre Vorfahren; Männer und Frauen mußten auf das Anlegen der echten Gewänder verzichten und sich neue anfertigen lassen. Der Anthropologe Ammon, welcher speciell für das Großherzogthum Baden Messungen über die körperlichen Größenverhältnisse zu den

verschiedensten Zeiten vörgenommen hat, stellte fest, daß voll 1840 bis 1878 die Wehrpflichtigen um ein bis eineinhalb Centimeter größer geworden sind. Also von einem körper­lichen Rückgänge, von einer Entartung der Menschheit kann absolut nicht die Rede sein.

Auch unser Gesundheitszustand ist ein viel besserer als derjenige unserer Vorfahren. Dies beweist namentlich die ganz sicher gestellte Thatfache, daß sich die mittlere Lebensdauer der Menschen, vom Tage der Geburt an gerechnet, im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte beinahe verdoppelt hat, d. h. daß der einzelne Mensch, welcher heutzutage zur Welt kommt, eins fast doppelt so große Aussicht hat alt zu werden, wie sie der vor mehreren hundert Jahren Geborene hatte. Während man die mittlere Lebensdauer im Mittelalter mit der ungefähren Zahl von 21 Jahren annimmt, wird sie für die Jetztzeit mit 40 Jahren angenommen. Dies gilt allerdings nur für die civilisirten Völker, für die Bevölkerung der ganzen Erde veranschlagt man sie ungefähr nur auf 33 Jahre. Die zuverlässigsten statistischen Angaben aus älterer Zett über diese Verhältnisse besitzen wir aus dem Canton Genf, von wo seit beinahe 400 Jahren genaue Todtenregister vorliegen. Dort betrug im Jahre 1560 die mittlere Lebensdauer 22Vs Jahre, wärend sie 1833 bereits auf 40Vs Jahre, also beinahe auf das Doppelte gestiegen war. In der Riesenstadt London starben zur Zett der Königin Elisabeth (1533 bis 1603) von eintausend Menschen jährlich 42, während tm Jahre 1846 sich die Zahl auf 25, und im Jahre 1891 auf 19 ver­minderte.

Diese Beispiele mögen genügen, um statistisch zu beweisen, daß wir nicht nur, wie vorhin gezeigt wurde, kräftiger, sondern auch gesunder und damit langlebiger geworden find als unsere Vorfahren. Es ist also ganz falsch, von einer zunehmenden körperlichen Schwächung des Menschengeschlechtes zu sprechen, vielmehr findet sogar das Gegentheil statt, bewirkt durch dir hygienische Besserung unserer Lebensumstände, wie sie Civili- sation, Wissenschaft und steigender Wohlstand im Gefolge haben. Daher sprechen manche Natwnalöconomen und Hygieniker schon die Hoffnung aus, daß sich aller Voraussicht nach die mittlere Lebensdauer in ein bis zwei Jahrhunderten auf 50 Jahre erhöhen werde. Dann würde allerdings die schwierige Frage entstehen, wie für so große Menschenmengen genügender Raum und Lebensunterhalt auf unserer kleinen Erbe zu beschaffen sein dürfte. Aber darüber brauchen wir «ns jetzt noch nicht den Kopf zu zerbrechen. Wie unzählig viele Möglichkeiten gibt es, die in Zukunft das Menschengeschlecht decimiren können, bli wiederholt Zehntausend« und Hunderttausende plötzlich dahk« raffen können. Männermordende Kriege, ganze Landstrichs verwüstende Ueberschwemmungen, Städte und Länder deci- mirende Epidemien, Erdbeben, Feuers- und Hungersnoth, sie alle können, wie besonders die letzten Jahre gezeigt haben, in ganz kurzer Zeit Hunderttausende von Menschenleben ver­nichten und Gesundheit, Wohlergehen und Lebenskraft ganzer Völker für mehrere Jahrzehnte untergraben. Die Vorsehung sorgt eben auch hierin dafür, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen I

Humoristisches.

Falsch verstanden.Wie geht'« Ihrer Frau?" Schlechter, Herr Doctor."Haben Sie ihr denn die Medicin gegeben?" -Freilich." -Und sie nach Vor- schrift geschüttelt?"Daß ihr Hören und Sehen verging!

Nie dagewesen. Huber:Wenn i Durscht hab', trink' i a Bier; wenn i recht lusti sei'will, trink' i an Wein, wenn's mer net recht extra is, trink' i an Schnapp Meyer:Wenn trinken S' denn nach« a Wasser? Huber (verblüfft):Ja so a Fall is mer no net fur- kommal"

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