fte auch mit dem Sohns in Göttersberg und der Alte hat
an Wolf immer seinen Narren gefressen."
(Fortsetzung solgt.)
Schmücke Dein Keim!
Die neue humoristischen Wochenschrift „Jugend" (G Hirth'S Verlag in München und Leipzig) veröffentlicht in einer ihrer letzten Nummern folgenden Aussatz aus der F.der „Theodoretta Rofinblühs", der eine zur Manie aus- artende allbekannte deutsche Hausfrauentugend mit Recht ver- spottet:
Nachdem ich aufgefordert worden bin, für Ihre Zeit» schrist über meine Erfahrungen in Bezug auf häusliche Kunst einen Artikel zu verfassen, schicke ich, weil ich ohnedies die Schriftstellers auch al« Liebhaierkunst betreibe, indem daß verschiedene Zeitschriften wie „die Kunst für die deutsche Hausirau", das „Haurmütlerchen" und der „Leimtopf" Aufsätze von mir gebracht haben und dieselben großen Anklang gesunden haben, Ihnen Einiger aus meiner Praxis und langjährigen Erfahrung, welche ich mir im Laufe der Jahre erworben habe.
Theure Leserin! Man glaubt gar nicht, mit was man Alles sein Heim schmücken kann.
In meinem Hause wird, die Küchenabfälle inclusive mit eingeschloflen, Alles zur Schmückung des Heims verwendet und haben wir schon zwei weitere Zimmer mit dazu miethen müssen, um Alles unterzubrtngen. Aus ganz Unscheinbarem kann eine geschickte L ebhaberkünstlerinnenhand den reizendsten Zimmerschmuck verfertigen. So essen wir z. B. öfters Leber- würste. Ick sorge, daß die Häute sorgfältig ausgeschnitten werden, trockne sie, reinige sie, nähe sie zusammen, spanne sie auf Rahmen, bemale sie mit Wvsserfarben und erziele dadm ch einen F nsterschmuck, der, sobald es dunkel wird, aussieht wie echte Diaphamen. Mein Mann hat sich allerdings beklagt, daß er jetzt gar so oft Leberwürste essen muß, aber die schönen Glasfenster - Imitationen in seinem Schreibzimmer haben ihm doch recht viel Vergnügen gemacht, wozu sich die von Blutwurst weniger eignen, weil sie nicht so durchsichtig sind, und er gab sich schließlich zufrieden.
Theure Leserin, wie war ich da erfreut I
Unierm Speisezimmer fehlte schon lang ein Lüster. Ich habe aus einem alten Reaenschtrmgestell, einigen Kstos alter Glasscherben und einer Mischung von verdorbenen Salzgurken, Kartoffelschalen, Asche, Gyo« und zu Grunde gegangenen Bücklingen einen prachtvollen Lüster hergestellt. Die Stangen bet Regenschirmes bestrich ich mit einer aus obiger Jngre- dtenzen gekneteten Masse, den Bücklingen nahm ich die Schu ppen ab, war eine prächtige Vergoldung für den Lüster abgab, auf den ich sie klebte, und die Glasscherben ließ ich schleifen und behängte damit den Lüster, der anfangs nicht angenehm roch, aber von geradezu prächtiger Erscheinung war; nur do« Schleifen war etwas theuer, nach dessen Preis ich vergessen hatte, vorher zu fragen. Der Glasschleifer hat 275 Mk. verlangt — aber es gibt gewiß Schleifer, die das billiger machen.
Lange war es mein sehnlichster Wunsch, die Büste meines Li-bltngrcomponisten zu besitzen, indem ich auch die Musik als L ebhaberkunst treibe und mir dieselbe in echtem GypS zu kostspielig war. Nun verfiel ich auf einen Gedanken, auf den ich wirklich bolz bin; ich hatte ein Gefäß, welches überflüssig wurde, da mein Jüngster sozusag n daraus wuchs. Dieses f.tzte ich auf einen abgebrochenen Lampmfuß, schlug den Henkel ab, modellierte eine Nase an seine Stelle und auch dos Uebrige, was zum Gesicht gehört, bis es den großen Künstler ähnlich sah und ich mit Goldbronce bestrich, wo es bann wirklich wie eine echte Broi.cebüste aussah. Um da« Gesicht recht ähnlich zu machen, hatte ich mir mehrere große Phoiographieen und Stahlstiche mit Portrait» des Meisters
gekauft. Für dis echte Büste verlangte der GypsfigurcnhÄtdler 6 Mk-, mir kostete dis meinige nichts, als UN 20 Pjeanigs Modellirwachs und um 10 Pfennige Goldbronce.
Mit Goldbronce läßt sich überhaupt Fabelhafter erreichen. In meinem Rococozimmer habe ich z. B. einen Spiegelrahmen einfach durch aufgenagelte Salzbretzen stilvoll verziert. Kein Mensch kennt da« von einer echten Schnitzerei „Louis XV“ weg. Ein Galosche meiner Schwiegermutter, in die ich eine Kmderbadewanne aus Blech stellte, gab einen wundervollen ovalen Blumentisch, ein Corsett der gleichen Dame mit Lemma sser steif gemacht und broncirt ist al« Behälter für getragene Wäsche jetzt die Zierde unseres Schlafgemaches.
Wie gesagt, theure Mitschwester, ich verwende Alles im Haushalt zur Schmückung unseres Heims: Aus alten Stiefelsohlen meines Mannes habe i h in Lederschnttt sehr hübsche Bierglasuntersätzchen gemacht, au« alten Konservenbüchsen, abgelegten Bügeleisen und Blechtöpfen stellte ich einen Rttter- harnisch für unfern Vorplatz zusammen, den nur ein Kenner, weil derselbe wirklich hübsch ist, von einem echten Max- Emar uelharr lsch weg kennt, wie man sie heißt. Ein herrliche« Tintenzeug erhielt mein Gälte von mir zu seinem letzten Geburtstag; und aus was ist es? Nur aus abgebrochenen Soxhletflaschen, Austernschalen und Hummerscheeren. Za seinem Namenstag bekam er einen Pseifenständer — aus was? Au« zwei defecten Teppichklopfern und einem zerbrochenen Toilette-Eimer und den Resten einer ausrangirten Bettvorlage — es sieht aus wie indisch. Erst jüngst habe ich ihm den Sitz seines Schreibstuhles mit tiefer Kerbschnitt- arbeit verziert. Er sagt, er müsse nun an mich denken, so oft er darauf sitzt, wie ihn überhaupt jedes Stück in unserem Hausrath an meine fleißigen Hände erinnert. Ich glaube, sagen zu dürfen, daß nahezu nichts mehr ungeschmückt ist in unierm Heim. Bei Einladungen verzieren wir sogar Zahnstocher und Streichhölzer mit Holzbrand. Ueberhaupt wird mit dem Glühstlft Alles bearbeitet, was au« Holz oder Leder ist, wie ich auch olles Porzellan- und Steingutgeschirr stilvoll bemale.
Daß man alle Stoffresten zu liebhaberkünstlichen Arbeiten verwenden kann, versteht sich von selbst. Unter großer Salonteppich weist Muster von sämmtlichen Hosen auf, die mein Mann in den 24 Jahren unserer Ehe getragen. Man hielte denselben für einen echten Perser. Unsere Vorhänge sind mit der Wolle abgetragener Strümpfe und Sockm gestrickt und hängen an (bronctrten) Vorhangstangen, die früher Besen gewesen sind. Unsere Stühle sind mit meinen ehemaligen Seidenkleidern überzogen, unsere altdeutschen Tischtücher sind ehemalige Bettli ken, die ich mit rothem Garn verziert habe, während unsere Betttücher au« ehemaligen altdeutschen Tischdecken bestehen. Alte Schnupftücher lassen sich mit geschickter Benützung der Löcher und Flicken in reizende ü-jour-Deckchen verwandeln und sind dieselben für Teller, Brodkörbchen sehr verwendbar.
Alles läßt sich verwenden, theure Leserin, wirf gar nicht« weg in Deinem Haushalt: Eierschalen, Fischgräten, alte Handschuhe, Geflügeiknoten, Cigarrenkisten, Tintenflaschen, Nestlo- Büchsen, Zundholzschachteln, Cartonemballagen, zerbrochene» Geichirr jever Art, Slaniolkapscln, Flaschenkorke, Alle« läßt sich verwenden, bronctren, Punzen, aussägen, brennen, ver- löthen, schneiden, schleifen, graviren, bemalen, annageln, aushängen, feilen, lackiren, treiben, hämmern, ätzen, bekleben, kerb- schneiden, schnitzen, transparent machen.
Unser eigenes Heim ist nun allerdings schon so sehr als möglich geschmückt. Aber im nächsten Jihr geht meine Tochter auf den ersten Ball. Da fang ich jetzt mit ihrer Aussteuer an. UebrigenS fällt mir dabei ein, daß man abgelegte Ballblumen auch bronciren kann und sie dann von Kunstschmiedearbeiten nicht wegzukennen sind. Was sehr hübsch >st.
Also schmücke Dein Heim.
Redaktion: A. Scheyda. - Druck und »erlog der Brühl'scheu UmverstMS-Buch- und Steindrucke«! (Pietsch & Scheyd») in Stegen.


