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rächen," entgegnete Frau Falkner. „Der junge Lord hat jetzt andere Pläne."
„Vielleicht!" erwiderte die Frau ruhig. „Es ist nur natürlich, daß der vermeintliche Sohn seinen Gefangenen in das Haus seiner Mutter bringt ... es war seine Zuflucht," setzte sie Adele mit einem bedeutungsvollen Lächeln anblickend, hinzu, ,'vielleicht ist es seines Herzens Wunsch, daß es seine Heimath werde." # e
Mit einem seltsamen Gefühl näherte Cora sich dem Orte, wo sie die frühesten und vielleicht glücklichsten Jahre ihres Lebens zugebracht hatte. Alles, was in Beziehung dazu stand, rief diese Kindheit so lebhaft in ihr Gedächtniß zurück, daß sie sich kaum denken konnte, daß die Jahre und Ereignisse, die sie, seit sie dieses Häuschen verlassen, erlebt hatte, wirklich dazwischen lagen.
Frau Falkner und Adele waren jetzt ebenso bei ihr wie damals. Die Umgebung des einsam dastehenden Häuschens war unverändert.
Sie selbst fühlte sich fast wieder in jene Kinderzeit zurückversetzt, als ihr Auge auf die bekannte Gegend fiel, und ihr war, als könne ste wieder die Höhen da erklimmen, wieder wie früher das herankommende Schiff beobachten, das ihr den theuersten Gegenstand ihrer jungen Liebe zurückbrachte. Wo war er jetzt, der einst vergötterte junge Mann, der Beschützer ihrer Kindheit, der edle, großmüthige, liebende Rupert Falkner? Er war der hochgeborene Erbe eines edlen Namens, der reiche Abkömmling einer alten Adelsfamilie, der Gemahl eines Mädchens, das die Welt die als feine Gemahlin Passendste nennen würde. Cora war dagegen allein und einsam. Alle, die sie gekannt und geliebt hatten, schienen wie durch ein Verhängniß von ihr getrennt zu sein, sie sür schuldig zu halten und sie von sich zu verbannen.
Sogar er, der ihr mehr als das Leben verdankte, sollte sie — ihrem eigenen Gelübde gemäß — nur sehen, um ihre Friedensbotschaft, die sie ihm brachte, in Empfang zu nehmen und dann für immer für sie verloren zu sein.
Liebte sie ihn? Bereute ste das Gelübde, das sie abgelegt hatte?
Cora hätte sich diese Frage kaum beantworten - können. Sie hatte ihn gerettet und gepflegt, sie war die unbewußte Ursache seiner Gefahr und Unehre und der edle, selbstlose Retter vor bösen Folgen gewesen. Er hatte sie geliebt, ja, sie fühlte es, er liebte ste noch tief und innig.
War es zu verwundern, daß ihre Pulse rascher schlugen, als der Wagen, in dem ste saßen, langsam vor dem kleinen Hause vorfuhr, und wenn sie unwissentlich die Augen schloß, um sich die bevorstehende Unterredung auszumalen, die für immer die letzte Episode zärtlicher Romantik für ihr junges Herz beschließen würde?
Aber jetzt war nicht die Zeit, solchen Gedanken nachzuhängen. Es waren neidische, unfreundliche Augen auf sie gerichtet und ihr einziges Bemühen mußte sein, den Sturm in ihrer Brust so gut als möglich fremden Blicken zu verbergen.
Die Fenster des Hauses waren geschlossen und kein Mensch ringsum zu sehen, als der Wagen vor dem kleinen Gitter vorfuhr, doch das war natürlich, denn die Vorsicht gebot Ernst Belfort, durch nichts fein Hiersein zu verrathen.
Frau Falkner stieg zuerst aus; ihr folgten Adele und Cora und rasch näherten sie sich der niedrigen Hausthür.
Aber ihr Zeichen zum Einlaß blieb unbeantwortet, obwohl sie wiederholt heftig an die Thür klopften.
Frau Falkner zog die Stirn in finstere Falten.
, , »Das ist sonderbar, höchst sonderbar I" murmelte sie. „Ich habe Alles sür meine Rückkehr vorbereitet und außerdem bin idj überzeugt, daß Lord Belfort den Schutz, den er hier gefunden hat, nicht absichtlich mit solchem Undank lohnen würde, daß er das Haus so heimlich verläßt."
Sie zog einen Hauptschlüffel aus der Tasche, den sie stets
bet sich trug, schloß die Thür mit einiger Mühe auf und trat mit den beiden jungen Mädchen in die verlassenen Räume.
Das war das Zsinmer, in welchem einst Lord Faro zuerst das schöne junge Wesen gesehen, das auf sein und seiner Angehörigen Schicksal so großen Einfluß ausgeübt hatte. Nichts war darin verändert. Alles stand noch genau so wie zu jener Zeit und Cora schrack jetzt vor dem Zusammentreffen, das ihr ihrer Meinung nach mit einem ihr noch Theueren bevorstand, scheu zurück. Aber das Zimmer war leer und still.
Frau Falkner durchschritt rasch die verschiedenen Räume und dann stieg sie mit einer Schnelligkeit die schmale Treppe hinauf, wie man ste ihr kaum zugetraut hatte, aber nirgends war eine Spur eines lebenden Wesens zu entdecken.
Endlich wendete Frau Falkner sich zu ihrer Tochter und dem bleichen Mädchen, dem alle Pulse in fieberhafter Angst und Erregung schlugen.
„Das ist ein unerwartetes Ende unserer Reise!" sagte sie. „Lord Belfort ist fort .... freiwillig oder gezwungen ... und mir scheint, daß, seit wir das Haus verließen, seltsame Dinge hier stattgefunden haben. Therese hat das Haus trotz meines Befehles, unter allen Umständen zu bleiben, bis ich zurück fein würde, verlassen und mir scheint, daß gewissenlose Hände in meinen geheimsten Fächern gewühlt haben, was mehr sür Gewalt und Verrath, als für ein freiwilliges Verlassen des Hauses spricht," fuhr sie ernst fort, doch zeigte ihr Gesicht einen halb triumphirenden, halb ängstlichen Ausdruck, als sie sich zu dem Findling wandte- „Jedenfalls ist nun alle Hoffnung, durch die Kleinigkeiten, die ich befaß, Deine Herkunft zu ermitteln, Cora, für immer verloren."
(Fortsetzung folgt.)
Madame Sans Gtzne.
Roman «ach Bictorien Sardou und F. Morroa«. Deutsch von »del« Berger.
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Catherine Lefebvre wies stolz auf den Kleinen, indem sie sagte: „Das ist mein kleiner Henriot, ein künftiger Sergeant, den ich erziehe, bis ich eigene Kinder bekomme, die die Republik vertheidigen werden."
Herminie drückte leise die Hand der Marketenderin und wendete sich zu dem Baron: „Diese ausgezeichnete Frau zog mit dem Bataillon durch das Dorf Jouy-emArgonne. Da ließ sie der Commandant Beaurepaire rufen und bat sie, sich in ein bestimmtes Haus des Dorfes zu begeben, wo sie ein Kind vorfinden würde. Er bezeichnete ihr außerdem auch diese Wohnung, wo sie mir das Kind übergeben und mich von der Ankunst der Freiwilligen, von dem Herannahen eines Beschützers benachrichtigen sollte. Aus diesem Grunde befindet sich Ihre Tochter hier, Herr Baron."
„So weiß also Beaurepaire?" stammelte Lowendaal.
„Alles," sagte Herminie fest. „O, glauben Sie mir, das war ein schmerzliches Geständniß. Aber ich hatte keine Hoffnung mehr außer meinem Bruder. Ich wußte nicht, wie er das traurige Geständniß aufnehmen würde, das ich ihm an einem Tage der Entmuthigung ablegte, wo ich, an allem verzweifelnd, sterben wollte."
„Und Ihr Bruder hat sich nachsichtig erwiesen?" fragte der Baron, indem er sich bemühte, so gleichgültig und ruhig wie am Beginne der Unterredung zu scheinen.
„Mein Bruder hat mir verziehen und sich beeilt, zu meiner Rettung und Befreiung zu kommen. Die Freiwilligen von Mayenne-et-Loire haben, von ihm geführt, Frankreich im Lauffchritte durchquert."
„Ja, Donnerwetter, bas waren Etappe», meins Herrschaften," sagte Catherine. „Wir hatten ja Alle große Lust, zur rechten Zeit zu kommen, um die gute Stadt Verdun zu befreien, aber der Commandant Beaurepaire, der hatte Flügel an den Fersen."
Die Trommelschläge waren näher gekommen, die Stadt


